Zürich
Brückenangebote: Entwarnung ist nicht angesagt

Diese Woche konnten 11600 junge Frauen und Burschen ihre Lehrstelle antreten, so viele wie seit 20 Jahren nicht mehr, und fast 700 Lehrstellen sind noch offen. Trotzdem ist Entwarnung nicht angesagt. Es braucht weiterhin Brückenangebote.

Alfred Borter
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Im Restaurant Planet 5 können Jugendliche in verschiedenen Bereichen Erfahrungen sammeln. ho

Im Restaurant Planet 5 können Jugendliche in verschiedenen Bereichen Erfahrungen sammeln. ho

Limmattaler Zeitung

Marc Kummer, Amtschef beim kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamt, freut sich: «Es ist hervorragend, dass wir seit mehreren Jahren eine steigende Zahl an ausgeschriebenen und besetzten Lehrstellen verzeichnen können.» Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei hoch. Aber er gibt zu verstehen: «Nach wie vor schaffen über 2000 Jugendliche den direkten Einstieg in eine Berufslehre nicht.»

Grund dafür sei etwa, dass noch schulische, sprachliche oder andere Defizite zu beheben sind, bevor eine Lehre infrage komme. Oder dann sei den jungen Leuten noch nicht klar, welchen Beruf sie ergreifen wollten. Auch für sie brauche es weiterhin Überbrückungsangebote.

Auch wenn kantonsweit noch über 600 Lehrstellen offen geblieben sind, rechnet René Zihlmann, Direktor der Laufbahnberatung Stadt Zürich, damit, dass die Veranstaltung «Last call» für Jugendliche ohne Lehrstelle und ohne Anschlusslösung am 15. September im Laufbahnzentrum Zürich sowie in den Berufsinformationszentren Kloten, Uster und Winterthur erneut stark besucht sein wird. Letztes Jahr benutzten hundert junge Leute das Angebot.

Breite Palette

Beim «Last call» geht es vor allem darum, Brückenangebote zu vermitteln. Es gibt solche für alle Bereiche. Im Berufsvorbereitungsjahr lässt sich herausfinden, welche Berufe für einen überhaupt infrage kommen; andere sind spezifisch auf ein Berufsfeld ausgerichtet, etwa Handel, Informatik, Gesundheit, Gestaltung, Technik und Konstruktion, Gastgewerbe und andere. Je nach Bedarf lässt sich dabei der Akzent eher auf den praktischen oder den schulischen Bereich legen. Das Integrationsorientierte Berufsvorbereitungsjahr ist für Schülerinnen und Schüler gedacht, die Defizite in Sprache und Kultur beheben möchten. Ausserdem gibt es Berufsintegrationsprogramme, Motivationssemester sowie Beschäftigungs- und Arbeitsprogramme.

Für junge arbeitslose Erwachsene ohne Berufsabschluss stehen neu auch vom Amt für Wirtschaft und Arbeit finanzierte Möglichkeiten bereit. Job Shop, Work4you, Glattwägs oder Job Plus Futura und andere sind ergänzende Angebote für die Zielgruppe der über 18-Jährigen.

Die Stadt Zürich hat ihre schulischen Angebote in der Fachschule Viventa konzentriert. Die städtische Arbeitsintegration führt diverse Brückenangebote für Jugendliche und junge Erwachsene, die nach der Schule keine Anschlusslösung gefunden oder eine Lehre abgebrochen haben.

Vom Amt für Wirtschaft und Arbeit finanziert

Die Motivationssemester werden vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit finanziert und stehen allen Jugendlichen offen, die im Kanton Zürich als erwerbslos gemeldet sind. Im Rahmen der städtischen Jugendprogramme finanziert das Sozialdepartement zusätzliche Plätze innerhalb der Motivationssemester für Jugendliche und junge Erwachsene mit Wohnsitz in Zürich.

Im Atelier Blasio werden aufblasbare Spielobjekte aus Kunststoffblachen gefertigt, die bei Spielaktionen für Kinder auf der Wiese, im Wasser oder auf Schnee eingesetzt werden. Beim Projekt Junior Power für junge Männer und Frauen mit handwerklichem Flair wird zum Beispiel in der Velowerkstatt oder in der Holzbearbeitung gearbeitet. Im Rahmen des Projekts Spice können junge Frauen und Männer in einer Migros-Filiale praktische Erfahrungen im Verkauf sammeln. Im Motivationssemester Gastro sammeln Jugendliche in verschiedenen Betrieben in der Gastronomie praktische Erfahrungen.

Kummer und Zihlmann sind froh, dass sich die Situation für die jugendlichen Berufseinsteiger etwas gebessert hat. Es sei ja auch von gesellschaftspolitischer Bedeutung, dass der Schritt ins Berufsleben gelinge.