Beat Walti zeigt sich in Festlaune: «Wir werden sicher die eine oder andere Flasche entkorken», sagt der Präsident der FDP Kanton Zürich, als sich das Wahlresultat abzeichnet. Acht zusätzliche Sitze im Kantonsrat hat die FDP am Ende des gestrigen Wahltags errungen. Der Zürcher Freisinn feiert damit nach jahrzehntelangem Niedergang auf kantonaler Ebene ein triumphales Comeback.

Und er verhilft dem traditionellen Bürgerblock von SVP, FDP und CVP im Alleingang zur absoluten Mehrheit von 94 Sitzen im 180-köpfigen Parlament. Die SVP bleibt unverändert mit 54 Sitzen stärkste Partei. Die CVP, die vor vier Jahren einen Absturz in der Wählergunst erlebt hatte, bleibt mit 9 Sitzen stabil.

Im Kantonsrat verschiebt sich das Machtverhältnis von grün zu bürgerlich. Grosse Profiteurin ist die FDP.

Im Kantonsrat verschiebt sich das Machtverhältnis von grün zu bürgerlich. Grosse Profiteurin ist die FDP.

Die grossen Verlierer der Wahl sind die Grünen: Sie büssen 6 Sitze ein und haben neu nur noch deren 13. Verstärkt wird die Niederlage der Grünen durch den Verlust des Regierungsratssitzes von Martin Graf an Silvia Steiner (CVP). Zwar legt die SP, mit 36 Sitzen weiterhin zweitstärkste Partei, leicht zu, und auch die Alternative Liste (AL) steigert sich von 3 auf 5 Sitze.

Doch insgesamt ist das linksgrüne Lager von SP, Grünen und AL deutlich geschwächt. Da auch die GLP nach ihrem kometenhaften Aufstieg vor vier Jahren nun massiv Wähler verloren hat, lässt sich sagen: Der Kanton Zürich ist noch bürgerlicher geworden – und deutlich weniger ökologisch.

Veränderte Grosswetterlage

In der Interpretation des Wählerwillens sind sich die Parteispitzen einig: Die politische Grosswetterlage hat sich geändert. Wirtschaftliche Themen sind in den Vordergrund gerückt, ökologische in den Hintergrund. War bei den Wahlen 2011 vor allem vom «Fukushima-Effekt» die Rede, so kreisen die Politiker-Statements jetzt um die Frankenstärke und die damit verbundene Angst um Arbeitsplätze und Wohlstand.

Wahlsieger Walti sagt: «Die Leute machen sich heute wieder mehr Gedanken darüber, was die Basis des Erfolgs unseres Landes ist. Und da sind wir mit den wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Grundsätzen, die wir seit langem verfolgen, gut positioniert.»

Handkehrum ist für Marionna Schlatter, Präsidentin der Grünen des Kantons Zürich, klar: «Die Grünen haben es nicht geschafft, zu erklären, dass sie sehr wohl auch zum Thema Arbeitsplätze etwas zu sagen haben: Die Energiewende ist eine grosse Chance für die Wirtschaft, und sich aus der Abhängigkeit vom Erdöl aus dem Ausland zu lösen, brächte Arbeitsplätze.» Aber eben: Die politische Grosswetterlage sei derzeit anders.

Ähnlich erklärt Thomas Maier, Kantonalpräsident der GLP, die Schlappe der Grünliberalen: Es sei der GLP zu wenig gelungen, ihre finanz- und wirtschaftspolitischen Kompetenzen aufzuzeigen. «Aber immerhin sind wir noch stärker als vor acht Jahren», sagt Maier. Damals gelang der GLP erstmals der Einzug in den Kantonsrat.

Wird der Kanton Zürich in den kommenden vier Jahren nun einseitig vom Bürgerblock regiert, nachdem seit 2011 oft GLP und BDP das Zünglein an der Waage waren? Philipp Kutter, Fraktionschef der CVP im Kantonsrat, wiegelt ab: Es werde immer noch wechselnde Mehrheiten geben. «Die BDP brauchen wir jetzt aber nicht mehr.» Auch, dass der Kantonsrat nun weniger ökologisch sei, relativiert Kutter: «Die Energiewende ist ja inzwischen mehrheitsfähig.»

Markus Späth, Fraktionschef der SP, betont, es sei die FDP gestärkt worden, nicht das bürgerliche Lager. Dies, nachdem die SVP den serbelnden Freisinn jahrzehntelang vor sich hergetrieben habe. «Das lässt hoffen, dass die FDP jetzt wieder selbstständiger wird», sagt Späth. «In bildungs-, sozial- und gesellschaftspolitischen Fragen rechne ich mit dem echt liberalen Flügel der FDP.» Die SP sei angesichts ihres Sitzgewinns zufrieden, aber keineswegs euphorisch, da er zulasten der Grünen ging.

Die SVP wiederum hält in ihrem Communiqué fest, sie werde sich als grösste bürgerliche Kraft dafür einsetzen, «dass die versprochenen bürgerlichen Anliegen in den nächsten vier Jahren konsequent umgesetzt werden.»