Landwirtschaft

Biobauer Urs Hans wird Biolabel aberkannt

Biobauer Urs Hans.

Biobauer Urs Hans.

Der Turbenthaler Kantonsrat Urs Hans hat die Knospe, das Label von Bio-Suisse, verloren. Er hat zwar Anfang April einen Rekurs eingelegt, doch er darf sich nicht mehr Biobauer nennen.

Urs Hans hat zwar Anfang April einen Rekurs eingelegt, doch die Knospe, das offizielle Label von Bio-Suisse, darf er dennoch nicht mehr verwenden. Seiner Einsprache gegen den Entscheid der Kontrollorganisation Bio.inspecta kommt keine aufschiebende Wirkung zu. Der Verlust des Bio-Labels trifft Hans hart. Er ist verbunden mit einem Wegfall von einem Grossteil der Direktzahlungen. Ein Glück sei aber, dass er Direktvermarkter und keinem Grossverteiler angeschlossen sei. Er und seine Frau verkaufen etwa auf dem Winterthurer Markt: «Wir haben treue Kunden.» Kunden, die ihre Überzeugungen teilen und zu ihnen stehen, wie Hans sagt. Das Fleisch, das er verkauft, gelte noch immer als biologisch hergestellt – einfach ohne Knospe.

Dass ihm das Label von Bio-Suisse entzogen wurde, führt Urs Hans auf seine früheren Auseinandersetzungen mit dem kantonalen Veterinäramt zurück. Der Biobauer weigerte sich nach schlechten Erfahrungen, seine Angus-Rinder wie vorgeschrieben gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen («nach der Impfung gegen Rauschbrand starben die Kälber wie Fliegen»).

Schuldspruch nicht akzeptiert

Die Impfverweigerung brachte Urs Hans auch vor die Schranken der Gerichte. Das Winterthurer Bezirksgericht verurteilte ihn im vergangenen November zu einer Busse von 2000 Franken. Er habe mit seinem Verhalten die öffentliche Gesundheit gefährdet, hielt das Gericht in seinem Urteil fest. Die Ausmerzung der Krankheit müsse höher gewichtet werden als die Angst um das Eigentum. Urs Hans hat diesen Schuldspruch nicht akzeptiert und Rekurs eingelegt. Wann der Fall am Zürcher Obergericht verhandelt wird, ist derzeit noch offen.

Seit seiner Impfverweigerung, die landesweit für Aufsehen gesorgt und von verschiedenen Landwirten unterstützt wurde, fühlt sich Urs Hans vom Veterinäramt schikaniert («es kann kein Zufall sein, dass mein Hof derart oft kontrolliert wurde»). Der Biobauer, der für die Grünen im Kantonsrat sitzt, sprach in der Vergangenheit auch schon von «staatlichem Terror» und von «Verleumdungskampagnen der Behörden».

Bei Kontrollen hatte sich gezeigt, dass 9 der 37 Liegeboxen in seinem Stall schmaler
als die geforderten 110 Zentimeter sind – um 2 bis 3 Zentimeter zu klein sind sie. Der 1989 gebaute Stall sei bis 1999 dreimal vom Veterinäramt kontrolliert und abgenommen worden, entgegnet dem Urs Hans. Erst 2008, im Zusammenhang mit der neuen Tierschutzverordnung, seien die Boxen als zu schmal bezeichnet worden. «Ich ging davon aus, dass
für mich wie für alle andern Bauern eine Übergangsfrist bis 2013 gilt.» Bauliche Anpassungen, soweit sie möglich gewesen seien, habe er inzwischen vorgenommen. Einen grossen Umbau will er erst in Angriff nehmen, wenn alle rechtlichen Fragen abschliessend geklärt sind.

«Vorgaben, die für alle gelten»

Da aber die Liegeboxen als zu schmal gelten, hat die Kontrollorganisation Bio.inspecta Strafpunkte erteilt. Diese – sowie weitere Abzüge wegen anderer «konstruierter Vorwürfe», wie sie Hans nennt – haben nun zum Verlust des offiziellen Knospe-Labels geführt.

Dass er es im Rahmen seines Rekurses zurückerhält, glaubt er derzeit nicht: Der Kontrollorganisation seien die Hände gebunden. Solange das kantonale Veterinäramt einen solchen Tarif vorgebe und «das System derart brachial gegen mich vorgeht», könne es sich nicht darüber hinwegsetzen. Das Amt bestreitet einen solchen Zusammenhang von jeher vehement. Und im Gericht sagte dessen Vertreterin, es gehe um allgemeingültige Vorgaben, die für alle verbindlich seien.

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