Schlieren

Braucht es wirklich keine Tagesschulen? — SP will mit Fragebogen Klarheit schaffen

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Schlieremer SP für die Einführung von Tagesschulen stark macht.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Schlieremer SP für die Einführung von Tagesschulen stark macht.

Ein an 8300 Schlieremer Haushalte verteilter Fragebogen der SP soll Aufschluss über den Bedarf an Tagesschulen bringen.

Die Schlieremer SP richtet mit der grossen Kelle an. Dieser Tage lancieren sie nämlich eine Umfrage zum Bedarf an Tagesschulen in der Stadt. Rund 8300 Fragebögen wurden in den letzten Tagen in alle Briefkästen verteilt. Auch online kann man an der Umfrage teilnehmen. «Unser Ziel ist es, Klarheit zu schaffen», sagt SP-Gemeinderätin Rixhil Agusi, die für den Fragebogen verantwortlich zeichnet. So sei das Thema Tagesschule in unterschiedlichen Gremien zur Sprache gekommen. «Die Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) betont stets, dass es ein solches Angebot neben den vorhandenen Tagesstrukturen wie Hort und Mittagstisch bei uns nicht brauche. Ob dies tatsächlich so ist, wollen wir nun direkt von der Bevölkerung hören», sagt Agusi.

Ein Blick über die Stadtgrenze hinaus zeigt, dass die Idee an Beliebtheit gewinnt. In Zürich findet derzeit eine Pilotphase statt, im Rahmen derer bis ins Jahr 2022 insgesamt 30 Schulen in ein Tagesschulmodell überführt werden sollen. Bis zum Jahr 2026 will auch Dietikon mit dem Schulhaus Limmatfeld seine erste Tagesschule einweihen. «Durch die etappenweise Einführung von Tagesschulen steigert die Schule ihre Attraktivität. Es ist uns wichtig, dass wir unseren Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten», sagte der Dietiker Schulvorstand Reto Siegrist (CVP) vor einem Jahr gegenüber dieser Zeitung.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Schlieremer SP für die Einführung von Tagesschulen stark macht. 2012 reichte die damalige Stadtparlamentarierin Béatrice Miller (SP) gemeinsam mit zehn Mitunterzeichnern eine Motion ein, in der sie vom Stadtrat die Ausarbeitung eines Konzepts auf Primarschulstufe forderte. Anfang 2014 liess das Parlament den Vorstoss jedoch abschreiben. Schulpräsidentin Krebs betonte, dass modulare Tagesstrukturen wie Mittagstische und Randzeitenbetreuung für Schlieren das bessere Modell seien. Im Kern seien
die Forderungen damit nämlich bereits erfüllt.

Rixhil Agusi Gemeinderätin Schlieren (SP)

Rixhil Agusi Gemeinderätin Schlieren (SP)

«Damals wie heute ist dies schlichtweg nicht korrekt», sagt Agusi, die seit 2011 im Parlament sitzt und die Debatte miterlebt hat. Hinter einer Tagesschule stehe nämlich ein ganzes pädagogisches Konzept und nicht nur ein Mittagstisch sowie Randzeitenbetreuung, sagt sie.

In einer Broschüre der kantonalen Bildungsdirektion heisst es, dass Unterricht und Betreuung durch pädagogische, organisatorische, personelle und räumliche Massnahmen verbunden werden. Dadurch werde den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert.

Mehrere Optionen für Befürworter und Gegner

«Beide Eltern arbeiten Vollzeit», «Mein Kind bekommt gesundes Essen» oder «Hausaufgaben werden unter Aufsicht gemacht» lauten drei mögliche Begründungen, wegen derer Eltern ihre Kinder gerne in eine Tagesschule schicken würden. Diese können auf dem Fragebogen mit einem Kreuzchen ausgewählt werden. Ist man als Teilnehmer nicht gewillt, seine Kinder in ein solches Regime einzuschulen, kann man Begründungen wählen wie «Ich brauche keine ganztägige Betreuung», «Ich kann mir weder Hort noch Tagesschule leisten» oder «Mir reicht das Betreuungsangebot von Schlieren». Neben Angaben zu den Lebensumständen können die Teilnehmer auch entscheiden, ob sie bei der Verlosung teilnehmen wollen. Zu gewinnen gibt es einen von drei Einkaufsgutscheinen im Wert von 50 Franken.

Über den Ausgang der Umfrage mag Agusi nicht spekulieren. «Es geht eben genau darum, dass wir das Bedürfnis der Einwohner abholen und nicht mehr spekulieren müssen», sagt sie. Wenn sich zeige, dass Schlieremer Familien ihre Kinder gerne in eine Tagesschule schicken würden, werde die SP aktiv und bringe das Thema wieder aufs politische Parkett. Für die Teilnahme bleibt noch Zeit. Einsendeschluss ist der 15. Februar.

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