Zürich
Bezirksgericht spricht Studentin frei – trotz «strohbohnenblödem» Verhalten

Sie und ihre beiden Kollegen hätten ein wirklich "strohbohnenblödes Verhalten" an den Tag gelegt, hat der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich am Mittwoch einer 23-Jährigen vorgehalten. Er sprach sie jedoch vom Vorwurf, an einer gewalttätigen Demonstration mitgemacht zu haben, frei und gewährte ihr eine Entschädigung.

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Die Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. (Archiv)

Die Angeklagte musste sich vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. (Archiv)

Keystone

Der Fall geht auf eine unbewilligte Demo des revolutionären Aufbaus in der Nacht vom 29. auf den 30. April 2016 in Zürich zurück, bei der es zu Sachbeschädigungen und gewalttätigen Ausschreitungen gekommen war. Gemäss dem Staatsanwalt hatte die Beschuldigte dort mitgemacht. Die Anklage lautete auf Landfriedensbruch sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte und Behörden.

Die Polizei habe sie zur Tatzeit beim Tatort mit einer blutenden Handverletzung und mit "als Vermummungsmaterial geeigneten Dingen" angetroffen, sagte der Richter. Verständlich, dass man sie verhaftet habe. Dass sie zudem sowohl bei der polizeilichen Befragung als auch gegenüber dem Staatsanwalt die Aussage verweigert habe, sei Grund genug gewesen, sie am Tag des 1. Mai noch in Haft zu behalten.

Allerdings wäre es auch angezeigt gewesen, die Indizien besser abzuklären, als das getan worden sei, räumte der Richter ein. Damit hätten einige wichtige Details geklärt werden können. Die Beschuldigte verneinte vehement, an der Demo teilgenommen zu haben. Ihre Schilderungen an der Hauptverhandlung waren für den Richter nachvollziehbar. Jedenfalls seien sie nicht widerlegt. Er hoffe, er irre sich nicht - "eventuell haben Sie mich aber auch brandschwarz angelogen", sagte er.

Vor den Schranken stand eine zierliche Studentin mit gepflegtem Kurzhaarschnitt, dunklem Jupe und karierter Jacke. Aufgewachsen an der Zürcher Goldküste, lebt sie heute in einer WG im Kreis 5.

Von Demo überrascht

Gemäss ihren Aussagen war sie an jenem Abend mit zwei Freunden unterwegs in den Ausgang. In einem Turnbeutel hatte sie Mütze und Schal dabei - der Abend sei kühl gewesen und sie sei ein "Gfrörli".

Als ihnen der Demonstrationszug entgegenkam, zogen sie sich an eine Hauswand zurück und wollten warten, bis der Zug vorbei sei. Da sei plötzlich ein rauchender Feuerwerkskörper vor ihren Füssen gelandet. Reflexartig habe sie ihn ergriffen und wegwerfen wollen, als er auch schon in ihrer Hand explodierte. Das Trio eilte in ein nahes Café und rief die Sanität, mit der auch die Polizei kam.

"Blöder geht nicht"

Der Richter hatte merklich Mühe, zu verstehen, dass die drei erstens nicht weggingen, als die Demo kam, und dass die junge Frau zweitens den Knallkörper mit der Hand packte. Er sagte das auch unverblümt: "Blöder verhalten hätte man sich nicht können".

Auch mit ihrem Schweigen gegenüber der Polizei hätten die drei "ein strohbohnenblödes Verhalten" gezeigt, sagte der Richter. Während das Verfahren gegen die beiden Freunde eingestellt wurde, musste sich die junge Frau vor Gericht verantworten. Auch wenn sie jetzt freigesprochen werde - "einen Lehrplätz" habe sie wahrscheinlich doch aus der Geschichte gezogen.