Regierungsratswahlen 2015
Carmen Walker Späh: Die Stehauf-Frau mit Urner Hörnern

Carmen Walker Späht zieht zusammen mit ihrem Parteikollegen Thomas Heiniger in den Wahlkampf. Die Kernthemen der 57-jährigen FDP-Kantonsrätin sind weit gestreut und reichen von Baurecht bis zu Frauenanliegen.

Philipp Lenherr
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Carmen Walker Späh will für die FDP den Sitz der zurücktretenden Regierungsrätin Ursula Gut verteidigen.

Carmen Walker Späh will für die FDP den Sitz der zurücktretenden Regierungsrätin Ursula Gut verteidigen.

Alex Spichale

Carmen Walker Späh galt zu Beginn des parteiinternen Nominationsverfahrens im vergangenen Jahr nicht als Favoritin. Und doch setzte sie sich letztlich durch gegen Beatrix Frey-Eigenmann, Finanzvorsteherin der Gemeinde Meilen, und Thomas Vogel, Fraktionspräsident der FDP im Kantonsrat.

Die Nomination muss eine grosse Genugtuung gewesen sein für die 57-jährige Juristin, die parteiintern immer wieder auch Niederlagen einstecken musste. So zog ihr die städtische FDP 2012 beispielsweise Marco Camin vor, als es um die Nachfolge des zurücktretenden Stadtrats Martin Vollenwyder ging. Camin schaffte die Wahl nicht. Auch ins Rennen um das Präsidium der Kantonalpartei ist Walker Späh bereits einmal erfolglos gestiegen.

Die Stehauf-Frau

Nach Niederlagen nicht aufzugeben, sondern wieder aufzustehen und weiterzumachen, ist eine Eigenschaft, die Walker Späh sowohl von politischen Gegnern wie von Wegbegleitern zugeschrieben wird. «Ich kann mich durchsetzen, aber auch einstecken», sagt sie selber.

Walker Späh ist im Kanton Uri geboren und aufgewachsen. «Von dort habe ich wohl auch meine Hörner her», sagt sie. Im Alter von 20 Jahren ist sie für das Studium nach Zürich gekommen und im Laufe der Zeit wohl zu einer Städterin geworden. Sie habe aber auch ein Herz für das Land, sei bodenständig und eine geerdete Person. «Als Bauanwältin bin ich durchaus auch mal in Ställen oder auf Baugerüsten unterwegs.» Sie sei überzeugt, dass Bauen etwas Politisches sei.

Ihre ersten Schritte in Richtung Politik hat Walker Späh gemacht, nachdem sie Mutter wurde und sich für Quartieranliegen wie die Sicherung des Schulwegs und die Freilegung eines Quartierbächlis einsetzte. 1995 ist sie in die FDP eingetreten, im Jahr 2000 wurde sie in den Verfassungsrat, zwei Jahre später in den Kantonsrat gewählt. Seit 2003 ist sie Mitglied der Kommission für Planung und Bau.

Baudirektion im Visier?

Überhaupt zieht sich der Bau – und vor allem das Baurecht – wie ein roter Faden durch ihr Leben. Ihr Vater war Architekt. Ihre eigene Kanzlei, die sie seit rund 15 Jahren führt, ist auf Baurecht spezialisiert. Im selben Haus betreibt ihr Ehemann sein Architekturbüro.

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass Walker Späh im Falle einer erfolgreichen Wahl am liebsten die Baudirektion von SVP-Regierungsrat Markus Kägi übernehmen würde – doch sie winkt vehement ab. «Ich habe keine Wunschdirektion.» Sie sei als Selbstständige schliesslich auch Unternehmerin, und kenne sich daher mit Finanzen aus – oder als Anwältin natürlich mit der Justiz.

Den Ausgleich zum Bau und dem mit ihm verbundenen Paragrafendschungel findet die Juristin an einem Ort, an dem Bauen tabu ist: «Zur Erholung gehe ich gerne in den Wald. Das Grün, die Üppigkeit der Natur: Wälder faszinieren mich einfach», sagt sie.

Die Sache mit der Quote

Ein weiterer Schwerpunkt der politischen Tätigkeit von Carmen Walker Späh ist ihr Einsatz für Frauenanliegen. Seit 2010 ist sie Präsidentin der FDP Frauen Schweiz. Mit der Forderung nach der Einführung von Frauenquoten sorgten die FDP Frauen 2012 für lebhafte Diskussionen innerhalb der liberalen Partei. Ihre Forderung sei damals teilweise missverständlich weitergegeben worden, sagt sie heute.

«Ich bin gegen Quoten in der freien Wirtschaft. Aber der Staat soll mit gutem Beispiel vorangehen. Dort können befristete Zielvorgaben sinnvoll sein.» Walker Späh bezeichnet sich als Kämpferin für eine fortschrittliche Gesellschaft – für Frauen und für Männer. «Es geht um unsere ganze Gesellschaft, nicht einfach um Feminismus.» Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beispielsweise steht heute bei vielen Parteien weit oben auf der Agenda.

Als Walker Späh ihren ersten Sohn gebar, war das noch anders. Dass sie ihre damalige Kaderstelle beim Winterthurer Baudepartement behalten und in einem Teilzeitpensum weiterführen konnte, war nicht selbstverständlich. Als eine wichtige Massnahme für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sieht Walker Späh die Tagesschulen.

«Kein Gewinn»

Während ihre Positionen in gesellschaftlichen Fragen auch in der politischen Mitte oder sogar links davon Anklang finden dürften, ist dies bei ihrem Kernthema, dem Baurecht, häufig weniger der Fall. «Carmen Walker Späh ist eine typische Interessenvertreterin der Bauwirtschaft», sagt Gabi Petri, grüne Kantonsrätin und Geschäftsführerin des VCS Zürich. Ihre Wahl wäre politisch nicht gut für Zürich und kein Gewinn für den Regierungsrat, ist sie überzeugt.

Als zugängliche und konsensorientierte Diskussionspartnerin wird sie hingegen von SP-Kantonsrat Ruedi Lais beschrieben. Walker Späh sei eine Brückenbauerin, die Mehrheiten zu bilden versuche – in ihrem Sinne, selbstverständlich.

9 Fragen – Carmen Walker Späh über Perfektionismus, Idole und ihre Schwachstellen

Limmattaler Zeitung: Was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?
Carmen Walker Späh: Den Perfektionismus, den wir im Kanton Zürich haben, würde ich gerne ein wenig abbauen.

Wohin würden Sie auswandern, wenn Sie müssten?
Nach Alaska.

Welche noch lebende Persönlichkeit halten Sie für vorbildlich?
Idole habe ich keine. Aber meine Vorbilder sind die vielen unternehmerischen Menschen, unter anderem in den KMU, welche all die Arbeitsplätze und Lehrstellen schaffen.

Welche Lektüre liegt bei Ihnen auf dem Nachttisch?
Keine. Ich lese viel am Tag und geniesse deshalb abends eine lektürefreie Zeit.

Welche Ausrede können Sie nicht ausstehen?
«Das kann ich doch nicht.» Man muss es doch wenigstens probieren!

Bei welcher Gelegenheit werden Sie schwach?
Bei meinen Söhnen, ihnen gegenüber kann ich schwer Nein sagen.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Mit meiner ganzen Familie noch einmal eine grosse Reise in die Wildnis machen.

Was ist für Sie Glück?
Kleine Dinge und schöne Momente schätzen zu können.

Macht Ihnen die Vorstellung Mühe, dass Ihr Leben endlich ist?
Mit Blick auf meine Söhne, ja.(PLE)