Mit der Petition «Hafenkran soll bleiben» fordert die Stadtzürcher JUSO die Stadt auf, das umstrittene Kunstprojekt am Limmatquai angesichts des durchschlagenden Erfolgs auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Der Hafenkran verleihe dem «bünzligen» Zürich ein mondänes und urbanes Flair, schreiben die Jungsozialisten in einer Mitteilung. Um diesen alten, rostigen Kran herum sei eine der kontroversesten Diskussionen über Sinn und Unsinn der Kultur in Zürich entstanden. Damit erfülle der Hafenkran eine wichtige Aufgabe: Er sei ein Kunstwerk, das provoziere.

Laut der JUSO ist der Hafenkran dazu prädestiniert, zum neuen Wahrzeichen der Stadt Zürich zu werden. Deshalb solle er stehen bleiben. JUSO-Vorstandsmitglied Lewin Lempert wagt gar den Vergleich mit dem Pariser Eiffelturm. Auch dieser sei zu Beginn nur als temporäres Objekt geplant gewesen und habe viele Ressentiments ausgelöst.

Zeichen gegen SVP-Politik

Mit der Initiative will die JUSO auch ein Zeichen gegen die «Hafenkräne-Nein»-Initiative der SVP setzen. Diese fordert den Verzicht auf «weitere Hafen-Infrastruktur» - sprich: weitere vergleichbare Kunstwerke - in Zürich. Die JUSO will nun aufzeigen, dass der Hafenkran in der Öffentlichkeit breite Unterstützung findet.
Der Stadtzürcher SVP-Präsident Roger Liebi sagt auf Anfrage, er fände die Idee der JUSO «dumm». Er vermutet, dass es sich dabei um eine «Witz-Petition» handle. Sollte die JUSO genug Unterschriften zusammenbringen, könnte die Petition der eigenen «Hafenkräne-Nein»-Initiative im Falle einer Volksabstimmung jedoch deutlichen Aufwind geben, hofft Liebi. Denn die Petition zeige klar auf, dass die geplante Zeitdauer der Hafenkran-Installation von neun Monaten von Anfang an überschritten werden sollte. «Ich habe schon immer befürchtet, dass jemand auf die Idee kommt, den Kran stehen zu lassen», so Liebi. Dass der Hafenkran zu einem Wahrzeichen Zürichs werden könnte, sei Unsinn, so Liebi.

Auf Anfrage erklärt Lewin Lempert, die Petition sei durchaus ernst gemeint. Der JUSO sei wichtig, dass es mehr Kunst im öffentlichen Raum gebe, über welche die ganze Gesellschaft diskutieren könne. Momentan sei dies eine Seltenheit: «Der Kunstbetrieb beschränkt sich hauptsächlich auf das Opern- und das Schauspielhaus, wo Kunst für die Oberschicht, die Interessierten und die Informierten stattfindet», so Lempert. Die Petition sei auch eine Provokation in Richtung der Bürgerlichen, die das Projekt Hafenkran im Sinne ihrer Sparpolitik auf seine rein finanziellen Aspekte beschränken wollen.

Pio Sulzer, Sprecher des Tiefbaudepartements der Stadt Zürich, sagt: «Wir sind freudig überrascht, dass schon nach einer Woche eine Petition eingereicht wird, die fordert, dass der Hafenkran stehen bleibt.» Besonders nach den hitzigen Kontroversen im Vorfeld sei dies erfreulich, sagt Sulzer. So fühlt sich das Tiefbaudepartement in seiner Einschätzung bestätigt, der Kran werde positiver aufgenommen, sobald er einmal stehe.

Petition ist nicht umsetzbar

Für die Stadt sei aber klar, dass die Petition der JUSO faktisch nicht umsetzbar sei. Die Baubewilligung für den Hafenkran laufe im Januar aus, die Bewilligung für eine Nachfolge-Installation müsste erst geprüft werden. Aber das sei weder im Sinn der Stadt noch in dem der Künstler, sagt Sulzer. Die Installation sei ein einmaliges Projekt: «Der Hafenkran löste bei der Ankündigung viel aus, jetzt steht er, und wenn er wieder abgebaut ist, bleibt er den Menschen in der Erinnerung.»