Der unter dem Pseudonym «Carlos» bekannt gewordene jugendliche Straftäter hofft gemäss einem Bericht der «SonntagsZeitung» von gestern noch immer auf eine Rückkehr ins Sondersetting. Derzeit sitzt der 18-Jährige im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU).

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass das Zürcher Obergericht einer Beschwerde des jungen Mannes eine Abfuhr erteilt hat. Damit wollte «Carlos» erreichen, dass er aus der geschlossenen Unterbringung in Uitikon entlassen wird.

Ein neues psychiatrisches Gutachten, so die Zeitung, könnte mit sich bringen, dass «Carlos» nicht mehr ins Sondersetting zurückkehren könnte. Tatsächlich gilt bis jetzt das letzte Gutachten. Es empfiehlt eine spezielle Form der Unterbringung, die mit dem kritisierten Sondersetting im Raum Basel umgesetzt worden war.

Für Änderungen wohl nötig

Ein neues psychiatrisches Gutachten könnte nun zu einem anderen Schluss gelangen: Beispielsweise dem, dass der junge Mann im MZU durchaus am richtigen Ort ist. Gestützt auf ein solches Gutachten könnte die Jugendanwaltschaft mit juristisch einwandfreien Mitteln die gegen «Carlos» verhängte Massnahme abändern.

Doch der Betroffene selber scheint wenig Interesse an diesem Vorgehen zu haben, wie aus Zeitungsberichten hervorgeht. Er wolle unbedingt zurück in ein Sondersetting, wo er seinen Schulabschluss machen und «intensiv Sport treiben» könne. Im MZU müssen Insassen unter anderem eine Berufslehre absolvieren.

Weiter heisst es, «Carlos» habe ein sehr belastetes Verhältnis zur Psychiatrie, dies sei «aus dem Umfeld» des Mannes zu hören gewesen. Der Grund dafür seien seine Erfahrungen in der Psychiatrischen Universitätsklinik Burghölzli (PUK). Dort soll der damals Minderjährige tagelang festgebunden worden sein. Gegen das damals beteiligte ärztliche Personal laufen derzeit Strafverfahren.

Laut Obergericht ist die geschlossene Unterbringung «problematisch», wenn sie länger als sechs Monate dauert. In diesem Punkt war das Gericht dem Bundesgericht gefolgt, das gleich argumentiert hatte.

Der «Fall Carlos» erhitzte dieses Jahr die Gemüter, nachdem bekannt geworden war, dass das Sondersetting rund 29 000 Franken im Monat verschlang.