Winterthur

Biogas-Produzent Biorender kämpft um neue Finanzierung

Die Firma Biorender sucht nach neuen Kooperationspartnern.

Die Firma Biorender sucht nach neuen Kooperationspartnern.

Die Biorender AG, die in Münchwilen TG Fleischabfälle vergärt und daraus Biogas erzeugt, hat einen Kooperationspartner aus der Fleischentsorgungsindustrie an der Angel.

Es sei möglich, dass dieser die Aktienmehrheit übernehmen werde, hiess es am Montag an einer Medienkonferenz in Winterthur.

In den vergangenen Wochen habe Biorender das Gespräch mit zwei möglichen Kooperationspartnern aus der Fleischentsorgungsindustrie gesucht, heisst es in der Mitteilung. Nach den positiv verlaufenen Verhandlungen zeichne sich ab, dass einer dieser Partner die Mehrheit des Aktienpaketes übernehmen werde.

Den möglichen Partners will Verwaltungsratspräsident Markus Sägesser noch nicht nennen. Er hofft, dass die Verhandlungen bis September abgeschlossen werden können. Dann wird sich auch entscheiden, ob das Unternehmen mit einer Neugründung auf eine neue Basis gestellt werden soll. "Wir diskutieren derzeit verschiedene Optionen", sagte Sägesser.

Mit einem neuen Kooperationspartner könnte sich Biorender nach eigenen Angaben neu ausrichten. So könnten mit zusätzlichen Investitionen in die Anlage die verschiedenen Abfälle separat verarbeitet und der ökologische Nutzen der gesamten Verwertungskette erhöht werden. Das sei auch vergangenen Jahres in einer Studie bestätigt worden.

Die Fleischabfall-Vergärungsanlage kämpft seit der Inbetriebnahme im Juli 2011 mit finanziellen Problemen. Verschärft wurden diese in den vergangenen Monaten durch technische Probleme, deren Behebung zu erheblichen Mehrkosten führte.

Stabile Biogas-Produktion

Zu schaffen macht dem Unternehmen aber auch der Ausstieg der Stadt Wil SG aus dem Projekt. Gestützt auf diesen Ausstieg strich auch der Verband der Schweizerischen Gasindustrie (VSG) den zugesicherten Investitionsbeitrag. Der Biorender AG entgingen dadurch Beiträge von über 2,5 Millionen Franken, die sie nun auf dem Rechtsweg geltend macht.

Nach den gescheiterten Schlichtungsverhandlungen mit der Stadt Wil beschreitet Biorender den Gerichtsweg. Derzeit werde die Klageschrift vorbereitet, sagte VR-Präsident Sägesser.

An der Biorender AG sind die Städte Winterthur und St. Gallen mit je 24,59 Prozent beteiligt. Kleinere Anteile halten Schaffhausen, Flawil SG, Uzwil SG und Private.

Beschwerden gegen Abstimmung abgewiesen

Im vergangenen November sagten die Stimmberechtigten von Winterthur Ja zu einer Überbrückungsfinanzierung. Bis Mitte dieses Jahr bezahlt die Stadt einen ökologischen Mehrwert von 35 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) Biogas. Schon vor der Abstimmung war klar, dass die Biorender AG damit nicht endgültig gerettet sein wird.

Nach der Abstimmung waren eine Stimmrechtsbeschwerde, eine Aufsichtsbeschwerde und eine Gemeindebeschwerde eingereicht worden. All diese Beschwerden seien in der Zwischenzeit zugunsten der Stadt Winterthur erledigt worden, hiess es an der Medienkonferenz.

Die Biogasproduktion in der Pionieranlage in Münchwilen hat sich in den vergangenen Monaten stabilisiert, wie Biorender weiter bekannt gab. Die Produktion liege stabil bei gut 60'000 kWh pro Tag. Das entspricht rund 55 bis 60 Prozent der ursprünglich angenommenen Produktionsmenge. (sda)

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