Mit dem Begriff Drohne ist Christoph Müller nicht ganz zufrieden. «Das Wort ist negativ belastet, wir sprechen lieber von fliegenden Kamerasystemen.» Später im Gespräch wischt er die Bedenken doch beiseite. Der Erfolg seines Unternehmens wird nicht von einem Wort abhängen, das längst in der Öffentlichkeit herumschwirrt.

Müller hat im letzten November an seinem Wohnort in Hinteregg den Schweizer Ableger der deutschen PHT Airpicture GmbH gegründet. Das Unternehmen schiesst für seine Kunden Drohnenbilder, dreht auf Wunsch Videos aus der Vogelperspektive und liefert sie geschnitten und vertont. Das Unternehmen ist in verschiedenen Ländern präsent und sucht Lizenznehmer für weitere Märkte.

Müller will den Luftraum in der Schweiz erschliessen. Sein Ziel ist es, innerhalb von drei bis vier Jahren ein System aufzubauen, mit dem er den gesamten Schweizer Markt abdecken kann. Zurzeit fliegt er selbst oder zieht bei Bedarf freie Mitarbeiter bei, längerfristig will er aber Arbeitsplätze schaffen. Erste Adresse sind für Müller Immobilienfirmen, die ihre Objekte aus der Vogelperspektive ins beste Licht rücken können. «Grundsätzlich ist das Anwendungsgebiet aber riesig.»

Die Stadtpolizei Zürich bestätigte vor Tagen, sie werde zwei «Multicopter» beschaffen. Die ferngesteuerten Modellhelikopter sollen mit ihren Kameras Bilder liefern, wenn es um die Schadensaufnahme nach Unfällen oder Bränden geht. Die Polizei behält sich den Einsatz auch bei Verbrechen vor. Keine Starterlaubnis gibt es dagegen bei Demonstrationen und Krawallen: In der Stadt Zürich ist der Einsatz von Modellluftfahrzeugen laut Verfügung «nur im Bereich unbebauter Areale zulässig».

Die Kapo hält sich zurück

Die Ausnahme bildet laut Polizeisprecher Marco Cortesi der General–Auftrag, einen Tatbestand aufzuklären. Seit die Stadtpolizei ihre Beschaffung bekannt machte, erhält auch die Medienstelle der Kantonspolizei zahlreiche Anfragen. Die offizielle Stellungnahme ist deshalb schnell zur Hand. Demnach «verfügt die Kantonspolizei zurzeit nicht über Drohnen, kann für Aufgaben in der Luft aber auf Helikopter zugreifen», wie Mediensprecher Stefan Oberlin sagt. Dass Drohnen bald auch bei der Kantonspolizei zum Einsatz kommen, ist nicht auszuschliessen. «Selbstverständlich verfolgen wir die weitere Entwicklung.»

Noch fliegen Drohnen in der Schweiz in einer Grauzone. Die Regelung in der Stadt Zürich ist ein Sonderfall, auch wenn Kantone und Gemeinde dies ändern könnten. Bis es so weit ist, behindert die Rechtslage Müllers Start als Unternehmer kaum. Die landesweiten Regeln für die Nutzung von Drohnen sind in der Verordnung über Luftfahrzeuge besonderer Kategorien festgehalten: Für Fluggeräte mit einem Gewicht bis 30 Kilogramm ist keine Bewilligung nötig. Verboten ist das Fliegen in überwachtem Luftraum und ausserhalb der Sichtweite. Die Abbildung von Gebäuden oder Personen ist durch die Bestimmungen des Persönlichkeitsrechts geregelt: Ohne Einwilligung der Betroffenen ist sie nicht rechtens.

Um seine Drohne zu beherrschen, übte Müller nach eigenen Angaben mehrere Wochen: Während zweier Jahre wohnte er mit seiner Partnerin auf Mallorca. Dort lernte er PHT-Gründer Helmut Himmighofen kennen. «Er suchte Piloten, und ich fühlte mich als ehemaliger Lehrling im Fotofachhandel angesprochen.» Zu tun habe er nach seiner Zusage genug gehabt. Müller entschloss sich, nach der Rückkehr in die Schweiz weiter für das Unternehmen zu arbeiten. Andere Anbieter arbeiten zu zweit – der eine steuert, der andere schiesst die Bilder. Müller führt seine fliegende Kamera allein aus. «Damit habe ich auch kostenmässig einen Vorteil.» Für ein fertiges Video von ein oder zwei Minuten Länge verlangt er 3000 bis 4000 Franken. «Das ist im Vergleich günstig. Die Konkurrenz verlangt deutlich mehr. Aber ich taste mich noch an die Preisgestaltung heran.»

«Datenschutz ist ein Thema»

Alleinunternehmer Bruno Bieri aus Emmen LU erstellt Websites für seine Kunden. Seit einem Jahr bietet er auch Luftaufnahmen an. «Für jedes Projekt verrechne ich etwa 500 Franken», sagt er. Bieri liefert dem Kunden allerdings keine fertigen Bildstrecken oder Videos; er überlässt ihnen das Rohmaterial zur weiteren Bearbeitung. Bislang hat er vier Aufträge ausgeführt. «Ein Vollzeitjob ist die Drohnenfotografie nicht. Aber ich will in Zukunft stärker dafür werben.»

Die Zahl der kommerziellen Anbieter nimmt laut Bieri zu. Wie erfolgreich sie seien, könne er nicht einschätzen. Aber er sieht Potenzial. «Wenn jemand voll darauf setzt und ein gutes Werbekonzept hat, kann daraus etwas werden.» Wie Müller hat auch Bieri bei Immobilienfirmen ein Bedürfnis nach Aufnahmen aus der Luft ausgemacht. «Ich habe zudem festgestellt, dass sie kein Interesse haben, sich das Know-how selbst anzueignen.»

Neben Immobilienhändlern will Müller seinen Kundenstamm längerfristig auf Betrieben aus der Tourismusbranche oder auf Gemeindeverwaltungen aufbauen. «Bisher sind gerade Gemeindevideos eher statisch», findet er. «Der Vorteil fliegender Kamerasysteme ist, dass wir sehr nah an Gebäude rankommen und ungewohnte Perspektiven einnehmen können – zum Beispiel in Form von Bildern aus Häuserschluchten.» Die Nähe ist gleichzeitig der grösste Vorbehalt gegen den Einsatz von Drohnen. Wenn die Geräte in Häuserschluchten eindringen, sind sie von der Privatsphäre ihrer Bewohner nicht weit entfernt.

«Der Datenschutz ist ein grosses Thema», weiss er. «Die Drohne weckt natürlich Reaktionen. Die Leute wollen wissen, was ich da genau mache. Es ist wichtig, das Gespräch zu suchen. Wenn ich meine Arbeit und mein Gerät vorstelle, kann ich Zweifel ausräumen.» Müller versichert, dass er die Privatsphäre der Leute schützt. «Ich mache keine Aufnahmen von Gesichtern in Privaträumen.» Alles, was in irgendeiner Weise Personen schädigen könnte, werde verpixelt.

Technisch sieht Müller keine Risiken im Einsatz von Drohnen. «Es gibt Sicherheitsmechanismen: Sobald ein Defekt an meinem Modell vorliegt, erhalte ich eine Meldung und lande. Das Gerät fliegt übrigens auch weiter, falls einer der Rotoren ausfällt.»

Negative Grundhaltung

Diese Eigenschaft allerdings ist mangels gesetzlicher Regelungen kein festgelegter Standard. Bieri kann sich vorstellen, dass sich das in nächster Zeit ändert. «Drohnen wecken das Interesse der Leute. Wenn ich in die Luft gehe, gibt es einen Menschenauflauf. Und die Grundhaltung der Leute ist sehr negativ.» Es sei nicht auszuschliessen, dass der öffentliche Druck für schärfere Vorschriften zunehme. «Der Luftverkehr kann zum Problem werden», sagt auch Müller. Für ihn seien strengere Gesetze kein Hindernis. «Ich denke, es ist ein Vorteil für die Branche, wenn es Regeln gibt, an die sich alle halten.»