Zürich

Bildungsdirektorin zeigt sich zuversichtlich: «Wir werden eine Lösung mit der Lehrerschaft finden»

Die Steuergruppe fällt laut Meinungen des Lehrerverbands immer wieder Entscheide, die den Resultaten der Arbeitsgruppen gegenüberstehen. (Symbolbild)

Die Steuergruppe fällt laut Meinungen des Lehrerverbands immer wieder Entscheide, die den Resultaten der Arbeitsgruppen gegenüberstehen. (Symbolbild)

Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) zieht sich per sofort aus den kantonalen Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Lehrplans 21 zurück. Die Bildungsdirektion nehme die Mitarbeit der Lehrpersonalverbände nicht ernst und bewege sich in zentralen Fragen ins Abseits, schreibt der ZLV in einer Mitteilung vom Montag.

Besonders stossend ist für den Verband, dass die Steuergruppe der Bildungsdirektion genau jene Lektionentafel favorisiert, welche in den Arbeitsgruppen von allen Lehrpersonenverbänden abgelehnt wurde. Aus Sicht des ZLV ist die Lektionentafel das wichtigste Thema bei der Einführung des Lehrplans 21.

Für die Bildungsdirektion seien die Lehrpersonenverbände offenbar nur Dekoration. "Wir verlangen bei einem Entscheid von so grosser Tragweite einen ernsthaften Einbezug", wird ZLV-Vizepräsident Kurt Willi in der Mitteilung zitiert.

Von Ergebnissen der Arbeitsgruppe "kaum etwas übrig"

Seit einem Jahr habe der ZLV auf Einladung der Bildungsdirektion in verschiedenen Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Lehrplans 21 intensiv mitgewirkt. Ernüchtert müsse der mit 4000 Mitgliedern grösste Lehrpersonalverband der Zürcher Volksschule feststellen, dass von den Ergebnissen der Arbeitsgruppen am Schluss kaum etwas übrig bleibe.

Die Steuergruppe der Bildungsdirektion fälle immer wieder Entscheide, die den Resultaten aus den Arbeitsgruppen teilweise diametral gegenüberstünden. Der ZLV seit sich bewusst, dass nicht alle Anliegen der Lehrpersonenverbände umgesetzt werden könnten.

Er hätte aber erwartet, dass seine Mitarbeit, seine fachlichen Inputs aus dem Schulalltag und sein Engagement ernst genommen würden.

Der ZLV unterstützt laut Mitteilung grundsätzlich die Einführung des Lehrplans 21 im Kanton Zürich, aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Im Moment sei dies jedoch in keiner Art und Weise der Fall.

Falls sich an diesen "ungeeigneten Rahmenbedingungen" nichts mehr ändere, werde der ZLV die Einführung des neuen Lehrplans im Kanton Zürich nicht mehr unterstützen.

Bildungsdirektorin: Wünsche der Lehrerschaft nochmals anschauen

Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) bedauerte in einer ersten Stellungnahme den Entscheid des ZLV. Sie zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass "man sich noch finden werde". "Wir werden Lösungen suchen für die Punkte, bei denen die Lehrerschaft nicht zufrieden ist", sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Es gehe darum, einen guten Lehrplan zu formulieren, sagte Steiner. "Ich habe bereits veranlasst, dass man die Wünsche der Lehrerinnen und Lehrer noch einmal anschaut", sagte die Bildungsdirektorin. Bis jetzt habe man immer einen Konsens gefunden.

Steiner wies darauf hin, dass der Bildungsrat abschliessend über den Lehrplan befinde. Entschieden sei aber noch gar nichts. "Es gibt noch keine definitive Vorlage für die Vernehmlassung", sagte sie. Am 11. April werde der Bildungsrat die Vernehmlassung starten.

Mit Umsetzung von Lehrplan 21 zuwarten

Dass der Bildungsrat über den Lehrplan entscheidet, will eine kantonale Volksinitiative "Lehrplan vors Volk" ändern. Sie wurde unter anderem von SVP-, EDU- und EVP-Politikern lanciert.

Die Initiative verlangt, dass künftig das Kantonsparlament über den Lehrplan beschliessen muss und das Volk die Möglichkeit zum Referendum hat. Bis zum Volksentscheid über die Initiative solle mit der Umsetzung des Lehrplans 21 zugewartet werden, fordert das Initiativkomitee.

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