Oprah Winfrey in Zürich

Boutiquenkönigin verteidigt sich: «Es war alles ein Missverständnis»

Im Tom-Ford-Geschäft am Münsterhof hat sich der Vorfall zugetragen.

Im Tom-Ford-Geschäft am Münsterhof hat sich der Vorfall zugetragen.

US-Talkmasterin Oprah Winfrey wollte in Zürich shoppen. Doch sie wurde schlecht behandelt, sagte sie in einer TV-Show und sprach von Rassismus. Boutiquenbesitzerin Trudie Götz rechtfertigt sich: Es handle sich um ein klassisches Missverständnis.

Sie ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten. Die dunkelhäutige Talkmasterin Oprah Winfrey (59) ist schwerreich und wollte Mitte Juli in Zürich ein bisschen shoppen gehen. Schliesslich bot sich die Gelegenheit, da Winfrey zur Hochzeit ihrer Freundin Tina Turner eingeladen war.

Doch die Shoppingtour wurde zum Albtraum, wie Winfrey in einer Talkshow mit Larry King und der Sendung «Entertainment Tonight» des amerikanischen Senders CBS sagte. Sie habe sich für eine Handtasche interessiert, doch die Verkäuferin wollte ihr diese nicht vorführen.

«Sie wollen diese Tasche nicht sehen. Die ist zu teuer. Die können Sie sich nicht leisten», soll die Verkäuferin gesagt haben. Winfrey schilderte dieses Erlebnis klar als rassistischen Vorfall. Winfreys Erlebnis wurde gestern in den Medien in Zusammenhang mit dem Badi-Verbot für Asylsuchende in Bremgarten gebracht. Weltweit hagelte es deshalb negative Schlagzeilen für die Schweiz. Auch auf der Social-Media-Plattform Twitter äusserten sich zahlreiche User unter dem Stichwort «Täschligate» zum Thema.

Das «Must-have»

Wie der «Blick» herausfand, spielte sich die Szene in einer Boutique von Trudie Götz ab. Genauer: im Tom-Ford-Geschäft am Zürcher Münsterhof. Auf Anfrage sagte Götz am Telefon: «Das war ein klassisches Missverständnis.» Die Mitarbeiterin habe Winfrey gut beraten wollen. Nachdem diese nach dem Preis gefragt hatte (35 000 Franken), habe die Verkäuferin auf weitere Ausführungen des edlen Stücks verwiesen, die günstiger waren.

«Winfrey wollte die Tasche nur sehen», sagt Götz. Die Krokotasche von Tom Ford aus der Jennifer-Aniston-Kollektion gebe es zum Beispiel auch in Straussenleder für 12 000 Franken. «Diese Tasche ist ein absolutes Must-have», sagt die Boutiquenbesitzerin. Götz ist überzeugt: «Wahrscheinlich meinte es die Mitarbeiterin zu gut.»

Oprah Winfrey Skandal - Ein Missverständnis

Oprah Winfrey Skandal - Ein Missverständnis

Sie hat alles richtig gemacht, und ich kann ihr nichts vorwerfen.» Sie denke deshalb nicht daran, die Verkäuferin zu entlassen. Sie kenne sie gut, sie arbeite schon lange bei ihr und habe viel Erfahrung. Offenbar habe sie Oprah Winfrey aber nicht erkannt. «Der Kunde ist bei mir König – egal welcher Hautfarbe.»

Für Renée Rousseau ist der Vorfall in der Zürcher Innenstadt aber keine Überraschung. «Selbstverständlich ist das rassistisch», sagt sie. Die dunkelhäutige US-Sängerin und Vertreterin der «Democrats Abroad» lebt seit 24 Jahren in der Schweiz. Sie habe selber Ähnliches erlebt in Zürich. «In einer Boutique an der Bahnhofstrasse kanzelte mich eine Verkäuferin ab: ‹Das kostet 5000 Franken, das können Sie sich nicht leisten.›»

Rousseau, die oft mit Bo Katzman, Céline Dion oder Phil Collins unterwegs war, berichtet aber auch von ganz alltäglichen Vorfällen. «An der Fleischtheke des Supermarkts kommt es ab und zu vor, dass jemand anders vor mir bedient wird, obwohl ich schon da stand.» Früher habe sie sich nicht gewehrt. Heute reklamiere sie. «Wenn ich dann nicht bedient werde, verlasse ich das Geschäft und kaufe nichts.» Rousseau lebt heute in Winterthur. «Hier sind die Leute anständig und nett.» Oprah Winfrey geniesst in den USA grösste Glaubwürdigkeit. So auch bei Rousseau. «Wenn sie den Vorfall erwähnt, dann muss es ganz grauenhaft und heftig gewesen sein.» Winfrey würde niemals lügen, ist sie überzeugt.

Bei Götz klingelte das Telefon gestern ständig. «Ich bin am Boden», sagt sie am späteren Nachmittag. Sie will nun über Tina Turner, an deren Hochzeit sie ebenfalls Gast war, mit Winfrey Kontakt aufnehmen. «Ich muss dieser Sache nachgehen.» Turner sei «eine meiner liebsten Freundinnen». «Warum also sollte ich rassistisch sein?»

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