Zürich

Bücherstube: Die Bücher kann man gleich behalten

Bei Regina Meier dürfen Bücher abgeholt werden, ohne dass sie zurückgebracht werden müssen. abr

Bei Regina Meier dürfen Bücher abgeholt werden, ohne dass sie zurückgebracht werden müssen. abr

Wohin mit gelesenen Büchern? Zum Beispiel in eine Nimm-und-Bring-Bibliothek der Kirchgemeinde St.Peter. Die Lebendige Bücherstube an der St. Petersstrasse verschenkt gerne ihre Bücher.

«Das hier ist eine Fundgrube.» Regina Meier, die im Auftrag der Stadtzürcher Kirchgemeinde St.Peter die Nimm-und-Bring-Bibliothek betreut, weiss Bescheid über das Angebot: «Es ist noch relativ klein, aber es hat etliche Kostbarkeiten darunter.» Etwa Werke von Françoise Sagan oder Maxie Wander über Frauen in der DDR. «Dieses Buch habe ich als junges Mädchen geliebt», sagt Meier, die ehemalige Buchhändlerin und Bibliothekarin.

Carl Zuckmayer ist vertreten, Philipp Roth, einige Kriminalromane von Georges Simenon und anderen Schriftstellern sind zu finden, etwa Michael Theurillat, der einen am Sechseläuten begangenen Mord beschreibt. Zürich ist gut vertreten, etwa mit Kurt Guggenheim oder einem Bildband mit Zürcher Brunnen.

Lieber heitere Romane

Viele Besucherinnen und Besucher des Bücherstübli an der St.Peterstrasse kennt Meier. Sie weiss um deren Vorlieben, rät zu diesem oder jenem Buch, und nur selten kommt es vor, dass ein Buch gar keinen Anklang findet, wie damals, als eine Dame ein Buch wieder zurückbrachte mit dem Vorwurf: «Das fängt ja mit einem Suizid an.»

Klar: Mit heiteren Romanen kommt Regina Meier oft besser an, die meisten Leute mögen nicht schwere Kost verarbeiten.

Grossformatige Bücher sind weniger gefragt; der Bildband «Auf den Spuren des Paulus» oder das schon gewichtsmässig bedeutsame Werk von Günter Grass «Mein Jahrhundert» etwa sind schon länger im Angebot. Extreme Ladenhüter werden irgendwann entsorgt, ebenso zerlesene Bücher.

Bücher dürfen verschenkt werden

Sie findet es immer wieder faszinierend, was die Leute vorbeibringen. «Bücher müssen unter die Leute kommen», erklärt sie; sie findet es traurig, wenn wertvolle Werke, die andernorts noch Freude machen könnten, irgendwo in einem Keller oder Estrich verstauben. «Wenn sie muffig riechen, will sie niemand mehr», sagt sie.

Viele ihrer Kunden holen sich Bücher und bringen sie, wenn sie sie gelesen haben, zum Teil auch wieder zurück. Nötig ist das nicht: Wer von einem Buch fasziniert ist, kann es gerne behalten oder auch einem Freund oder einer Freundin weitergeben.

Helferei schliesst vorübergehend

Regina Meier kann sich vorstellen, dass die Bücherstube St. Peter noch etwas mehr frequentiert wird als bisher, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die in der Helferei beim Grossmünster untergebrachte Nimm-und- Bring-Bibliothek für einige Zeit schliessen wird: Die Räumlichkeiten werden vom Juni 2012 an während eineinhalb Jahren saniert. Auf der Homepage der Helferei wird denn auch ausdrücklich darauf verwiesen, dass gegenwärtig keine Bücher entgegengenommen würden.

Hingegen ist es immer noch erwünscht, dass man Bücher abholt. Die Auswahl ist hier bedeutend grösser als in der Bücherstube St.Peter. Es warten mehrere tausend Bücher auf Interessenten. «Nach dem Umbau wollen wir unbedingt wieder eine Nimm-und-Bring-Bibliothek einrichten», betont Andrea König. Die gehöre einfach zur Helferei.

Bücherstuben, wo man Bücher bringen und holen kann, gibt es in Zürich und Umgebung etliche. In Rapperswil etwa betreibt der Rotary-Club einen Selbstbedienungs-Buchshop, wo die Bücher zwar nicht gratis sind, aber sehr günstig; der Erlös kommt gemeinnützigen Projekten zugute. Bereits sind über 3500 Bücher gespendet oder vermittelt worden.

Bücher für Liebhaber bereithalten

Auch Brockenhäuser erfüllen die Funktion, Bücher, die in einem Haushalt überflüssig oder gar lästig geworden sind, für neue Liebhaber bereitzuhalten. Das Brockenhaus der Heilsarmee an der Geroldstrasse in Zürich etwa nimmt gerne Bücher aller Art entgegen. Das Lager, gibt die verantwortliche Person zu
verstehen, sei nicht nur relativ gross, sondern auch mit guten Büchern gefüllt, die meistens für zwei oder drei Franken über den Ladentisch gehen.

Und dann gibt es natürlich die Antiquariate, die gerne auch bibliophile Kostbarkeiten vermitteln, wie etwa Erstdrucke. «Solche Bücher kommen natürlich nur ganz selten zu uns», sagt die Betreuerin der Bücherstube von St. Peter. Aber es komme auch vor, dass Bücher im Wert von über hundert Franken abgegeben würden. «Viele Leute sind einfach froh, wenn sie sich wieder etwas Platz schaffen können.»

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