Die Strafe wurde ohne Bewährung verhängt, weil Diem bereits wegen Steuerbetrugs vorbestraft ist. In ein normales Gefängnis muss die Unternehmerin allerdings nicht: Freiheitsstrafen bis 12 Monate können in Halbgefangenschaft verbüsst werden. Dabei müssen die Häftlinge nur über Nacht und übers Wochenende hinter Gitter. Tagsüber können sie ihrer Arbeit nachgehen.

Zur Freiheitsstrafe von 6 Monaten kommt eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 250 Franken sowie eine Busse von 100 Franken wegen Verletzung der Verkehrsregeln.

Das Bezirksgericht Horgen sah es als erwiesen an, dass die einstige Vorzeige-Unternehmerin den Konkurs ihrer früheren Firma verschleppt und die Gläubiger geschädigt hat. Mit Buchhaltungstricks hatte sie die wahre Situation ihrer Firma verschleiert.

Revisionsberichte erstellte sie während mehrerer Jahre keine. In dieser Zeit stieg die Verschuldung gemäss Gericht um weitere rund 600'000 Franken. Schliesslich verkaufte sie ihr eigenes Warenlager zum Schnäppchenpreis an eine Auffangfirma, die sie selber gegründet hatte. Die Gläubiger hatten das Nachsehen. Heute betreibt diese Auffangfirma noch drei Optiker-Filialen am Zürichsee.

Das Gericht stellte Diem "keine günstige Prognose". Schliesslich sei sie bereits wegen ähnlicher Delikte vorbestraft und habe sich sogar während der Probezeit wieder strafbar gemacht.

Schuld abgestritten

Die 63-jährige bestritt während des Prozesses Anfang Mai alle Anklagepunkte und schob die Schuld auf ihre Berater. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ob Diem es weiterzieht, ist offen.

Die Unternehmerin eröffnete ihren ersten Brillenladen im Jahr 1973 im Alter von gerade mal 20 Jahren, obwohl sie gar keine Optikerlehre abgeschlossen hatte. Trotzdem hatte sie Erfolg. Mehrere Filialen folgten, darunter eine an der Zürcher Bahnhofstrasse und eine in Basel.

In den 1980er-Jahren kaufte sie als erste Europäerin direkt Brillengläser bei einem japanischen Hersteller ein. 2006 wurde sie für ihre Optiker-Kette mit dem Schweizer Innovationspreis ausgezeichnet. Damit sollte sie anderen Frauen Mut machen, ebenfalls unternehmerisch tätig zu werden.

Was die Jury damals nicht wusste: Zu diesem Zeitpunkt war Diems Unternehmen längst in Schieflage geraten.