Zürich
Brasilianer umgarnen Helvetic

Zwölf E190-E2-Jets hat die Helvetic bei Embraer bestellt; die dritte ist ausgeliefert. Gleichzeitig war der Flugzeugbauer nun mit der E195-E2 auf Promo-Tour in Kloten – und Helvetic ist interessiert.

Florian Schaer
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Als «Jäger des Profits» bewirbt der brasilianische Flugzeughersteller seinen grössten Regionaljet. Ob die Helvetic den Typ kauft, ist offen.

Als «Jäger des Profits» bewirbt der brasilianische Flugzeughersteller seinen grössten Regionaljet. Ob die Helvetic den Typ kauft, ist offen.

Paco Carrascosa

«Niemand mag im Flugzeug den mittleren Sitz – deshalb hat der Embraer E195 wohl auch keinen.» Martyn Holmes war gut gelaunt, als er unter der Woche im Hangar der Helvetic Airways vor die geladenen Gäste und Medienvertreter trat. Der Vizepräsident von Embraer für Europa, Zentralasien und Russland ist derzeit mit dem grössten Flugzeug der Palette, der E195-E2 «TechLion», auf Promo-Tour in Europa. Die Visite des Fliegers in Kloten nahm die Helvetic zum Anlass, die Öffentlichkeit einzuladen.

Auch wenn die Fluggesellschaft zu diesem Anlass eigens ein Transparent mit der Aufschrift «Welcome E195-E2» aufgehängt hatte, ist längst nicht entschieden, ob der «TechLion» dereinst mit Schweizer Kreuz auf dem Heck unterwegs sein wird. Die Festbestellung, die Helvetic im Juli 2018 tätigte, lautete über 12 Exemplare des um 5,3 Meter kürzeren Schwestertyps E190-E2; zudem sicherte sich die Airline eine Option auf weitere zwölf Maschinen.

Erst am Montag ist die dritte der brandneuen Maschinen (Kennung: HB-AZC) in Kloten angekommen; das Flugzeug machte sich im Hangar gut neben dem Promo-Jet in schwarzer Sonderlackierung. Die neuen E190-E2-Flugzeuge lösen die derzeit elf Maschinen der ersten Generation (E190-E1) ab. Vor allem leiser und bei gleicher Anzahl Sitzplätze (114) bis zu 25 Prozent sparsamer – so listen Helvetic und Embraer die Vorzüge der E2 gegenüber der E1 auf. Die Flottenverjüngung soll laut Helvetic-CEO Tobias Pogorevc bis 2023 abgeschlossen sein.

Entscheid liegt bei Partnern

Wie Martin Ebner, Eigentümer der Helvetic Airways Group, ausführte, besteht nun die Möglichkeit, drei bis vier der zwölf E190-Bestellungen in solche der grösseren E195 umzuwandeln. Ein diesbezüglicher Entscheid sei aber vom Bedarf bei bestehenden und potenziellen Partnern abhängig. Dazu muss man wissen, dass die Helvetic Airways aktuell mit Palma de Mallorca (ab Bern), Kittilä und Olbia (ab Zürich) nur drei Destinationen selber anbietet. Der Grossteil ihrer Flüge führt sie für die Swiss durch. Das Zauberwort heisst Wet Lease; das Vermieten der eigenen Flugzeuge mitsamt der Besatzung an andere Fluggesellschaften für das Bedienen deren Linienverbindungen.

Ebner wie Pogorevc machten deutlich, dass die Helvetic im Segment des Wet Lease weiter wachsen möchte. «Ich neige dazu zu glauben, dass das Businessmodell der grossen nationalen Fluggesellschaften einfach zu komplex ist», führte Ebner aus. Eine Dualstrategie, also das gleichzeitige Anbieten von verschiedenen Produkten (etwa von Premium- und Billigprodukten) durch dieselbe Unternehmung, funktioniere üblicherweise «nicht so gut». Mit einem jungen Team, einer soliden Finanzierung und viel Flexibilität sehe er die Chance für Helvetic auch langfristig darin, sich auf den Regionalverkehr im Dienste der «Grossen» zu spezialisieren.

Was die Option «TechLion» angehe, so seien die Gespräche am Laufen, sagte Ebner, derzeit vor allem mit der Swiss und mit dem Lufthansa-Konzern. Das Ergebnis ist offen. «Ich werde die E195 nicht bestellen, wenn es für diese Grösse Flugzeug nicht eine ausgewiesene Nachfrage gibt.»

So oder so schreitet das Flottenupdate bei Helvetic voran: Mit der Auslieferung der HB-AZC sind derzeit 14 Maschinen im Einsatz, elf der alten Embraer E190-E1 und drei E190-E2. In den nächsten Monaten soll sich der Lieferrhythmus aus Brasilien noch verdichten, sodass bis zum Sommer vier weitere Flugzeuge folgen. Gleichzeitig werden drei der alten Modelle nach und nach ausgemustert.