Ständeratswahlen

Blocher im Ständerat? Die Analyse seiner versteckten Chance

Christoph Blocher (SVP, neu).  zvg

Christoph Blocher (SVP, neu). zvg

Der Ständeratswahlkampf in Zürich geht in die Stichwahl. In der Analsyse lesen Sie, warum SVP-Herausforderer Christoph Blocher nicht chancenlos ist.

Ist die Schlacht schon geschlagen? Keineswegs. Wer jetzt glaubt, der Entscheid darüber, wer in den nächsten vier Jahren den Kanton Zürich in der kleinen Kammer in Bern repräsentieren soll, sei eigentlich schon gefallen, ist auf dem Holzweg.

Die Wählerinnen und Wähler haben im ersten Wahlgang zwar die beiden bisherigen Standesvertreter Verena Diener (GLP) und Felix Gutzwiller (FDP) mit einem durchaus erklecklichen Vorsprung von über 20000 Stimmen auf den Herausforderer Christoph Blocher (SVP) auf die Plätze eins und zwei gesetzt, doch wäre es vermessen, daraus abzuleiten, sie seien sozusagen schon gewählt.

Blocher hat noch Chancen

Blochers Partei räumt zwar ein, ein Sieg im zweiten Wahlgang werde sehr schwierig zu erreichen sein, aber gelaufen ist die Sache noch längst nicht. Warum nicht? Weil das Volk am letzten Wochenende zwar eine Präferenz erkennen liess, aber nicht mehr. Das Resultat des ersten Wahlgangs besagt nur eines klar: dass das absolute Mehr von sämtlichen Kandidierenden verfehlt worden ist.

Natürlich können die Grünliberalen und die Freisinnigen die Hoffnung hegen, dass das Volk ihre beiden Kandidaten im zweiten Wahlgang am 27. November, wenn das absolute Mehr gilt, erneut an die Spitze der Rangliste stellen wird. Sie können sogar davon ausgehen, dass ein Grossteil der Wählerinnen und Wähler, die im ersten Wahlgang den Kandidierenden von SP, Grünen, CVP und EVP die Stimme gegeben hat, diesmal die Namen der amtierenden Ständeräte auf den Wahlzettel schreiben werden. Sofern sie überhaupt einen Wahlzettel ausfüllen.

Bleiben die SP-Wähler zu Hause?

Der SVP kann es nur recht sein, wenn sich speziell die links-grüne Wählerschaft der Stimme enthält. Dann nämlich steigt die Chance Blochers. Doch wirkt solchen Erwartungen wohl der Umstand entgegen, dass am 27. November gleichzeitig über die Änderung des Flughafengesetzes abgestimmt wird. Links-grüne Kreise werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, zur Verhinderung möglicher Neu- und Ausbauten von Pisten ihre Stimme abzugeben. Dann liegt es nahe, dass man dann auch den Wahlzettel für den Ständerat einwirft.

Freilich werden Christoph Blocher und seine Partei alles unternehmen, um die Wählerschaft doch noch zu überzeugen. Der 71-jährige Politiker hat bereits angekündigt, jetzt, wo es nur noch um drei Kandidaten gehe, werde es viel einfacher sein, seine Ideen denjenigen der Konkurrenz gegenüberzustellen. Jetzt könne er aufzeigen, dass seine Thesen darüber, was der Schweiz gut tue, den Ansichten der beiden bisherigen Ständeratsmitglieder überlegen seien. Diener und Gutzwiller mit ihren Parteien hingegen sind überzeugt, dass es ihnen gelingt, der Wählerschaft genau das Gegenteil zu beweisen.

Wer gewinnt?

Wer sich fragt: Warum tut sich Christoph Blocher das an, dass er nochmals antritt?, muss zur Kenntnis nehmen, dass es für ihn durchaus noch Stimmenpotenzial gibt. Am letzten Wochenende stand sein Name in 33 Prozent der Fälle auf einem der 400000 gültig eingelegten Wahlzettel. Diener kam auf 39 Prozent, Gutzwiller auf 38 Prozent. Die 33 Prozent für Blocher sind nur wenig mehr als die 29,8 Prozent SVP-Wähleranteil bei der Nationalratswahl. Wenn es ihm gelingt, die bürgerlich gesinnten Wählerinnen und Wähler besser als im ersten Wahlgang hinter sich zu scharen, hätte er tatsächlich eine Chance.

Salopp gesagt: Nun geht es um die Wurst. Respektive darum, ob der Wirtschaftskanton Zürich die beiden bisherigen Standesvertreter ins Stöckli abordnet oder ob einer von ihnen dem Unternehmer Blocher weichen muss. Die Protagonisten haben noch vier Wochen Zeit, die Wählerschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen.

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