Pendlerchaos
Brandstifter trafen SBB-Achillesferse – und nahmen Freiheitsstrafe in Kauf

Die Brandstifter, die für das Pendlerchaos vom Dienstag verantwortlich sind, wussten wohl genau, wo sie zuschlagen mussten.

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Die Brandstifter, die in der Nacht auf Dienstag in einem Kabelschacht der SBB ein Feuer legten und damit ein veritables Pendlerchaos auslösten, brachen in umzäuntes Gelände ein. Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Doch was blüht den Tätern? Laut Strafgesetzbuch (Artikel 221) wird ein Brandstifter zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt, wenn er den Schaden vorsätzlich verursacht. Bringt der Täter gar wissentlich Leib und Leben in Gefahr, so sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von "nicht unter drei Jahren" vor.

Die Brandstifter haben eine Achillesferse der SBB getroffen. Die Kabelkanäle entlang der Zuglinien sind sozusagen das Nervensystem der Schweizerischen Bundesbahnen, führte Walter von Andrian, Chefredaktor der «Schweizer Eisenbahn-Revue», gegen «10 vor 10» von SRF aus.

Seien die Kanäle unterbrochen, störe das den Betrieb. Man habe am Dienstag gesehen, dass "kein Bahnbetrieb mehr möglich ist. Die Signale fallen auf Rot, die Lokführer müssen anhalten, und die Züge fahren nicht mehr", wie Andrian erklärt.

Der Journalist führt aus, dass die Brandstiftung nicht zu einer Zugskollision führen kann. «Man kann grossen Schaden anrichten. Aber man bringt mit der Zerstörung die Züge nicht zum Kollidieren. Denn die Sicherheit ist in den Stellwerken vor Ort gewährleistet.»

Wie «10 vor 10» weiter berichtet, kam es in Deutschland ab 2011 zu mehreren Sabotageakten mit solchen Kabelbränden. Mutwillig wurden dabei Bahnstrecken lahmgelegt. Zu den Anschlägen bekannten sich linksextreme Aktivisten.

Spezialisten der Zürcher Polizei werten Spuren, die am Tatort gefunden wurden, aus. Konkrete Hinweise auf die Täter gibt es noch keine. Doch die Polizei hofft, dass Zeugen den oder die Täter beobachtet haben. (pz/sda)

Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.
11 Bilder
Dienstag, 7. Juni 2016: Ein absichtlich gelegtes Feuer in einem Kabelschacht nahe des Bahnhofs Zürich Oerlikon, bemerkt um 3 Uhr morgens, beschädigte technische Anlagen der SBB und löst ein Pendlerchaos aus.
Die Auswirkungen sind massiv: Die Strecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg und die Strecke zwischen Oerlikon und Flughafen waren stundenlang unterbrochen.
Zahlreiche Verbindungen mussten umgeleitet werden oder fielen gleich komplett aus. Hier warten Pendler auf Pendler am Bahnhof Glattbrugg auf ein Ersatztransportmittel.
Eine Frau studiert die Abfahrtspläne am Hauptbahnhof - an diesem Tag sind diese mit Vorsicht zu geniessen.
Pendler warten auf einen Ersatzbus - solche Szenen gab es am Dienstag zuhauf.
Auch am Hauptbahnhof Zürich müssen sich Pendler umorganisieren oder Verspätungen in Kauf nehmen.
Schwierig zu erreichen war vor allem der Flughafen Zürich aus Richtung HB Zürich.
Pendler warten auf ein Tram.
SBB-Arbeiter verlegen nach dem Brand neue Kabel in Zürich Oerlikon - die Auswirkungen des Brandes sind aber noch abends im Bahnverkehr spürbar.
Die Brandstifter mussten für ihren Sabotageakt in umzäuntes Gelände einbrechen.

Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Keystone