Jetzt steht fest, wie das von 2006 bis vergangenen Frühling besetzte Binzareal in Zürich überbaut werden soll: In zwei Neubauten entstehen auf bis zu acht Geschossen 360 Wohneinheiten, jeweils die Hälfte davon für Studierende und für temporär Angestellte des Universitätsspitals Zürich (USZ). Geplant sind Studios und Wohnungen für Wohngemeinschaften. Den Zuschlag für das Projekt erhielt das Zürcher Architekturbüro Gmür und Geschwentner. Der Entwurf trägt den Titel «Binz-Wohnen». Doch es geht um mehr als Wohnen.

Abstriche bei der Architektur

Um das primäre Ziel, günstigen Wohnraum zu schaffen, zu erreichen, mussten die Architekten ihre ursprünglichen Pläne überarbeiten. Der Sparrunde fielen eine überdeckte Halle zwischen den beiden Baukörpern sowie eine teure Fassadengestaltung zum Opfer. Zwar hätte die Halle ein spezielles Ambiente und einen Bezug zum industriellen Charakter des einstigen Fabrikareals gebracht, fand die Architekturwettbwerbs-Jury unter Leitung von Peter Ess, Ex-Direktor des Stadtzürcher Amts für Hochbauten. Doch ein offener Aussenraum müsse angesichts des Kostendrucks genügen.

Eine Cafeteria und ein vermietbarer Saal bleiben aber weiterhin im Projekt enthalten. Zudem sollen ein Kleinhotel mit neun Zimmern, Atelierräume und Musik-Übungsräume dazu beitragen, das industriell geprägte Quartier zu transformieren, wie Ess gestern vor den Medien sagte.

Für die Studios müssen Studierende künftig 640 Franken pro Monat hinblättern. WG-Zimmer werden ab 530 Franken erhältlich sein, wie Werner Hofmann erklärte, der für die Vermietung zuständig ist. Die möblierten USZ-Personalunterkünfte, bei denen auch ein Bettwäsche-Service inbegriffen ist, kosten 880 Franken monatlich.

Investor des 50-Millionen-Franken-Projekts ist die Basler Pensionskasse Stiftung Abendrot. Sie rechnet mit einer Nettorendite von drei Prozent, wie Projektleiter Christian Geser auf Anfrage sagte.

Der Unternehmer Werner Hofmann hatte die Idee, auf dem Binz-Areal Studentenwohnungen zu verwirklichen, lanciert. Sie sollen als Ersatz für die von Hofmann vorübergehend realisierten Studentenunterkünfte im ehemaligen Hotel Atlantis dienen. Das «Atlantis» am Fusse des Üetlibergs wird derzeit wieder zu einem Luxushotel umgebaut.

Das Binzareal war Ende Mai von seinen rund 50 Besetzern nach einem Ultimatum des Kantons, dem das Areal gehört, geräumt worden. Die Besetzer zogen damals weiter ins bereits besetzte Koch-Areal in Zürich Altstetten, das der Grossbank UBS gehört. «Ich bin überzeugt: Die Besetzer zogen friedlich ab, weil sie sahen, dass in der Binz eine soziale Sache entsteht», so Hofmann.

Auf dem Fabrikareal in der Binz hatten sie zuvor Durchgänge verbarrikadiert und viel Unrat hinterlassen. Dadurch entstanden laut Thomas Maag, Sprecher der kantonalen Baudirektion, Kosten in Höhe von 150 000 Franken für die Reinigung und fachgerechte Entsorgung. 20 000 Franken hatten die Besetzer, die das Areal während sieben Jahren nutzten, beim Kanton als Kaution hinterlegt. Um die zusätzliche Schadenssumme geltend machen zu können, hat der Kanton Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Teure Altlasten

Die Asbestsanierung und die Abrissarbeiten sind gemäss Maag inzwischen weitgehend abgeschlossen, sodass die Altlastensanierung beginnen kann. Für den Rückbau und die Asbestsanierung hat der Regierungsrat rund zwei Millionen Franken bewilligt. Die Altlastensanierung, bei der das Erdreich von chlorierten Kohlenwasserstoffen befreit wird, dürfte laut Maag zusätzlich rund 2,5 Millionen Franken kosten.

Der Baubeginn für das Neubauprojekt ist auf Frühling 2015, der Bezug 2017 geplant. Der Kanton überlässt das Areal der Stiftung Abendrot im Baurecht. Der entsprechende Vertrag ist gemäss Maag noch in Arbeit. Vorgesehen ist eine Laufzeit von 49 Jahren.