Der heute 27-jährige Informatik Doktorand hatte im Februar 2014 um 4 Uhr nachts einen 19-Jährigen an der Tramhaltestelle Milchbuck unvermittelt angegriffen und schwer verletzt. Das Opfer blieb schliesslich bewusstlos und mit lebensgefährlichen Kopf- und Lungenverletzungen auf den Tramgleisen liegen.

Der Täter kann sich an die Ereignisse nicht erinnern, es existiert aber ein Video von der Prügelattacke. Das Tatmotiv blieb unklar. Der amtliche Gerichtspsychiater ging von einem akuten psychotischen Rauschzustand des Beschuldigten aus. Was zu Halluzinationen geführt habe und deshalb eine schwer verminderte Schuldfähigkeit vorliege.

Das Bezirksgericht berücksichtigte zwar eine schwergradig verminderte Schuldfähigkeit, verurteilte den Akademiker aber dennoch wegen Tötungsversuchs zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe.

Umstrittene Schuldfähigkeit

Alle Parteien legten Berufung ein und trafen sich nun vor dem Zürcher Obergericht. Der Beschuldigte führte noch einmal aus, dass er so gut wie keine Erinnerungen mehr habe, jedoch alles sehr bedaure. Für ihn sprach, dass er dem Opfer bereits vorgängig ein Schmerzensgeld von 20'000 Franken überwiesen hat.

Umstritten war die Schuldfähigkeit. Der Staatsanwalt ging weiterhin von einem schweren Gewaltverbrechen aus und setzte sich für die Bestätigung der siebenjährigen Freiheitsstrafe ein. Im Gegensatz zum Verteidiger, der infolge völliger Schuldunfähigkeit erneut die sofortige Haftentlassung seines Mandanten forderte.

Obergutachten und Haftentlassung angeordnet

Das Obergericht kam nach einstündiger Beratung zum Schluss, dass der Fall noch nicht spruchreif sei. Es ordnete vielmehr ein psychiatrisches Obergutachten an. Dieses soll noch einmal die umstrittene Frage der Schuldfähigkeit genau klären.

Da dies jedoch lange Zeit beanspruchen kann, ordnete das Gericht die Haftentlassung des deutschen Beschuldigten an. Allerdings nur gegen die Hinterlegung einer Fluchtkaution von 30'000 Franken. Der Verteidiger hatte vorher sogar 100'000 Franken als Pfand angeboten.

Der Gerichtsvorsitzende führte dazu aus, dass der Beschuldigte bis zum Berufungsprozess bereits 29 Monate in Haft verbracht habe. Er müsse sich zudem weiterhin während des Strafverfahrens zur Verfügung stellen, so auch beim Einholen des Obergutachtens. Der Staatsanwalt hatte sich infolge einer Fluchtgefahr vergebens gegen Haftentlassung ausgesprochen.

Nun kommt der Akademiker zwar frei, muss aber immer noch mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe rechnen.