Landwirtschaftsforschung

Bund will Standorte Wädenswil und Reckenholz schliessen – Zürcher Kantonsräte wehren sich

Die Agroscope-Forschungsanstalt Reckenholz bei Zürich soll geschlossen werden. (Archiv)

Die Agroscope-Forschungsanstalt Reckenholz bei Zürich soll geschlossen werden. (Archiv)

Der Bundesrat will die Agroscope-Forschungsstandorte Wädenswil und Reckenholz bei Zürich-Affoltern schliessen. Durch die Konzentration auf die Anstalt im freiburgischen Posieux sollen die Betriebskosten halbiert werden. Nun regt sich Widerstand im Zürcher Kantonsrat.

Die landwirtschaftliche Forschung soll in Posieux im Kanton Freiburg konzentriert und die übrigen Agroscope-Forschungsanstalten geschlossen werden. Dies gab Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Freitag per Video bekannt, wie der "Tages-Anzeiger" berichtet. Grund dafür sind die hohen Betriebskosten. Der Bund will sie halbieren. Von der Massnahme betroffen sind auch die Standorte Wädenswil und Reckenholz bei Zürich-Affoltern. In der ganzen Schweiz sind 600 Stellen gefährdet, allein im Kanton Zürich mindestens ein Fünftel.

Der Wädenswiler Stadtpräsident und CVP-Kantonsrat Philipp Kutter kämpft für den Erhalt des Standortes Wädenswil. In der über 125-jährigen Geschichte gelangen hier zahlreiche Errungenschaften von Weltruhm. So erfand Hermann Müller-Thurgau, der erste Direktor der Einrichtung, die Rebsorte Riesling-Silvaner. "Ich kann diese irre Zentralisierungsmanie nicht verstehen", sagt er zur Zeitung. Landwirtschaft sei standortgebunden und müsse in allen Landesteilen anders betrieben werden.

Totalverlust von Wissen und Netzwerk droht

Kutter erhält Unterstützung von dem grünen Kantonsrat und Obsthändler Roland Brunner und dem SVP-Kantonsrat und Bauernverbands-Vorstandsmitglied Martin Hübscher. Gemeinsam fordern sie den Regierungsrat auf, sich für den Erhalt der Zürcher Agroscope-Standorte einzusetzen. Dem Bundesrat soll er zudem Kooperationsmodelle mit Zürcher Hochschulen und Forschungsinstitutionen anbieten. Es drohe der "Totalverlust von Wissen und Netzwerk", heisst es im dringlichen Postulat, das die Politiker am Montag im Kantonsrat einreichen wollen. Für den fünftgrössten Agrarkanton sei die Schliessung der Standorte Wädenswil und Reckenholz ein riesiger Verlust.

"Ich werde mich mit allen Mitteln dagegen wehren", sagt Kutter. Der parlamentarische Vorstoss sei nur der erste Schritt des Widerstandes. Die Ankündigung komme allerdings nicht ganz überraschend. Ein Teil der Leistungen sei bei Agroscope Wädenswil bereits abgebaut worden, doch jetzt gehe es um die Wurst. Den definitiven Entscheid über die Reorganisation wird der Bundesrat im Sommer fällen.

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