Budget
Billighotels erobern Zürich: Beeinflusst das den Markt?

Mit vielen Zimmern und tiefen Kosten setzen deutsche Firmen die Zürcher Hotels unter Druck – diese aber können die Preise kaum senken

Lina Giusto
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In der ehemaligen Post Selnau eröffnet das erste Budgethotel Motel One in Zürich seine Türen.

In der ehemaligen Post Selnau eröffnet das erste Budgethotel Motel One in Zürich seine Türen.

KEYSTONE

Im Juli eröffnet an der Brandschenkenstrasse – an bester Lage in Zürich – ein Hotel mit knapp 400 Betten seine Türen. Betreiber des Hotels ist die deutsche Motel One Gruppe. Das Besondere: Für einmal handelt es sich nicht um ein Vier- oder gar Fünfsternehotel.

Motel One bietet auf 13 000 Quadratmetern Nutzfläche Budgetzimmer zur Übernachtung in einer der teuersten Städte der Welt an. In Basel eröffnete die Hotelgruppe bereits diesen Sommer ein Hotel mit 146 Zimmern. In Zürich folgt damit der zweite Streich. Künftig können Touristen oder auch Geschäftsleute im Zürcher Engequartier für Preise unter 100 Franken übernachten.

Das Ambiente mutet entgegen der Erwartung bei einem Billighotel nicht etwa frugal an. Ganz im Gegenteil: Motel One legt Wert auf eine elegante Ausstattung. Gespart wird dafür bei der Küche, einer Bar oder einem Restaurant. Diese Dinge bietet das neue Hotel weder in Basel, noch in Zürich an. Der Hotelausbau an der Brandschenkenstrasse erfordert Investitionen von rund 78 Millionen Franken.

Viele ausländische Interessenten

Einem Bericht der «NZZ» zufolge ist das erst der Anfang der Budgethotels in Zürich. Die Münchner Meininger Gruppe kündigt ein Budgethotel mit 600 Betten im Greencity-Areal in Leimbach an. Nach Angaben von Meininger ist ein Hotel mit klassischen Zimmern, Schlafsälen, Gemeinschaftsküchen und Gamezonen geplant.

Die Eröffnung ist auf das Jahr 2019 angesetzt. Und mit Zürich als Standort liebäugelt auch die französische Budgetkette B&B-Hotel. Im kommenden Herbst soll in Wallisellen neben dem Glattzentrum ein Hotel mit knapp 150 Zimmern eröffnet werden. Auch die deutsche Hotelkette Prizeotel hat bereits in der Schweiz Fuss gefasst. Die Expansion nach Zürich ist offenbar nur eine Frage der Zeit.

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Hotels und Buchungsplattformen
Auf der Website des Roten Ochsen kann man wählen, ob man eine Flasche Mineralwasser haben möchte und zahlt dann dementsprechend mehr für ein Doppelzimmer.
Verzichten kann und will man nicht auf diese Plattformen, allerdings wären einige zusätzliche Regelungen nicht zu verachten.
Auch im Bad Kyburg ist man angewiesen auf Buchungen über die Plattformen.
Man freut sich aber auch, dass Direktbuchungen tendenziell ansteigen.

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Reto Helbling, Vizedirektor von Zürich Tourismus, erklärt die möglichen Gründe, warum die Stadt für Budgethotels interessant ist: «Der Städtetourismus verzeichnet seit mehreren Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum bei den Übernachtungen. Aktuell sind in der Stadt und der Flughafenregion deutlich mehr Hotels mit mindestens drei Sternen vorhanden als in den tieferen Kategorien.» Neben den Rentabilitäts-Überlegungen der Investoren aber haben laut Helbling auch die wirtschaftliche und politische Stabilität, das kulturell vielfältige Angebot und Dienstleistungen eine Auswirkung auf die Standortwahl in Zürich.

«Nicht zu unterschätzen ist die Situation von zahlreichen freistehenden Geschäftsliegenschaften in der Stadt Zürich», so Helbling. Diesen Eindruck bestätigt auch Matthias Ramer, Vizepräsident von Hotelleriesuisse Zürich und Region: «Seit der Eurokrise sind die Leerflächen bei den Immobilien in der Stadt Zürich gestiegen. Und das hat die Budgethotels auf den Plan geholt.»

Weil das Tiefpreissegment in der Hotellerie in der Stadt Zürich im Vergleich zum mittel- und hochpreisigen Angebot untervertreten ist, schätzt Ramer, dass gerade die Betriebe im mittleren Segment weiter unter Preisdruck geraten. Zudem könnten die hiesigen Hotels mit dem Zimmervolumen der Budgetanbieter nicht mithalten. Für Ramer ist die Herausforderung klar: «Unsere Hotels müssen den Preis in etwa halten, dafür aber die Dienstleistungen ausbauen, damit wir uns von den Budgethotels abheben können.»

Wie stark der Preiskampf tatsächlich werde, sei schwierig zu sagen. Dabei sieht Ramer vor allem in der Nebensaison grosse Herausforderungen für die Hotels. Dennoch sieht Zürich Tourismus im neuen Angebot auch eine Chance: «Mit neuen Betrieben kommen auch neue Gäste in die Stadt», so Helbling.