Zürich

Biber lieben Zuckerrüben: Deshalb haben betroffene Landwirte Anspruch auf Entschädigung

Biber fällen Bäume, um an Zweige und Knospen zu gelangen. Dagegen sind Zuckerrüben für sie kräfteschonender zu haben.

Biber fällen Bäume, um an Zweige und Knospen zu gelangen. Dagegen sind Zuckerrüben für sie kräfteschonender zu haben.

Liegen Felder mit Zuckerrüben nahe an Bächen, lässt sich der Biber nicht zweimal bitten: Er mag die ­zuckerhaltigen, energiereichen Rüben. Betroffene Landwirte haben Anspruch auf Entschädigung.

Biber haben markante Vorderzähne. Die brauchen sie auch, wenn sie dicke Bäume fällen – eindrücklich sind die Nagespuren im Holz. Die scharfen Biberzähne wachsen ständig nach und sind auf der Vorderseite orange gefärbt. Der Grund für die Färbung des Zahnschmelzes ist das Eisenoxid, das die Zähne sehr hart macht. Doch der Biber nagt nicht nur an Holz. Seine Futterpalette reicht von Baumrinden über zarte Zweige, Sprossen, krautige Pflanzen, Blätter und Gräser – bis hin zu Zuckerrüben.

Das zeigte sich kürzlich an der Kantonsgrenze zum Thurgau bei Thalheim an der Thur: In einem saftig-grünen Zuckerrübenfeld fand der Bauer braune, kahle Stellen. Einzelne Rüben lagen ausgegraben auf dem Erdboden, teils angenagt. Eine dreckige Schleifspur führte vom Acker über einen Kiesweg durch das Grasbord hinab zum Bach – und da war das «Diebesgut»: Zuckerrüben schwammen im Wasser, mit Kraut und Rüben.

Biberspuren bei Zuckerrübenfeldern in Bachnähe entdeckt man in der Region ab und an. «Zuckerrüben sind bei Bibern beliebt», bestätigt Isabelle Rüegg, Mediensprecherin der kantonalen Baudirektion. Kein Wunder: Die Rüben enthalten ja Zucker und somit viel Energie.

Frass und Rückstau kosten 2600 Franken

Schäden an Zuckerrüben werden, wie an anderen landwirtschaftlichen Kulturen auch, entschädigt. Der Kanton Zürich hat dafür zwei Schadenschätzer. Bei ihrer Arbeit stützen sie sich auf eine Wegleitung für die Schätzung von Kulturschäden des Schweizerischen Bauernverbandes.

Letztes Jahr betrug der Schaden bei Zuckerrüben durch Biber im Kanton Zürich rund 2600 Franken. In diesem Betrag sind allerdings nicht bloss Schäden durch Frass enthalten: Staut ein Biber einen Bach durch einen Damm, kann dies in Entwässerungsleitungen in angrenzenden Äckern zu einem Rückstau von Wasser führen, sodass die Felder vernässen. Das kann landwirtschaftliche Kulturen verfaulen lassen.

«Diebesgut» auf dem Weg zum Bach verloren: Eine vom Biber ausgegrabene und angenagte Zuckerrübe.Bild: Markus Brupbacher

«Diebesgut» auf dem Weg zum Bach verloren: Eine vom Biber ausgegrabene und angenagte Zuckerrübe.Bild: Markus Brupbacher

Durch eine solche Vernässung verursachte der Biber 2019 an Kartoffeln und Mais kantonsweit Schäden in der Höhe von etwa 17'000 Franken. Ein Jahr zuvor lag die Schadenssumme nur bei 703 Franken, davon 451 an Zuckerrüben. 2017 betrugen die Schäden 3072 Franken, davon 1100 bei den Rüben. «Worauf diese grossen Differenzen zurückzuführen sind, kann nicht beurteilt werden», sagt Rüegg.

Elektrische Zäune halten den Biber fern

Wie beurteilt der Kanton die Schäden an Zuckerrübenkulturen durch Biber insgesamt? «Die Schäden sind leicht», bilanziert Rüegg. Und es gibt eine legale Abwehrmassnahme, um Frassschäden zu verhindern. Und zwar niedrige, stromführende Zäune. Es sind die gleichen Elektrozäune, die landwirtschaftliche Kulturen auch vor Wildschweinen schützen.

Übrigens: Wenn Biber Baum­stämme fällen, dann fressen sie nicht etwa die abgenagten Holzspäne. Die Arbeit ist für sie nur der Weg zum Ziel. Sie fällen den Baum – weil sie ja nicht klettern können –, um an die fressbaren Zweige, Blätter und Knospen zu gelangen. Die dickeren Äste verwenden sie für den Bau der Dämme und Biberburgen. Einen ganzen Baum zu fällen, um an die fressbaren Zweige zu gelangen, kostet den Biber also einiges an Energie – da ist eine ebenerdige, zuckerhaltige Rübe natürlich kräftesparender zu haben.

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