Urteil

Bosnischer FCZ-Hooligan trat Opfer am Boden voll gegen Kopf – trotzdem darf er bleiben

Fans des FC Zürich. Ein Schläger kommt um einen Landesverweis herum. (Symbolbild)

Fans des FC Zürich. Ein Schläger kommt um einen Landesverweis herum. (Symbolbild)

Das Migrationsamt des Kantons Zürich entzog einem jungen FCZ-Schläger aus Bosnien die Niederlassungsbewilligung. Das sei unverhältnismässig, befand das Verwaltungsgericht. Der Prozess gegen den FCZ-Hooligan war im November 2016 in den Medien breit abgehandelt worden. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte damals einen 20-jährigen Bosnier wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten; 10 Monate musste er absitzen.

Der junge Mann, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, geriet im März 2016 beim Bahnhof Enge zusammen mit drei Kollegen in eine wilde Schlägerei. Die gegnerische Gruppe bestand aus drei Männern und einer Frau. Das gewalttätige Aufeinandertreffen endete damit, dass der Bosnier einem auf den Boden liegenden jungen Mann etwa fünfmal mit dem Fuss auf den Kopf trat – mit voller Wucht. Es war reiner Zufall, dass das Opfer nicht schwer verletzt wurde, sondern lediglich Prellungen und einen Schneidezahnbruch erlitt.

Schon mehrfach aufgefallen

Es war nicht die einzige Tat, welche sich der FCZ-Schläger hatte zuschulden kommen lassen. Bereits früher hatte er an Fussballspielen Leuchtsignalfackeln in Richtung Spielfeld geworfen. An einem Match in Basel riss er zudem Sitzschalen aus der Halterung und warf sie auf Basler Fans. Vor allem wegen der versuchten schweren Körperverletzung widerrief das Migrationsamt des Kantons Zürich Mitte 2017 die Niederlassungsbewilligung des Bosniers. Es setzte eine Ausreisefrist bis Ende September fest. Der junge Mann wandte sich ans Verwaltungsgericht und bekam Recht, wie aus einem eben publizierten Urteil hervorgeht.

Seit dem 1. Oktober 2016 gilt – im Zusammenhang mit der Ausschaffungsinitiative – verschärftes Recht, was die Landesverweisung angeht. Weil die Tat aber bereits im März stattgefunden hat, wäre ein Landesverweis aufgrund des neuen Rechts unzulässig. Zuständig ist demnach die Migrationsbehörde.

Aus Sicht des Verwaltungsgerichts ist der Widerruf der Niederlassungsbewilligung aber unverhältnismässig. Man müsse dem jugendlichen Alter des Beschwerdeführers Rechnung tragen. Zudem sei er in der Schweiz sozialisiert worden. Die Tat trage «episodenhaften Charakter», schreibt das Gericht in seinem Urteil. Und der junge Mann habe inzwischen eine «biografische Kehrtwende vollzogen».

Er habe sich von seinem Umfeld in der gewaltbereiten Fussballszene distanziert und seinen Alkoholkonsum reduziert. Ausserdem habe er an Lernprogrammen zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Gewalt, Drogen und Alkohol teilgenommen. Im Strafvollzug schliesslich habe sich der Mann korrekt verhalten und positiv entwickelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (pag)

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