Fall Carlos
«Carlos» will in den Hungerstreik treten – aus Protest gegen Inhaftierung

Neue Wendung im Fall «Carlos»: Aus Protest gegen seine Einweisung in die geschlossene Abteilung des Massnahmezentrums Uitikon will der verurteilte Jugendstraftäter in den Hungerstreik treten.

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Carlos will nicht mehr Essen

Carlos will nicht mehr Essen

Screenshot SRF

Seinen Entscheid teilte der mittlerweile 18-Jährige am Mittwoch seinen Eltern mit, wie die «NZZ» berichtet. Mit dem Hungerstreik wolle er gegen seine Überweisung aus dem Gefängnis Limmattal in eine geschlossene Abteilung des Massnahmezentrums Uitikon protestieren. Diese hatte die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft am Dienstag verfügt.

Der Fall «Carlos» sorgte schweizweit für Aufsehen, als vor drei Monaten in einer Sendung des Schweizer Fernsehens über die 29'000 Franken teure Sonderbehandlung des jungen Mannes berichtet wurde. «Carlos», der wegen einer Messerattacke in Zürich eine Haftstrafe verbüssen musste, bewohnte eine Viereinhalbzimmer-Wohnung und erhielte privaten Thai-Box-Unterricht.

Es kam zu einem grossen medialen Echo und «Carlos» wurde «zu seinem eigenen Schutz» im Gefängnis Limmattal inhaftiert. «Carlos» habe sich seither «vorbildlich» verhalten, verzichte auf Alkohol und Tabak, berichtet sein Vater gegenüber der «NZZ». Daher sei der Entscheid der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft für ihn unverständlich. (cze)

 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone