Herr Favrod, das Casino Zürich lockt neu mit Männerabenden, an denen es nebst Gratiseintritt, Spieljetons und Getränken auch Poledance offeriert. Wie schlecht läuft das Geschäft, dass das nötig ist?

Michael Favrod: Immer, wenn man eine Marketingaktivität macht, heisst es, das Geschäft laufe schlecht. Events sind Teil des Marketingplans, übrigens organisieren wir auch für Frauen Anlässe. Jetzt testen wir Poledance, um zu sehen, wie das ankommt. Das hat nichts mit einem guten oder schlechten Geschäftsgang zu tun.

Schon im Frühling gab Swiss Casinos bekannt, dass das Casino Zürich ein Drittel weniger Gäste anlockte als erwartet, die zudem auch noch weniger ausgaben. Wie sieht es nun nach dem ersten Betriebsjahr aus?

Die Berechnungen für den Businessplan bei der Konzessionseingabe wurden gemacht, als es der Branche noch gut ging. Ab 2009 verlor die Branche fast 30 Prozent. Das Casino Zürich spürt das natürlich auch. Zudem haben wir Mitbewerber-Casinos im Umkreis von einer Autostunde als Konkurrenz. Der Wettbewerb um Ausgehgäste im Raum Zürich ist eine Herausforderung. Wir wollen in Zukunft zu den Top-drei-Ausgangsdestinationen gehören. Uns ist bewusst, dass wir im ersten Jahr noch nicht den Bekanntheitsgrad eines «Kaufleuten» haben, das seit 26 Jahren auf dem Markt ist.

Geht es inzwischen aufwärts?

Bis auf die Sommerperiode ging es das ganze Jahr über kontinuierlich aufwärts. Die Erwartungen wurden bereits bei unserer Halbjahresbilanz zurückgeschraubt. Momentan sind wir auf Kurs. Trotz vieler sonniger und warmer Tage lief der Oktober gut. Wie es weitergeht, werden die kommenden Wintermonate zeigen. Schlechtwetter ist Casino-Wetter. Zahlen werden wir erst an der Bilanzpressekonferenz im Frühling wieder veröffentlichen. Aber sie sind steigend.

Haben Sie mit so einem Start gerechnet?

Im ersten Moment waren wir enttäuscht. Dann haben wir die Erwartungen zurückgeschraubt und weitergearbeitet. Im ersten Jahr unternimmt man überdurchschnittliche Anstrengungen, um den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Hat Swiss Casinos beim Businessplan zu hoch gepokert, um die Lizenz für Zürich zu bekommen?

Nein. Es gab ja noch vier andere Mitbewerber. Diese waren auf ähnlichem Niveau und zum Teil höher. Das war kein Pokern. Pokern bringt in so einem Fall auch nichts, denn aufgrund der Zahlen wird ein Businessplan mit einer entsprechenden Kostenstruktur erstellt, die zum Beispiel auch den Mietzins, Spielbankenabgabe, Personal- und Marketingkosten umfasst.

Was machen Sie jetzt, damit es weiter aufwärtsgeht?

Zum Beispiel die erwähnten Marketingaktivitäten umsetzen, die wir langfristig geplant haben. Im ersten Jahr geht es ja auch darum, herauszufinden, was die Gäste für Bedürfnisse haben. Das kann Poledance sein, aber auch anderes. Bei den Ladys verlosen wir zum Beispiel monatlich edle Preise wie Louis-Vuitton-Taschen, Tiffany-Schmuck, Jimmy-Choo- oder Louboutin-Schuhe.

Welche Bedürfnisse haben Ihre Gäste?

In erster Linie gibt es den spielenden Gast. Der kommt wegen des grosszügigen Spielangebots, wobei das Produkt Spiel als solches weltweit gleich ist. Roulette ist Roulette. Da kann man sich gegenüber den Mitbewerbern nicht gross absetzen. Differenzieren kann man sich mit der Gästebetreuung und Marketingaktivitäten, um den nicht spielenden Gast für einen Besuch im Casino zu begeistern. Dafür haben wir den Barbetrieb, die Eventbühne und ein Restaurant. Man muss also nicht unbedingt spielen, wenn man zu uns kommt.

Aber um essen zu gehen, bezahlt man doch keinen Eintritt. Ist es für Sie eine Option, den Eintrittspreis abzuschaffen?

Die Diskussion läuft. Es ist nicht auszuschliessen, dass es diesbezüglich mal eine Veränderung gibt.

Besteht die Gefahr, dass das Casino Zürich schon bald aufgibt?

Nein. Hinter uns steht die Gruppe Swiss Casinos mit einem Schweizer Investor. Aufgeben steht nicht zur Diskussion. Die roten Zahlen im ersten Jahr machen uns kein Bauchweh und sind aufgrund der getätigten Vorinvestitionen im normalen Bereich. Aber natürlich müssen die Zahlen im zweiten und dritten Jahr in den schwarzen Bereich kommen.

Die Casino-Branche leidet seit 2009, wie Sie sagten. Was steckt dahinter? Nur die Online-Konkurrenz?

Online-Casinos sind sicher ein Faktor, die Finanzkrise und ihre Auswirkungen sowie das illegale Glücksspiel, das insbesondere in der Region Zürich verbreitet ist, spielen auch eine Rolle.

Themenwechsel: Wie viele Leute mussten Sie wegen Spielsucht fürs Casino Zürich sperren?

Ein grosses Casino hat pro Jahr zwischen 500 und 700 Sperren. In diesem Bereich werden wir voraussichtlich auch landen. Das heisst aber nicht, dass diese Leute alle spielsüchtig sind. Wenn jemand innert 30 Tagen mehr als zwölf Mal zu uns kommt, suchen wir das Gespräch und machen darauf aufmerksam, dass Spielen eine Gefahr sein kann. Etwa zwei Drittel der Sperren werden von den Gästen initiiert. Das ist das Erfreuliche daran: Wenn man mit betroffenen Gästen spricht, merken sie schnell, dass sie mal eine Pause machen sollten.

Wie setzen Sie die Sperren durch?

Beim Eintritt muss jeder Besucher einen amtlichen Ausweis zeigen. Wer gesperrt ist, erhält schweizweit keinen Einlass.