Herr Zanella, Gratulation zur Wahl als Stiftungsratspräsident der BVK!

Bruno Zanella: Merci.

Sie übernehmen ein anspruchsvolles Amt: In der Kasse klafft ein Milliardenloch, das Vertrauen ist durch einen Korruptionsskandal erschüttert – warum tun Sie sich das an?

Es ist eine sehr spannende Herausforderung. Ich freue mich, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Auch als Personalchef der Flughafen Zürich AG bin ich nachhaltig an einer guten Vorsorgelösung für unsere Mitarbeitenden interessiert.

Zunächst einmal steht noch Vergangenheitsbewältigung an. Wie wollen Sie verhindern, dass so etwas wie ein Korruptionsskandal bei der BVK nochmals passieren könnte?

Die Mitglieder des Stiftungsrats verfügen über ein sehr gutes und breites Fachwissen. Wir arbeiten bereits heute eng mit der Geschäftsleitung zusammen. Ich habe mich vergewissert, dass auch diese sehr professionell arbeitet. Auch die Mitarbeitenden sind sehr gut und engagiert. Es herrscht ein Vertrauensverhältnis. Wir haben eine offene, konstruktive Zusammenarbeit.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Wie wird die Kontrolle künftig wahrgenommen, damit ein BVKFinanzchef nicht mehr völlig eigenmächtig schalten und walten kann?

Der neue Stiftungsrat tritt seine Funktion erst ab dem 1. Januar 2014 an. Heute ist noch der Zürcher Regierungsrat das oberste Organ der BVK. Der Stiftungsrat ist im Moment in den Vorbereitungsarbeiten, damit er ab dem 1. Januar 2014 bereit ist, die ihm zugetragene Verantwortung zu übernehmen. Ende Januar werden wir im Rahmen einer Medienkonferenz im Detail Stellung nehmen können.

Ein weiteres Thema aus der Vergangenheit, das Sie noch beschäftigten wird, ist die Sanierung der BVK. Anfang 2013 klaffte ein 2,4-Milliarden-Loch in der Kasse, der Deckungsgrad lag dank der 2-Milliarden-Einlage des Kantons Zürich bei 90,9 Prozent. Wie ist der Stand jetzt?

Das ausgeklügelte Sanierungskonzept ist seit 1. Januar 2013 in Kraft. Es wurde vom Regierungsrat beschlossen und vom Kantonsrat genehmigt. Auch im Vergleich zu andern Pensionskassen macht die BVK grosse Fortschritte. Per Ende Juli lag der Deckungsgrad bereits bei 93,7 Prozent.

Ziel ist die Sanierung der BVK bis 2020. Das erfordert eine jährliche Performance von 3,6 Prozent. Ist das realistisch?

Aus meiner Sicht ist der Sanierungsplan realistisch und auch ausgewogen. Natürlich sind wir aber wie alle Pensionskassen auch von den Entwicklungen an den Finanzmärkten abhängig. Aber genau deshalb arbeitet die BVK schon heute mit einem deckungsgradabhängigen Sanierungskonzept. Wir sind gut unterwegs.

2014 wird die kantonale Personalvorsorge BVK in eine privatrechtliche Stiftung umgewandelt. Wie sicher sind die Renten in Zukunft, wenn der Kanton Zürich nicht mehr wie heute Rückendeckung bietet?

Die neue Rechtsform ändert nichts an der Sicherheit der Vorsorgeleistungen. Der BVK-Stiftungsrat setzt sich aus einem hoch professionellen Team zusammen, das viel Wissen vereint, zum einen im Vorsorge-, zum anderen im Anlagebereich, aber auch in organisatorischen und personellen Fragen. Dieses Wissen wird eingebracht. Wir arbeiten zudem eng mit einer sehr guten Geschäftsleitung und engagierten sowie qualifizierten Mitarbeitern der BVK zusammen. Ich bin sicher, dass die Renten auch in Zukunft gesichert sein werden. Aber wir werden im Stiftungsrat regelmässig prüfen, ob Massnahmen nötig sind. Die BVK ist aus meiner Sicht eine äusserst gut aufgestellte Pensionskasse. Man hat aus der Vergangenheit gelernt. Selbst im Bericht der Parlamentarischen Untersuchungskommission steht, die BVK sei heute nicht mehr die gleiche Pensionskasse wie früher.

Entscheidend wird sein, dass auch intern kritische Leute auf die wunden Punkte deuten.

Das wird gemacht. Wir diskutieren manchmal durchaus mit unterschiedlichen Ansichten, finden uns dann aber auch. Wir sind nicht einfach nur nett miteinander, sondern suchen wirklich die beste Lösung für die BVK und ihre Kunden.

Sie sind Flughafen-Personalchef und künftig BVK-Stiftungsratspräsident. Sehen Sie deswegen Interessenkonflikte auf sich zukommen?

Ganz im Gegenteil. Wir sind ein bei der BVK angeschlossenes Unternehmen und darauf angewiesen, dass wir eine gute Vorsorgelösung für unsere Mitarbeitenden haben. Da sehe ich keinen Interessenskonflikt. Vielmehr decken sich die Interessen.

Trotzdem: Die BVK hantiert mit viel Geld und investiert stark in Immobilien; der Flughafen ist eine grosse Infrastruktur, wo viel gebaut wird. Ist diese Konstellation nicht problematisch?

Nein. Einerseits treffe ich für den Flughafen keine Investmententscheide und andererseits besteht der Stiftungsrat aus 18 Mitgliedern, wobei jedem Einzelnen gleich viel Stimmkraft zukommt. Wir werden alle Vorschriften für saubere Anlagen einhalten.