Seltene Wasser- und Riedvögel wie der Haubentaucher oder die Flussseeschwalbe fühlen sich in den an Zürcher Gewässern eingerichteten Ruhezonen «vögeliwohl». Gemäss einer Studie der kantonalen Fachstelle Naturschutz am Greifensee fördern die Zonen den Bruterfolg trotz zunehmender Freizeitnutzung.

Zum Schutz gefährdeter Arten hat der Kanton Zürich in den vergangenen Jahren an verschiedenen Gewässern See- und Uferschutzzonen eingerichtet. Diese ganzjährig oder saisonal gesperrten Seeflächen sind der Natur vorbehalten und setzten der zunehmenden Freizeitnutzung Grenzen, wie es in einer Mitteilung der Baudirektion vom Dienstag heisst.

Im Rahmen einer Langzeitstudie wollte die Fachstelle Naturschutz wissen, was die Ruhezonen den Brutvögeln bringen. Untersucht wurden die Bestände von Brutvögeln am Greifensee von 1994 bis 2012.

Die Verfasser der Studie kommen zum Schluss, dass die Beruhigung von Teilen der Seeflächen, die Einschränkungen für Wassersport, Erholungssuchende und Fischer mit sich bringt, den Fortbestand vieler seltener und bedrohter Vogelarten fördert. Die für die Brutvögel wichtigen Schilfgürtel hätten sich am Greifensee innerhalb der Schutzzonen seit 1994 wieder ausgedehnt.

Seltene Brutvögel kehren zurück

Inzwischen brüte am Greifensee wieder die seltene Zwergdrommel, die kleinste Reiherart der Schweiz. Auch der Rohrschwirl, ein heimlicher Schilfbewohner, sei seit einigen Jahren wieder zum Brüten ins Greifensee-Röhricht zurückgekehrt.

Wichtig seien die vom Menschen unbehelligten Zonen besonders in der Brutzeit im Frühling und Sommer. So befanden sich laut der Studie die bevorzugten und am dichtesten besiedelten Brutgebiete des Haubentauchers, eines am Brutplatz sehr störungsanfälligen Schilfbrüters, in den geschützten Uferabschnitten.

Wegen den geringen Störungen auf dem Wasser hätten die Haubentaucher auch mehr Jungen aufziehen und im Herbst ungestört ihr Federkleid wechseln können.

Dank den Schutzzonen habe die kantonale Fachstelle Naturschutz für die gefährdeten Flussseeschwalben auch Flosse im See verankern können, heisst es in der Mitteilung. Auf diesen künstlichen Inseln innerhalb der geschützten Bereiche könnten die eleganten Segler, deren Bestände stark gefährdet seien, nun in Ruhe und unbehelligt von Badenden und Wassersportlern brüten.

Schutzzonen kontrollieren

Der Verfasser der Studie, Martin Weggler, wertet es als grossen Erfolg, dass sich die Anzahl Brutvögel gehalten oder sogar erhöht hat, obwohl die Erholungsnutzung in den letzten 20 Jahren stark zugenommen habe.

Damit die geschützten Seeflächen auch weiterhin ungestört blieben, brauche es neben der Rücksichtnahme aller Erholungssuchenden auch regelmässige Kontrollen an Land und auf dem See. Diese Aufgabe wird am Greifensee von den Rangern, der Seepolizei und der Fischereiaufsicht wahrgenommen.

Laut Ursina Wiedmer, Leiterin der kantonalen Fachstelle Naturschutz, will der Kanton den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Die Studie zeige, dass in den für den Naturschutz wichtigen Seenlandschaften ein sinnvolles Nebeneinander von Mensch und Natur möglich sei. Die Schutzzonen bewährten sich offensichtlich und würden heute breit akzeptiert.