Dicht gedrängt standen die geladenen Gäste am Eingang des Vorhofs vom Landesmuseum Zürich. Für die offizielle Eröffnung des Erweiterungsbaus vom Sonntag standen rund 1000 Personen auf der Liste, die vor der allgemeinen Türöffnung dem Anlass beiwohnen durften. Dieser hat eine historische Bedeutung, wurde doch die letzte Eröffnung vor mehr als 100 Jahren gefeiert. Selbst der Gotthard-Tunnel feierte mehr Eröffnungen, wie der frühere Dietiker SP-Regierungsrat Markus Notter in seiner Funktion als Museumsratspräsident später humorvoll erklärte. Die Erwartungen waren hoch, da auch das Beisein von Bundesrat Alain Berset, sowie 26 Regierungsräten angekündigt war.

Das Wetter war indes nicht in Feierlaune, um den Neubau der Architekten Emanuel Christ und Christoph Gantenbein angemessen zu würdigen. Eine Parade an Schirmen und Pelerinen bestimmte das Bild im Innenhof, dem Zentrum des Geschehens. Dies tat der festlichen Stimmung keinen Abbruch, zumal der Anlass straff durchorganisiert wurde. «Wir benötigten für die Planung rund ein Jahr, abgesehen vom Termin mit Bundesrat Alain Berset, den wir bereits vor zwei Jahren festlegen mussten», erklärt Juliette Wyler, Medienverantwortliche des Landesmuseums. Für die Sicherheit der Feier zeichneten der Bund sowie der Kanton Zürich verantwortlich.

Das bietet das "neue" Landesmuseum

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Neubau als Zukunftsdimension

Notter eröffnete den Festakt und pries das Landesmuseum als einen Ort der Begegnungen, angesichts der versammelten Menschenmenge gar als einen Ort der Berührungen. Daraufhin verwickelte er die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch und Regierungspräsident Mario Fehr in ein kurzes wie charmantes Gespräch, das allerdings nur als Ouvertüre zur Rede von Bundesrat Berset diente. «Der Kulturminister ist in jeder Hinsicht heute ein Schirmherr», so Notter in Anspielung auf das Wetter.

Berset selbst konnte den Regen nicht unkommentiert lassen. Als Verantwortlicher von Meteo Schweiz erntete er damit einige Lacher. Danach holte der Innenminister zu einer viel beachteten Rede aus, die weniger vom Erweiterungsbau handelte, sondern eine frühe 1.-August-Rede darstellte. Berset betonte die Vielfalt im Land, hielt aber gleichzeitig fest, dass die Schweiz deswegen kein gespaltenes Land sei. Der Neubau stehe auch für eine Zukunftsdimension, welche die Schweiz brauchen würde. «Eine selbstbewusste, aber respektvolle Erweiterung unseres 
Selbstverständnisses täte uns jedenfalls gut», sagte Berset. Die aktuelle Verunsicherung sei durchaus auch eine grosse Stärke, denn sie «macht uns zu Selbsterfinderinnen und Selbsterfindern».

Im Anschluss sprach Landesmuseum-Direktor Andreas Spillmann dem Bund seinen Dank aus, ehe Gustave Marchand, Direktor des Bundesamts für Bauten und Logistik, Berset einen überdimensionalen Schlüssel übergab. Dieser entfachte damit ein rotes Feuerwerk über dem Gebäude, das nicht nur den grauen Himmel erhellte, sondern auch die Blicke auf die eigentliche Hauptattraktion des Tages richtete – das «Jahrhundertbauwerk» von Christ und Gantenbein, wie der 110 Millionen Franken teure Erweiterungsbau gerne genannt wird. Dieser verbirgt nun stoisch die Sicht vom Innenhof auf die Parkanlage und zeigt sich an diesem Tag so grau wie jeder andere Betonbau bei Regen.

Das Zusammenspiel zwischen alt und neu funktioniere aber, wie Nicole Mayer, Geschäftsführerin des Vereins Zürcher Museen, sagte. Gerade weil über den Neubau mit seinem markanten Charakter nun viel gesprochen werde, sei das eine Bereicherung für die Zürcher Museen. «Der Bau bietet zudem neue Möglichkeiten der Ausstellungsplanung und -gestaltung, was wiederum einen positiven Effekt auf die Attraktivität des Ausstellungsangebots von Zürich haben wird», so Mayer.

Die geladenen Gäste, mittlerweile im neuen Bistro «Spitz» angekommen, konnten nach einem Apéro exklusiv die neue Dauerausstellung «Archäologie Schweiz» sowie die Eröffnungsausstellung «Europa in der Renaissance» bestaunen. Um 18 Uhr wurden mit einem 26-Stunden-Programm die Tore für die Öffentlichkeit geöffnet – für jeden Kanton eine Stunde.