Zürich Altstetten

«Blinde Zerstörungswut»: So haben die Einbrecher in den Schrebergärten gewütet

Innerhalb von zwei Wochen wurde in rund 50 Schrebergärten in Zürich Altstetten eingebrochen – ein Augenschein vor Ort zeigt, wie gross der Frust bei den Besitzern ist.

Der Vandalenakt auf dem Schrebergarten-Areal im Grünau-Quartier in Zürich Altstetten war auch gestern Gesprächsthema Nummer eins. Die Kioskbetreiberin des Familiengartens Juchhof bestätigt, dass die Kunden, die bei ihr einen Kaffee oder einen Nussgipfel holen, von aufgebrochenen Türen, geöffneten Schränken und einem Bild der Verwüstung erzählen. In knapp 40 Schrebergärten wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag eingebrochen.

Zwei Mitarbeiter einer Reparaturfirma trinken gerade ihren Kaffee am Kiosk und zeigen auf ihre Reparaturliste. Durchs Band handelt es sich um demolierte Türschlösser und beschädigte Türrahmen, die sie nun wieder in Ordnung bringen. Dass während den Einbrüchen auch Beete niedergetrampelt wurden, steht zwar nicht auf der Liste, ist für die Betroffenen aber weitaus frustrierender. Ein Anwesender erzählt denn auch, was ihn am Sonntagmorgen in seinem Schrebergarten erwartet hat: «Pullover, Decken, Werkzeuge – alles haben Sie aus den Schränken gerissen.» Eine Sauordnung habe ihn am Sonntagmorgen in seinem Garten begrüsst. Ein Gartenbeet sei komplett niedergetrampelt worden. «Da waren klar mehr als zwei Personen am Werk», ist sich der Hobbygärtner sicher.

Unbekannte verwüsten rund 40 Schrebergärten

Unbekannte verwüsten rund 40 Schrebergärten

Lediglich das Handy und Sackgeld einiger Kinder haben die Vandalen erbeutet. Primär sorgten sie in Altstetten aber für Verwüstung auf dem Gelände.

Trotz herbstlichen Temperaturen an diesem Morgen sind beim Rundgang durch den Juchhof vereinzelte Garten-Mitglieder anzutreffen. Von Vandalismus und sinnloser Zerstörungswut reden sie. Begleitet werden ihre Aussagen von Schulterzucken und Kopfschütteln. Verstehen kann die Einbrüche niemand. Eine Frau, die in ihrem Garten gerade Salat pflückt, sagt: «Wer hat schon Geld in seinem Häuschen?» Auch sie ist davon überzeugt, dass es bei den Einbrüchen nur darum ging, die Leute hier zu kränken: «Warum sonst haben die Einbrecher teure Gasgrills oder Radio und Fernseher hier gelassen?»

Von Einbrüchen, Beschädigung und geklautem Gemüse reden auch die Hobbygärtner des Familiengartenvereins Altstetten-Albisrieden. Bereits vor einer Woche wurde in über ein Dutzend Schreberhäuschen auf dem Vulkanareal eingebrochen. Kupferschalen, Gasgrills und Fernseher haben die Diebe aber auch dort nicht interessiert. Eine Betroffene zeigt, was die nächtlichen Besucher alles aus ihren Schränken gerissen haben. «Eine komplette Unordnung war hier drin», sagt sie und dreht sich in ihrem kleinen Häuschen um ihre eigene Schulter. Auch ihre Nachbarn seien vom Vandalismus betroffen gewesen. Bereits wieder reparierte Türen mit noch deutlich sichtbaren Einbruchspuren zeugen davon. Weggekommen sei kaum etwas, sagt die Italienerin.

Der Frust ist gross

Die Hobbygärtner auf dem Vulkanareal jedoch vermuten nicht blossen Vandalismus hinter der Tat. Ein Anwesender befürchtet hinter den Einbrüchen Mobbing. Zwar sei der hintere Teil des Vulkanareals nicht vom geplanten Eishockeystadion betroffen. Aber: «Wer weiss, vielleicht will man uns hier ja trotzdem weg haben.»

Der Frust in den Schrebergärten ist gross. Entweder haben die Betroffenen keine Versicherung und wenn doch, dann können sie den entstandenen Schaden nicht der Privathaftpflichtversicherung angeben, weil der Selbstbehalt zu hoch ist. Umso mehr sind viele der Anwesenden in den Schrebergärten zurückhaltend, wenn es um die Aufwertungen ihrer Gartenhäuschen geht. Viele reparieren die entstandenen Schäden gerade mal notdürftig. «Früher oder später wird es ja doch wieder kaputt gemacht», so die mehrheitliche Reaktion der Schrebergärtner auf dem Vulkanareal.

Laut der Stadtpolizei Zürich ist auf dem Gartenareal an der Bändlistrasse wie auch auf dem Vulkanareal ein Schaden von mehreren tausend Franken entstanden. In beiden Fällen hat die Polizei ein Strafverfahren eingeleitet und klärt nun ab, ob zwischen den Taten auf beiden Gartenarealen ein Zusammenhang besteht.

Schrebergärten verwüstet

Bereits vor einem Jahr verwüsteten Vandalen Schrebergarten-Häuschen

Vandalen brachen übers Wochenende 40 Schrebergarten-Häuschen auf und hinterliessen einen Schaden von mehreren Tausend Franken. (19. September 2016)

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