Begrünte Gebäudefassaden senken die Luftverschmutzung, dämmen den Lärm, kühlen Hitzeinseln, verringern den Energieverbrauch einer Liegenschaft und fördern die pflanzliche Artenvielfalt. Dies belegen diverse Studien.

Eine erste grüne Fassade ist seit diesem Frühling an der Löwenstrasse im Zürcher Kreis 1 am Entstehen. Was es aber nicht gibt, ist eine rechtliche Bestimmung für Vertikalbegrünung. Weder im Planungs- und Baugesetz des Kantons Zürich noch in der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich wird die begrünte Fassade rechtlich bestimmt.

Etwas anders sieht die Gesetzeslage bei der Dachbegrünung aus. In der Bau- und Zonenordnung der Stadt Zürich ist seit 1991 vorgeschrieben, dass brachliegende Flachdächer begrünt sein müssen. Dies aber nur, falls es für Liegenschaftsbesitzer betrieblich, technisch und wirtschaftlich möglich ist, das Dach zu bepflanzen. Seit 2015 ist zudem festgehalten, dass sie «ökologisch wertvoll» sein muss.

Die drei Zürcher Kantonsräte Antoine Berger (FDP, Kilchberg), Christian Hurter (SVP, Uetikon am See) und Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) fordern nun eine Gesetzesänderung, die Anreize schafft, damit künftig mehr Wände begrünt werden. Die drei Politiker führen unter anderem den sinkenden Niederschlag als ausschlaggebendes Argument ins Feld. «Da 80 Prozent des Niederschlags verdunsten, ist es offensichtlich, dass die Menschen mit der Urbanisierung das Klima verändern. Der Rückgang der Verdunstung um einen Kubikmeter führt zu fünf Liter weniger Niederschlag», schreiben die Parlamentarier in ihrem Vorstoss.

Die Allgemeinheit profitiert

In der eingereichten parlamentarischen Initiative fordern sie deshalb einen sogenannten Grünflächenbonus. Wer also ein Dach oder eine Hauswand begrünt, die mindestens 100 Prozent der Grundstücksfläche misst, soll mit einer um fünf bis zehn Prozent höheren Nutzungsziffer belohnt werden.

Dies, weil neben der Dachbegrünung mit einer Vertikalbegrünung nicht bepflanzte Flächen wie Einfahrten, Park- und Sitzplätze kompensiert werden können. Entsprechende Massnahmen können den Grünflächenkoeffizienten eines Grundstückes auf über 1 ansteigen lassen. «Für solche Massnahmen sollen Bauherrschaften belohnt werden», so Berger.

Der Parlamentarier verweist dabei auf den sogenannten Areal-Bonus. Wer auf einem Areal von 6000 Quadratmetern eine «harmonische Gesamtüberbauung» vollziehe, wie Berger sagt, werde mit einer um zehn Prozent höheren Ausnützung belohnt.

«Ob es bei begrünten Fassaden oder Wänden nun fünf oder zehn Prozent mehr Ausnützung sind, obliegt den Gemeinden gemäss ihrer Bau- und Zonenordnung», sagt der FDP-Kantonsrat. Grundlegend sei das Ziel, für Investoren Anreize zu schaffen, damit sie mehr für den Klimaschutz in die Liegenschaften investieren. Die Grünflächen an und auf Häusern kämen schliesslich der gesamten Gesellschaft zugute.