Regensdorf
«Carlos» prügelt Gefängnis-Aufseher spitalreif

Der 21-jährige Straftäter «Carlos» soll in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf einen Aufseher spitalreif geschlagen haben.

Merken
Drucken
Teilen
 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
9 Bilder
 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone

Der unter dem Pseudonym «Carlos» landesweit bekannt gewordene Straftäter aus dem Kanton Zürich sitzt in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies eine 18-monatige Freiheitsstrafe ab. Der 21-jährige Schweizer, der laut einem psychiatrischen Gutachten an einer schweren dissozialen Persönlichkeitsstörung leidet, war im März 2017 vom Bezirksgericht Zürich wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen worden. Er hatte am 29. März 2016 einem flüchtigen Bekannten den Kiefer gebrochen (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Nun soll «Carlos» am Mittwochnachmittag einen Aufseher spitalreif geschlagen haben, berichtet der «Tages-Anzeiger», der sich auf eine «zuverlässige Quelle» beruft. Zu den Gründen und Umständen sei nichts Weiteres bekannt.

Der Vorfall soll offenbar kein Einzelfall gewesen sein, wird weiter berichtet. So habe der 21-Jährige bereits vor einem Monat in der Pöschwies einen pädophilen Häftling geschlagen. Rebecca de Silva, Sprecherin des Amtes für Justizvollzug, wollte die Vorfälle gegenüber dem «Tages-Anzeiger» nicht kommentieren. Die Kantonspolizei Zürich bestätigte aber einen Einsatz in der Pöschwies.

Der «Fall Carlos»

Durch einen Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens SRF über den Zürcher Jugendanwalt Hansueli Gürber im Jahr 2013 wurde auch das Sondersetting des damals 17-jährigen «Carlos» mit Thaiboxtraining und Unterbringung in einer grosszügigen Wohnung mit persönlicher Betreuung bekannt. Das Sondersetting verursachte Kosten in der Höhe von rund 29 000 Franken im Monat. Daraufhin brach in der Öffentlichkeit eine grosse Kontroverse über Sinn und Unsinn von teuren Sonderbehandlungen los. (lgi)

(29.6.2017)