Asylverfahren sollen künftig schneller zum Abschluss kommen. Über eine entsprechende Asylgesetzrevision Bundes wird am 5. Juni abgestimmt. Die Stadt Zürich und der Bund planen bereits jetzt ein neues Bundesasylzentrum für die beschleunigten Verfahren. Es soll den Testbetrieb ablösen, der seit 2014 in Zürich läuft. «Der Testbetrieb ist so erfolgreich, dass er jetzt Gesetz werden soll», sagte Zürichs Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) gestern vor den Medien. Er präsentierte zusammen mit Stadtrat André Odermatt (SP) und der Vize-Direktorin des Staatssekretariats für Migration (SEM), Barbara Büschi, die Pläne für das neue Asylzentrum. Das Projekt wird ab heute öffentlich ausgeschrieben, damit Bauunternehmen Offerten einreichen können. Gleichzeitig erfolgt heute die Baueingabe und die Gebäudevolumen werden ausgesteckt, wie Hochbauvorsteher Odermatt sagte.

Bau von Bundesasylzentrum Zürich

Bau von Bundesasylzentrum Zürich

Die Stadt stellte ihre Pläne für das Bundesasylzentrum vor. Morgen reicht sie das Baugesuch ein. Mit Widerstand wird bereits gerechnet.

Kostenobergrenze noch offen

Läuft alles rund, könnte das Bundesasylzentrum 2019 eröffnet werden. Da Einsprachen zu Verzögerungen führen könnten, rechnet Zürichs Sozialvorsteher Raphael Golta (SP) vorsichtig mit einer Inbetriebnahme zwischen 2019 und 2022. Zuvor werde 2017 noch der Gemeinderat und das Stadtzürcher Stimmvolk darüber entscheiden.

Zur Volksabstimmung kommt es, weil das Projekt sicher über 20 Millionen Franken kostet, wie Odermatt sagte. Auf eine genauere Zahl wollte er sich nicht festlegen: «Wir wollen das beste Angebot.» Bauherrin ist die Stadt Zürich. Gemäss Vereinbarung mit der Stadt Zürich wird der Bund das Zentrum für mindestens 15 Jahre mieten, mit zweimaliger Verlängerungsoption um je 5 Jahre. «Der Bund übernimmt dadurch die Erstellungskosten vollumfänglich», heisst es in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung der Stadt Zürich.

Nach innen offen, nach aussen zu

Das Bundesasylzentrum soll 360 Asylbewerbern Unterkunft bieten. Maximal sechs Personen werden in einem Zimmer untergebracht. Geplant ist ein dreistöckiger Modulbau mit Innenhof. Arkadengänge führen von den Zimmern zum Innenhof. «So schaffen wir nach Innen Öffentlichkeit für die Bewohner. Nach aussen ist der Bau abgeschlossen», erklärte Odermatt. «Von der Strasse kann man nicht reinschauen.»

Im vorderen, nur zweistöckigen Gebäudetrakt, der zur Pfingstweidstrasse hin gelegen ist, werden im Erdgeschoss ein Empfangsraum sowie Schlafplätze für in der Nacht Ankommende eingerichtet. Vorgesehen ist laut Odermatt auch ein «halböffentlicher Raum für Begegnungen mit der Nachbarschaft.» Dies entspricht gemäss Golta einem Wunsch, der aus Gesprächen mit der Quartierbevölkerung hervorging. Auch sei aus der Bevölkerung das Anliegen gekommen, dass kein gefängnisähnlicher Bau entstehe. Gleichzeitig gelte es aber, Sicherheitsanforderungen zu genügen. Dennoch soll der Bau laut Odermatt «Dorfcharakter» haben.

Im Obergeschoss des Vordertrakts werden 30 Arbeitsplätze für SEM-Mitarbeiter, Besprechungszimmer und Krankenzimmer untergebracht. Dass Asylsuchende, Behördenmitarbeiter und Anwälte unter einem Dach untergebracht sind, soll wesentlich zu schnelleren Asylverfahren beitragen.

Ganz durchgezogen wird dieser Plan allerdings nicht: Ein Teil der Behördenvertreter bleibt wie schon im 2018 endenden Testbetrieb in einem Bürogebäude an der Förrlibuckstrasse, in Laufdistanz vom Duttweiler-Areal. Laut Büschi fiel dieser Entscheid aus Kostengründen.
Noch offen ist, was aus dem Projekt wird, falls das Volk am 5. Juni die Asylgesetzesrevision ablehnt: «Dann werden wir zusammensitzen und entscheiden, wie wir mit dem Projekt fortfahren», sagte Golta. Asylunterkünfte werde die Stadt ohnehin brauchen.
Auch Rekurse könnten einen Stolperstein darstellen. Einspracheberechtigt sind laut Odermatt die direkten Nachbarn. Auf die Stimmung im Quartier angesprochen, meinte Golta: «Es gibt immer unterschiedliche Stimmen. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir auf einem guten Weg sind.»