Renaturierung

Biberspuren vor den Toren Zürichs gesichtet

Der Biber ist entlang der Limmat auf dem Vormarsch.Karin Schlatter

Der Biber ist entlang der Limmat auf dem Vormarsch.Karin Schlatter

Die Rückkehr des Bibers ist eine politische Frage. Während sich der einst fast ausgestorbene Biber im Kanton Zürich weiter ausbreitet, stellen bürgerliche Politiker die Kostenfrage.

Der Vormarsch des Bibers entlang der Limmat geht weiter: Zuletzt wurden der kantonalen Biberfachstelle vor gut zwei Wochen Biberspuren aus Oberengstringen gemeldet, wie Alice Bosshard, stellvertretende Leiterin der Fachstelle, auf Anfrage sagt. Damit ist das grösste Nagetier Europas bis vor die Tore Zürichs zurückgekehrt.

Die Limmat ist das bislang letzte grössere Fliessgewässer im Kanton Zürich, in dem sich der Biber wieder anzusiedeln scheint. Aus dem Aargau kommend, fanden Biber seit 2012 flussaufwärts den Weg bis nach Geroldswil, Weiningen, Dietikon sowie Unterengstringen. Und jetzt also bis Oberengstringen.

Ob es sich dabei tatsächlich um ein neues Biber-Revier handelt oder ob der schwimmende Holzfäller nur mal kurz vorbeischaute, wird das nächste kantonale Biber-Monitoring zeigen. Es findet im Winter 2016/17 statt.

Bosshard geht davon aus, dass die Zürcher Biberbestände weiter zunehmen. Anzeichen von neuen Revieren hätten sich in den letzten Jahren gehäuft. Neben der Limmat zähle der Greifensee mit seinen Nebengewässern zu den potenziellen Biber-Wachstumsgebieten.

In den grössten Zürcher Bibergebieten entlang der Thur und des Rheins seien die guten Reviere bereits besetzt. Allerdings gebe es hier, wie auch am Greifensee, noch Wachstumspotenzial in Nebengewässern.

Ob die Rückkehr der Biber sich fortsetzt, ist auch eine politische Frage. Denn noch immer stehen den Bibern in Gewässern wie der Töss, der Sihl und der Reppisch bauliche Hindernisse im Weg. Und dies, obwohl die Kantone seit der 2011 in Kraft getretenen Revision des Gewässerschutzgesetzes verpflichtet sind, für die Revitalisierung von Gewässern zu sorgen. Dies hielt der Zürcher Regierungsrat kürzlich in seiner Antwort auf eine kantonsrätliche Anfrage fest.

Die Kantonsräte Martin Farner (FDP, Oberstammheim), Michael Biber (FDP, Bachenbülach) und Martin Hübscher (SVP, Wiesendangen) hatten sich nach den Kosten von Biberschäden erkundigt. Immer wieder komme es zu massiven Stauungen und Überflutungen von Feldern, Wald und Wiesen, monieren die bürgerlichen Kantonsräte, die aus der biberreichen nördlichen Kantonshälfte stammen. Auch gewässernahe Wege würden unterspült und so zur gefährlichen Falle – und zum Kostenfaktor für Gemeinden.

Wenn der Staat Biber schütze, müsse er auch die von ihnen verursachten Schäden begleichen, fordern Farner, Biber und Hübscher.

57 000 Franken in fünf Jahren

Laut dem Zürcher Regierungsrat summierten sich die seit 2012 dem Kanton von Gemeinden gemeldeten Biberschäden auf gut 57 000 Franken. Einen Viertel davon habe der Kanton aus seinem Wildschadenfonds beglichen. Zudem investiere er jährlich 60 000 bis 70 000 Franken in Schadensprävention, etwa durch Niveauregulierung von Biberdämmen sowie in Reparaturen von Infrastrukturschäden bei Flurweg- und Dammsanierungen – Tendenz leicht steigend.

Die Biber-Kostenfrage beschäftigt auch die nationale Politik: Eine Thurgauer Standesinitiative verlangt, dass Bund und Kantone für Infrastrukturschäden durch Biber aufkommen. Der Nationalrat hat der Initiative zugestimmt, der Ständerat abgelehnt. Nun geht es in eine zweite Runde.

Die Biber kratzt dies nicht. Sie nagen weiter. 306 der zotteligen Tiere gab es kantonsweit beim letzten Bibermonitoring, das vor drei Jahren durchgeführt wurde. Biberfachfrau Bosshard plädiert dafür, auch ihren Nutzen zu sehen: «Der Biber macht gratis Renaturierungen, für die man sonst Millionen ausgibt.»

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