Sieben Monate sass der 16-jährige Leandro F. in Untersuchungshaft - ungewöhnlich lang für einen Jugendlichen. Der Teenager erschlug am 7. Juni im zürcherischen Elgg seinen Bruder im Treppenhaus des Elternhauses mit einem stumpfen Gegenstand.

Nun gibt der leitende Jugendanwalt Felix Bieri im «Sonntagsblick» bekannt: «Wir gehen davon aus, dass der Jugendliche vorsätzlich handelte.» Die schreckliche Bluttat soll also kein Unfall, keine Notwehr und auch keine Fahrlässigkeit gewesen sein.

In der vergangenen Woche wurde Leandro aus der Untersuchungshaft entlassen. Auf freiem Fuss ist er aber trotzdem noch nicht: «Wir haben eine vorsorgliche Schutzmassnahme in einer geeigneten Institution angeordnet», sagt Bieri.

Handelte der Täter aus Eifersucht?

Weiterhin unbekannt ist das Tatmotiv. War es Neid? Eifersucht? Hass? Im 4000-Seelen-Dorf kann sich die schreckliche Tat niemand erklären. « Die beiden sind doch immer so gut miteinander ausgekommen », sagte eine Tante der beiden kurz nach der Tat, «ich wüsste nicht, dass sie je miteinander Streit hatten.»

Junger Mann in Elgg wurde vermutlich von Bruder getötet

Junger Mann in Elgg wurde vermutlich von Bruder getötet

Auch Leandros ehemalige Lehrerin beschreibt ihren Schüler im «Sonntagsblick» als «friedfertig, pflegeleicht, offen, fleissig und beliebt.» Sein Opfer Demian studierte deutsche Literatur und war erfolgreicher Musiker in einer Band.

Kam es zum tödlichen Streit, weil Leandro eifersüchtig auf seinen älteren Bruder war? Für Frank Köhnlein, erfahrener Kinder- und Jugendpsychiater, steht fest, dass die Tat eine Vorgeschichte und einen unmittelbaren Auslöser haben muss. «Aus heiterem Himmel geschieht so etwas nicht», sagt er.

Es droht lange Gefängnisstrafe

Da Leandro zum Zeitpunkt der Tat bereits 16 Jahre alt war, droht ihm eine vierjährige Gefängnisstrafe. Bis zu seinem 25. Lebensjahr können danach weitere Massnahmen angeordnet werden.