SBB Reinigungsanlage

Blitz und Blank: Neue Anlage bringt Züge auf Hochglanz

Die SBB hat ihre Zugreinigungsanlage in Zürich modernisiert. Neu kann ein Drittel des Waschwassers wieder verwendet werden. Auch wurde der Chemieverbrauch gegenüber der alten Anlage gesenkt.

Langsamer sind die Züge der SBB kaum je unterwegs: Mit einer Geschwindigkeit von einem Stundenkilometer müssen sie in die Waschanlage auf dem Gleisfeld vor dem Hauptbahnhof Zürich fahren. Es ist eine von schweizweit zehn Waschanlagen, mit denen die Bahn ihre Züge reinigt. Und nachdem sie für sechs Millionen Franken erneuert wurde, zählt die Anlage nun zu den modernsten hierzulande.

Das zeigt sich gleich bei der Einfahrt: Während bislang ein Bahnarbeiter die Waschanlage bediente, kann jetzt der Lokführer vom Fenster seines Führerstands aus den nötigen Knopfdruck selber vornehmen. Das automatische Waschprogramm beginnt. Im verlassenen Bahnarbeiterbüro flimmern auf zwei Bildschirmen Videoaufzeichnungen aus der Waschanlage. So wäre im Störungsfall überprüfbar, was schief lief.

Ganz wegrationalisiert wurden die früher in der Waschanlage tätigen Bahnarbeiter jedoch nicht, wie SBB-Regionenleiter Werner Schurter bei der Medienpräsentation sagt: «Sie bekamen andere Aufgaben in der Zugswartung.» Insgesamt 2500 Personen sind bei den SBB damit beschäftigt, die Züge instand zu halten. Und die Arbeit gehe ihnen nicht aus, denn die Bahn habe immer mehr Züge: «Wir bräuchten eher mehr als weniger Leute», sagt Schurter.

Wie Nieselregen netzt das Waschwasser den Zug. Die Bürstenständer rotieren zuerst an der Vorderseite des Zugs, die mit einem basisch-alkalischen Putzmittel behandelt wird, um die eiweissreichen Insekten abzuwaschen. Während der Zug im Schneckentempo weiter durch die 90 Meter lange Waschhalle rollt, schrubben Bürstenständer seine Seitenwände – diesmal mit einem sauren Putzmittel, wie Projektleiter Stefan Imboden in breitem Walliserdeutsch erklärt. Durch die Verlängerung der Waschanlage von 60 auf 90 Meter wirke das Waschmittel besser ein als früher. Der Zug werde dadurch sauberer – und müsse nur noch alle zwölf statt wie bisher alle acht Jahre frisch lackiert werden.

1000 Liter Wasser pro Wagen

30 bis 50 Minuten dauert so ein Waschgang, je nach Länge des Zuges. Pro 25-Meter-Wagen kommen 1000 Liter Wasser zum Einsatz. Bei einem S-Bahn-Kurzzug mit vier Wagen macht dies 4000 Liter. Ein Drittel davon kann die neue Anlage soweit aufbereiten, dass das Wasser gleichenorts wiederverwendbar ist. Der Rest gelangt filtriert in die Kanalisation.

Blitzblank steht der Zug nach der Waschfahrt in der Sonne vor der Halle. Als der Lokführer ihn wieder zurückchauffieren will, weigert sich deren vollautomatisches Portal jedoch aufzugehen. Meistens funktioniert die Anlage aber, versichert Projektleiter Imboden: «Die technische Verfügbarkeit liegt bei über 97 Prozent.» Von Mitte Juni bis Mitte August wurde die Anlage getestet. Seit sie vor einem Monat den regulären Betrieb aufgenommen hat, gab es laut Imboden zwei sechstündige Störungen.

Diesmal dauert die Störung nur wenige Minuten, sodass der frisch gewaschene Zug für die Fernsehkameras zur Einfahrt zurückfahren kann. Dann ist das Gleis frei für den nächsten Zug.

Jährlich über 7500 Züge, die in der ganzen Schweiz unterwegs sind, reinigt die Anlage gemäss SBB-Regionenleiter Schurter. Sie arbeitet im 24-Stunden-Betrieb. Nur wenn die Aussentemperatur unter minus zwei Grad sinkt, schaltet sie sich aus. Ansonsten würde vereistes Waschwasser für Türstörungen sorgen. «Doch so kalt ist es in Zürich nur an fünf bis sechs Tagen pro Jahr», sagt Imboden.

SBB modernisiert die Reinigungsanlage für ihre Züge.

SBB modernisiert die Reinigungsanlage für ihre Züge.

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