Wenn es brennt, will niemand in einem Tunnel stecken: Ein Eingang, ein Ausgang, keine Wendemöglichkeit, rasche Ausbreitung von Feuer und Rauch – die langen Röhren durch Hügel und Gestein sind von Natur aus ein Risiko. Schreckensszenarien wie das der Brandkatastrophe im Oktober 2001 im Gotthard erinnern einen immer wieder daran. Und nicht wenigen Autofahrern ist darum mulmig, wenn sie jeweils durch die engen Röhren fahren müssen, dem Moment entgegensehnend, wenn einem auf der anderen Seite wieder das Tageslicht ins Gesicht scheint.

Das Verhältnis der Schweizer Bevölkerung zu Tunnels ist zwiespältig. Denn sie stehen gleichzeitig für Effizienz und Risiko. Doch der Brand im Gotthard war Tragödie und Weckruf zugleich: Nach dem Unfall wurden sämtliche Nationalstrassentunnels mit einer Länge von mehr als 600 Metern überprüft, Signalisationen erneuert, neue Richtlinien geschaffen, neue Verordnungen aufgesetzt. Rund 1,2 Milliarden Franken investiert das Bundesamt für Strassen (Astra) deshalb in die Sicherheit der nationalen Strassentunnels.

Brand legen für den Ernstfall

Das betrifft auch Zürich. Der Kanton verfügt über mehr als 40 Kilometer an Autobahn-Tunnelröhren, die gewartet, kontrolliert und gesichert werden müssen. Sensoren, Lüftungsventilatoren sowie Sicherheitsstollen sollen die Gefahren für die Bevölkerung mindern.

Regelmässig werden die Tunnels darum getestet – dieses Jahr darauf, ob im Brandfall alles funktioniert. So kam es, dass vor einer Woche mitten in der Nacht im Milchbucktunnel ein Lastwagen in Flammen stand. Feuerschlangen tanzten bedrohlich umher, Hitze breitete sich aus, Rauchschwaden zogen zur Decke.

Ein wenig unwohl wurde einem bei dem Anblick – auch wenn die Flammen von einem Flammenwerfer stammten, der Rauch eigentlich «Disco-Nebel» war und neben dem kleinen Lastwagen sonst weit und breit kein anderes Auto zu sehen war. Das Astra hatte den Milchbucktunnel gesperrt und spielte darin «Feuerlegen».

Die Tests zeigten, dass die ausgefeilte Technik funktioniert: Die Brandmelder schlugen in der Notrufzentrale Alarm und die grossen Abluftklappen in der Decke öffneten sich und konnten den Rauch abziehen.

Gleichzeitig ging die Brandnotbeleuchtung an und auch die Fluchtwegnischen begannen zu blinken und wiesen damit den Weg in den rettenden Sicherheitsstollen, der parallel zum Milchbucktunnel verläuft und einen aus der Gefahrenzonen herausführt.

Fünf Notausgänge, 38 Abluftklappen, 41 Messtellen für Temperatur-, Sicht- oder Windentwicklung, 18 Strahlenventilatoren für die Längslüftung und vier Abluftventilatoren in der Tunnelmitte sind in der knapp zwei Kilometer langen Röhre eingebaut, die seit einem Jahr von einem einen Sicherheitsstollen flankiert wird. Der Bau des Stollens kostete rund dreissig Millionen Franken.

Weitere Tests geplant

Ohne den Sicherheitstollen war der Tunnel mit seiner einen Röhre, in der sich Verkehr und Gegenverkehr treffen und täglich rund 50 000 Autos durchfahren, ein erhöhtes Risiko.

Nun gehört der Tunnel zu den modernsten in der Schweiz. Auch weitere Nationalstrassentunnels im Kanton Zürich werden diesen Monat auf den Brandfall getestet – namentlich der Gubrist, das Aeschertunnel, der Uetliberg- und Islisbergtunnel.

Nicht alle sind dabei auf dem gleichen Stand. Im 30-jährigen Gubrist wird gemäss Astra derzeit die Tunnellüftung ersetzt sowie Betriebs- und Sicherheitsanlagen erneuert. Einen Sicherheitsstollen wie im Milchbuck braucht es im Gubrist aber nicht, da bereits jetzt zwei Röhren bestehen. Im Falle eines Brandes würde dann einfach die zweite Röhre mittels Querverbindungen als Sicherheitsstollen dienen. Dasselbe ist auch bei den seit 2009 in Betrieb stehenden Aeschertunnel und Uetlibergtunnel der Fall. Beim einröhrigen Islisbergtunnel, ebenfalls 2009 erbaut, wiederum wurde von Beginn an ein Sicherheitsstollen mitgeplant.

War früher ein solcher Stollen bei einröhrigen Tunnel nicht Standard, so gehört er mittlerweile zur Pflicht. «Sämtliche Nationalstrassentunnel im Kanton Zürich entsprechen den aktuell geltenden Tunnelsicherheitsnormen», sagt denn auch Marcel Berger, Bereichsleiter beim Astra Winterthur – «mit Ausnahme des Tunnel Cholfirst». Der Bau des erforderlichen Stollens sei jedoch in Planung.