Obergericht Zürich

BVK-Affäre: Verteidiger stellt Gloors Beamtenstatus in Frage

Nun stellt Gloors Anwalt den Beamtenstatus seines Mandanten in Frage

Daniel Gloor zeigte sich vor dem Bezirksgericht reuig, bestritt aber, seine Pflichten verletzt zu haben.

Nun stellt Gloors Anwalt den Beamtenstatus seines Mandanten in Frage

Der Anwalt des ehemaligen BVK-Anlagechefs Daniel Gloor hat vor dem Zürcher Obergericht seine Argumente präsentiert, weshalb Gloor viel zu hart bestraft worden sei. Gloor sei ab 2004 kein Beamter mehr gewesen - er könne gar nicht verurteilt werden.

Der Anwalt des ehemaligen BVK-Anlagechefs Daniel Gloor hat am Mittwoch vor dem Zürcher Obergericht seine Argumente präsentiert, weshalb Gloor in erster Instanz viel zu hart bestraft worden sei. Gloor sei spätestens ab 2004 kein Beamter mehr gewesen. Wegen ungetreuer Amtsführung und Bestechung könne er also gar nicht verurteilt werden.

Der heute 59-jährige Gloor legte beim Kanton Zürich eine steile Karriere hin: Vom Sekretär der kantonalen Vermögensverwaltung stieg er Mitte der 1990er-Jahre zu deren Chef auf.

In dieser Position verwaltete er auch das Kapital der Pensionskasse BVK. Bis Ende 2003 war die BVK eine unselbständige Anstalt und Teil der Verwaltung - und Gloor war Beamter.

Per 1. Januar 2004 gab es eine Neuorganisation: Das neu geschaffene Amt für Tresorerie übernahm die Verwaltung der öffentlichen Gelder.

Für die Pensionskassengelder war hingegen neu die BVK direkt zuständig, mit Gloor an der Spitze der Vermögensverwaltung. Gemäss Argumentation des Anwalts Daniel Walder hat sein Mandant spätestens dann seinen Beamtenstatus verloren.

Private Gelder verwaltet

Gloor sei nicht mehr direkt dem Regierungsrat unterstellt und kein Repräsentant des Staates mehr gewesen - und somit auch kein Beamter. Als Anlagechef der Pensionskasse sei er zudem nicht für öffentliche Angelegenheiten zuständig gewesen, sondern für die Verwaltung von privaten Geldern.

Genau genommen sei Gloor nicht einmal vor 2004 Beamter gewesen, sagte Walder weiter, weil er keine amtlichen Funktionen wahrgenommen habe.

Falls das Gericht dieser Argumentation folgt, könnte ein grosser Teil der Anklage in sich zusammenstürzen. So könnte Gloor etwa nicht mehr wegen ungetreuer Amtsführung, Sich-bestechen-Lassens und Amtsgeheimnisverletzung verurteilt werden.

Übrig bliebe voraussichtlich ein Schuldspruch wegen ungetreuer Geschäftsführung. Walder fordert für seinen Mandanten denn auch eine deutlich mildere Strafe von nur maximal 10 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe. Für den Fall, dass das Gericht der Argumentation des Anwaltes nicht folgt, soll Gloor maximal 3,5 Jahre hinter Gitter.

Gloor fertigt Holzspiesse

Der BVK-Anlagechef, der einst mehr verdiente als ein Zürcher Regierungsrat, sitzt heute im Gefängnis in Chur und fertigt Holzspiesse. Seit zwei Jahren sitzt Gloor hinter Gittern, zuerst 6 Monate in Untersuchungshaft, und seit dem erstinstanzlichen Urteil im November 2012 im vorzeitigen Strafvollzug.

Würde er mit nur 3,5 Jahren bestraft, könnte er das Gefängnis bald wieder verlassen - vorausgesetzt, ihm würde wegen guter Führung ein Drittel der Strafe erlassen.

Gloor wurde verurteilt, weil er während Jahren ein System der Günstlingswirtschaft am Laufen hielt. Er liess gemäss Anklage mit insgesamt 1,7 Millionen Franken bestechen.

Im Gegenzug schanzte er Geschäftsfreunden lukrative BVK-Mandate zu oder investierte Pensionskassengelder in deren Anlagevehikel. Der Pensionskasse des Kantons Zürich bescherte er so einen Millionenverlust.

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