Wirtschaft
Bürojobs geraten stärker unter Druck

Dass CS und Zurich massiv Stellen abbauen, sind schlechte Nachrichten für den Finanzplatz Zürich.

Philipp Lehnherr
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Bürojobs geraten stärker unter Druck. (Symbolbild)

Bürojobs geraten stärker unter Druck. (Symbolbild)

Keystone

Mit der Grossbank Credit Suisse (CS) und dem Versicherer Zurich haben in den vergangenen zwei Wochen zwei Grosskonzerne den Abbau von Arbeitsplätzen angekündigt.

In beiden Fällen dürften voraussichtlich auch Mitarbeitende in Zürich betroffen sein. Zurich will weltweit 8000 von 55 000 Stellen streichen. Bei der CS sind es rund 4000 von 48000 weltweit.

Der Stellenabbau bei der CS wurde bereits im vergangenen Oktober angekündigt, soll nun aber beschleunigt werden. Damals hiess es, dass in der Schweiz rund 1600 von 17 200 Stellen betroffen sein sollen.

Für den Finanzplatz Zürich, wo beide Konzerne ihren Hauptsitz haben, sind das schlechte Nachrichten.

Insgesamt arbeiten knapp 100 000 Beschäftigte bei Banken, Versicherungen oder sonstigen Finanzdienstleistern.

Bei den Banken wurden bereits in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut. Ein Teil des Abbaus konnte durch die Versicherungskonzerne abgefedert werden.

Wenn diese nun aber ebenfalls Stellen abbauen, steigt der Druck auf die Arbeitsplätze im Finanzsektor noch mehr.

Mehr Technik, weniger Jobs

«Es gab bereits erste Reaktionen, einige Angestellte wollen sich bei uns beraten lassen», sagt Rolf Butz, Geschäftsführer des Kaufmännischen Verbands Zürich auf Anfrage.

Während der angekündigte Stellenabbau bei der CS und Zurich vor allem auf den Spardruck zurückzuführen ist, gibt es einen weiteren Trend, dem sich auch die anderen Unternehmen im Finanzsektor nicht entziehen können: die Digitalisierung.

«Die Digitalisierung der Arbeitswelt bringt Veränderungen mit sich, die unausweichlich sein werden. Die Automatisierung wird nicht nur den Finanzbereich, sondern die Arbeitswelt generell stark verändern», sagt Butz.

Für den Finanzplatz Zürich sieht er aber nicht schwarz: «Er wird auch in Zukunft für den Zürcher Arbeitsmarkt eine tragende Säule sein.»

Den Bürostellen steht aber infolge der Digitalisierung eine Entwicklung bevor, die man in der Industrie schon seit Jahrzehnten kennt: Die Automatisierung führt zu einem geringeren Bedarf an Angestellten.

Laut Butz dürfte es vor allem Stellen im mittleren Bereich treffen. «Generell kann man sagen, dass Arbeiten, die routinemässig und repetitiv sind, durch den Technologiewandel gefährdet sind. Aber auch Mitarbeitende, die nicht optimal ausgebildet und schon älter sind, werden Mühe haben.»

Verlagerung ins Ausland

Die Schweizer Bürojobs sind neben der Digitalisierung noch durch eine weitere Entwicklung bedroht, die man in der Industrie ebenfalls schon länger kennt: die Verlagerung von Arbeitsplätzen an ausländische Standorte mit tieferem Lohnniveau.

Die Frankenstärke heizt diesen Trend weiter an. Die Credit Suisse beispielsweise beschäftigt in ihrem 2007 eröffneten «Center of Excellence» im polnischen Wroclaw gemäss eigenen Angaben mittlerweile über 4000 Angestellte.

Ein Teil der dort ausgeführten Arbeiten wurde früher in regionalen Headquarters erledigt, also unter anderem auch in Zürich.

Die beiden Entwicklungen Digitalisierung und Arbeitsplatzverlagerung, die zu einem weiteren Abbau von Bürostellen in der Schweiz führen könnten, sind für die Zürcher Wirtschaft nicht erfreulich.

Die Anforderungen an die Angestellten dürften steigen. «Die Mitarbeitenden müssen befähigt werden, den Wandel mitzumachen.

Grundsätzlich braucht es nicht spezifische Fähigkeiten, sondern die Flexibilität und die Fähigkeit, immer wieder zu lernen, mit Veränderungen und neuen Herausforderungen umzugehen», sagt Butz.