Diesen Sonntag entscheidet sich, wer künftig den Kanton Zürich im Ständerat vertritt. Kombiniert man die Auswertung des ersten Wahlgangs durch Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich mit den Wahlempfehlungen der Parteien, scheint klar: Die Bisherigen, Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP) können von ihrer Wiederwahl ausgehen, wenn sie ihre Wählerschaft einigermassen mobilisieren. Herausforderer Christoph Blocher (SVP), der im ersten Wahlgang mit deutlichem Abstand auf dem dritten Platz landete, dürfte kaum zulegen.

Blochers Manko

Blochers Manko: Ausserhalb der SVP-Wählerschaft holte er im ersten Wahlgang nur wenige Stimmen. Sein Hardliner-Image rächte sich. Auch für den zweiten Wahlgang empfiehlt ihn ausser der SVP lediglich die EDU. Für die EDU stimmten aber am
23. Oktober im Kanton Zürich lediglich 7578 Personen. Die meisten von ihnen dürften schon im ersten Wahlgang Blocher gewählt haben. Blochers Abstand auf den damals zweitplatzierten Gutzwiller betrug jedoch 22500 Stimmen.

Wo könnte Blocher noch Stimmen holen? Politisch am nächsten stünde ihm zumindest teilweise die FDP-Wählerschaft. Allerdings wählten die Freisinnigen im ersten Wahlgang laut Moser mehrheitlich das «Bisherigen-Päckli». «Christoph Blocher fand hingegen kaum Gnade bei den Wählern der Freisinnigen – genau wie übrigens auch vor vier Jahren, als Ueli Maurer das gleiche Schicksal widerfuhr», so der Chefstatistiker des Kantons Zürich.

Bleiben als Wählerreservoir noch die 62667 Stimmen, die im ersten Wahlgang auf «Vereinzelte» fielen. Zu einem erheblichen Teil dürfte es sich um Blocher-Wähler handeln, die unter den offiziellen Kandidaten ausser Blocher niemand überzeugte.

Dieners und Gutzwillers Potenzial

Diener und Gutzwiller haben hingegen noch Potenzial, um zuzulegen. Der Grund: CVP und EVP, die im ersten Wahlgang noch mit eigenen Kandidaten antraten, empfehlen nun das «Bisherigen-Päckli». Ebenso hält es die BDP. Neu zu vergeben ist auch ein Grossteil der rund 70000 Stimmen, die die Kandidaten von SP und Grünen im ersten Wahlgang holten. Beide treten nicht mehr an. Die Grünen empfehlen Diener zur Wahl, die SP verzichtet auf eine Wahlempfehlung.

Ein Blick auf Mosers Analyse des ersten Wahlgangs zeigt indes, dass vor allem Diener schon am 23.Oktober im linksgrünen Lager absahnte. Auch Gutzwiller stiess dort auf Anklang. Dies dürfte im zweiten Wahlgang noch mehr der Fall sein, zog doch SP-Mann Thomas Hardegger seine Kandidatur mit der Begründung zurück: «Es geht darum, dass Blocher nicht gewählt wird.»

Handkehrum empfiehlt die Zürcher SVP auch für den zweiten Wahlgang nur Blocher zur Wahl. Jedoch erhielten vor allem Gutzwiller, aber auch Diener schon am 23.Oktober beachtlich viele Stimmen aus dem SVP-Lager. «Wegen ihrer Akzeptanz über Parteigrenzen hinweg handelt es sich bei den beiden Bisherigen
am ehesten um Persönlichkeitskandidaturen traditionellen Zuschnitts», folgert Moser.

Ein historisches Novum

Dass es bei zwei kandidierenden Bisherigen überhaupt zu einem zweiten Wahlgang kam, ist für den Kanton Zürich ohnehin ein historisches Novum. Zu erklären ist es laut Moser durch die starke Polarisierung des Zürcher Wahlvolks. Er sieht darin einen «neuen Systemzustand, in dem alte Faustregeln an Gültigkeit eingebüsst haben».