Dem als «Carlos» bekannt gewordenen Zürcher Jugendstraftäter droht erneut eine längere Gefängnisstrafe (richtiger Name der Redaktion bekannt). Die Staatsanwaltschaft fordert wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Der Vorfall geschah am Nachmittag des 29. März 2016 – gerade mal 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er sitzt nun seit dem 1. April wieder in Untersuchungshaft. Dies geht aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl hervor. Das Bezirksgericht Zürich befasst sich am 6. März mit dem Fall. Verteidigt wird «Carlos» wiederum durch den Zürcher Anwalt Marcel Bosonnet.

«Carlos» und sein etwa gleichaltriges Opfer kannten sich flüchtig von früher, heisst es in der Anklageschrift. Sie trafen sich zufällig in einem Tram und sprachen dort miteinander über Sport und den ehemaligen Kickbox-Trainer des heute 21-Jährigen «Carlos».

Als «Carlos» das Tram verlassen wollte, verabschiedete er sich von seinem flüchtigen Bekannten per Handschlag. Dabei soll er ihm und dessen Kollegen gesagt haben, sie sollten nicht «herumgangstern», sondern einmal in die Moschee gehen. Carlos ist vor wenigen Jahren zum Islam übergetreten. Dieser erwiderte, dass «Carlos» ihm nicht sagen müsse, dass er in die Moschee gehen solle, denn dies sei seine Sache. «Carlos» stieg derweil aus und soll dem, in der Tramtüre stehenden, Opfer unvermittelt einen heftigen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben.

Kieferbruch und Zahnschäden

Dieser wurde davon überrascht, sackte zusammen und fiel aus dem Tram, wo er auf dem Boden aufschlug und ein paar Sekunden bewusstlos liegenblieb. «Carlos» versuchte, den Fallenden ein zweites Mal zu schlagen, verfehlte ihn aber. Der Geschädigte erlitt unter anderem einen Bruch im Unterkiefer, eine Quetsch-Risswunde sowie einen Zahnschaden. Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass «Carlos» aufgrund seiner jahrelangen Kampfsporterfahrung wusste, welche Gefahr von seinem Schlag ausging und was für Folgen dieser haben könnte. Dies soll in die Strafzumessung einfliessen.

«Carlos» war seit August 2015 ein freier Mann. Er war vor zwei Jahren durch einen SRF-Dokumentarfilm über den damaligen leitenden Zürcher Jugendanwalt landesweit bekannt geworden. Nach der Ausstrahlung entflammte eine hitzige Diskussion über Sinn und Kosten der Behandlung junger Straftäter. Besonders zu reden gab sein Sondersetting mit Thaibox-Training. Carlos sass auch schon im Gefängnis Limmattal in Dietikon ein und war früher im Massnahmenzentrum in Uitikon (MZU) untergebracht. Im MZU beschädigte er eine Zelle.(AZ/SDA)