Eine grosse Kunst der Werbung besteht darin, komplexe Sachverhalte auf einfache und knackige Aussagen herunterzubrechen. Ein mittlerweile korrigiertes Video der fünf bürgerlichen Stadtratskandidaten Andres Türler, Filippo Leutenegger (FDP), Roland Scheck, Nina Fehr Düsel (SVP) und Gerold Lauber (CVP) schoss dabei allerdings übers Ziel hinaus. Offenbar wurde der Titel des Clips, «Simplify», etwas zu stark berücksichtigt, so dass am Ende zwei Aussagen falsch waren.

Nachdem der «Tages-Anzeiger» den Fehler aufdeckte, reagierte das überparteiliche Wahlkomitee schnell und liess die fehlerhaften Passagen unmittelbar aus dem Video entfernen. Allerdings sorgt die neue Beschreibung der Zusammensetzung des Stadtrats für Verwirrung. Die Jahresangaben sind zwar korrekterweise entfernt worden, aber in der überarbeiteten Vertonung offenbaren sich mathematische Probleme: Aus den sieben linken Stadträten sind plötzlich nur noch fünf geworden, was den gesamten Stadtrat auf sieben Mitglieder schrumpfen würde.

Das Werbevideo «Simplify» für den bürgerlichen Wahlverbund Top 5 wurde mittlerweile auch in der korrigierten Version von Youtube entfernt.

Das Werbevideo «Simplify» für den bürgerlichen Wahlverbund Top 5 wurde mittlerweile auch in der korrigierten Version von Youtube entfernt.

Im Video behauptete der Sprecher, die Stadt Zürich habe ihr Eigenkapital aufgebraucht und versinke im Schuldenloch. Die dazu visuell präsentierten 9,2 Milliarden Franken Schulden beziehen sich jedoch auf das Fremdkapital, das die Rechnung 2012 ausgewiesen hat. Das Eigenkapitel betrug hingegen Ende 2012 immer noch 720 Millionen Franken und liegt laut Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) auch jetzt noch über einer halben Milliarde Franken.

Der zweite Fehler bezog sich auf die Zusammensetzung des Stadtrats während der letzten Amtsperiode. Obwohl die Wahl Richard Wolffs (AL) erst letztes Jahr das bürgerliche Lager auf zwei Sitze reduzierte, behaupteten die Top 5, die Stadt Zürich sei in den letzten vier Jahren von sieben linken und zwei bürgerlichen Stadträten regiert worden.

Kritik aus linkem Lager

Die Kritik an der Faktenverdrehung liess nicht lange auf sich warten. SP-Stadtratskandidat Raphael Golta betitelte die Aktion gegenüber dem «Tages-Anzeiger» als peinlichen Unsinn und sagte, dass gerade die amtierenden Stadträte Andreas Türler und Geri Lauber doch eigentlich wissen sollten, dass die Stadt noch über eigenkapital verfüge. «Bei der SVP kennen wir das ja nicht anders», legte der Sozialdemokrat nach. Auch der Grüne Stadtratskandidat Markus Knauss kritisierte das Video: «Wenn die Bürgerlichen mit falschen Aussagen den Wahlkampf befeuern müssen, zeigt das, wie verzweifelt sie sein müssen. Ihnen gehen offenbar die Argumente aus.»