Fraumünsterpost
Billig-Discounter will die Zürcher Innenstadt erobern – Anwohner sind empört

Lidl will nun auch eine Filiale in der Zürcher Innenstadt eröffnen. Für viele Anwohner passt der Billig-Discounter jedoch nicht in das elegante Quartier.

Merken
Drucken
Teilen
Statt der Fraumünsterpost soll hier zukünftig eine Lidl-Filiale stehen. (Archiv)

Statt der Fraumünsterpost soll hier zukünftig eine Lidl-Filiale stehen. (Archiv)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Die Zürcher Innenstadt ist geprägt von altehrwürdigen Gebäuden und traditionsreichen Gässchen. Hier will sich demnächst ein Billig-Discounter zwischen die Edelboutiquen quetschen. Wenn die Post das markante, 1898 erbaute Gebäude auf Ende Oktober verlässt, will sich Lidl dort mit einer Filiale einnisten – es wäre die erste in der Zürcher Innenstadt. Bisher gab es den Lebensmitteldiscounter vor allem in der Agglomeration.

Der Einwohnerverein zeigt sich alles andere als glücklich über den zukünftigen Mieter der Fraumünsterpost. Deren Präsident Francesco Falone sagt gegenüber "TeleZüri": "Wir hätten uns ein kleines Lädeli gewünscht oder eine Markthalle wie im Viadukt mit Produzenten aus der Region für die Region." Dass nun ein Discounter einziehe, welcher die Preise der Produzenten möglichst tief halte, sei sehr schade.

Auch viele Anwohner beklagen die innerstädtischen Pläne von Lidl. Der Discountladen passe nicht in die Gegend, sind sich viele einig. "Das ist ein elegantes Quartier. Wenn jeder mit Lidl-Säcken herumläuft, passt das nicht ins Bild", äussert sich eine Passantin gegenüber "TeleZüri".

Zentrumslage aus Imagegründen

Für Markenexperte Pascal Geissbühler von "Branders" ist klar: Lidl sucht die Zentrumslage – auch aus Imagegründen. Dieses plant der aus Deutschland stammende Discounter nämlich aufzupolieren. Insbesondere in der Schweiz will er nicht mehr nur als Harddiscounter auftreten, wo tiefe Preise oberste Priorität haben. "Für die Kette wird sich das auszahlen", ist Geissbühler überzeugt.

Lidl nimmt schriftlich Stellung zu den Vorwürfen des Einwohnervereins sowie der Anwohner: "Natürlich verstehen wir Vorbehalte von Personen, die uns an diesem Standort nicht erwartet hätten und unser Konzept nicht kennen. Wir nehmen die Bedenken ernst", schreibt Corina Milz, Leiterin Unternehmenskommunikation Lidl Schweiz.

Da der Mietvertrag bereits unterschrieben ist, hat der Einwohnerverrein nicht viele Möglichkeiten, sich zu wehren. Auch am Hauptbahnhof spielt sich eine ähnliche Situation ab. Hier will der Lidl-Konkurrent Aldi ebenfalls eine Filiale im Herzen der Stadt eröffnen. Deren Eröffnung ist bereits für Ende September vorgesehen.