Zürich
Bezahlte "Licht-Pausen": Gewerkschaft kritisiert verschleppte Umsetzung

Verkäuferinnen und Verkäufer, die ohne Tageslicht arbeiten müssen, haben Anrecht auf zusätzliche, bezahlte "Licht-Pausen". Dies entschied das Zürcher Verwaltungsgericht im Oktober 2013. Mit der Umsetzung hapert es aber noch, wie die Unia kritisiert.

Merken
Drucken
Teilen
Im ShopVille am Zürcher HB sind alle Geschäfte vom Urteil der Zürcher Justiz betroffen. Bezahlte Licht-Pausen sucht man bisher dennoch vergebens. (Archiv)

Im ShopVille am Zürcher HB sind alle Geschäfte vom Urteil der Zürcher Justiz betroffen. Bezahlte Licht-Pausen sucht man bisher dennoch vergebens. (Archiv)

Siggi Bucher

Das Urteil ist seit dem 25. November 2013 rechtskräftig: Die Migros-Angestellten im Zürcher Shop-Ville haben das Recht, pro Tag 40 Minuten bezahlte "Licht-Pausen" einzulegen. Die Detailhändlerin hatte sich während Jahren gegen die Bezahlung dieser Pausen gewehrt.

Vollständig umgesetzt ist die neue Pausen-Regelung bis heute aber nicht. Viele Verkäuferinnen arbeiteten immer noch ohne die vorgeschriebenen bezahlten Pausen, sagte Unia-Sprecher Lorenz Keller auf Anfrage der sda.

Die Gewerkschaft ärgert sich darüber, dass die Migros monatelang auf Zeit spiele und dabei Kosten spare, statt das Urteil schnell umzusetzen. Die bezahlten "Licht-Pausen" in der unterirdischen Filiale kosten die Migros zusätzliche 750'000 Franken pro Jahr.

Untätigkeit will man sich bei der Migros Zürich aber nicht vorwerfen lassen. Man sei seit November 2013 mit der aktiven Umsetzung beschäftigt, hiess es auf Anfrage. Es würden laufend Optimierungen der Einsatzpläne durchgeführt, damit der Zugang zu Tageslicht gewährleistet sei.

300 Verkäuferinnen fordern Umsetzung des Urteils

Die Migros ist allerdings nicht das einzige Unternehmen, das vom Gerichtsurteil betroffen ist. Auch die anderen Ladenbetreiber im Shop-Ville werden durch das Urteil eigentlich dazu verpflichtet, ihren Angestellten bezahlte "Licht-Pausen" zu gewähren.

Umgesetzt wurde das Gerichtsurteil aber auch bei anderen Firmen im Bahnhofs-Shoppingcenter noch nicht. Die Unia lancierte deshalb eine Petition, die am Mittwoch der Cityvereinigung übergeben wurde. Rund 300 Angestellte, die im Shop-Ville arbeiten, fordern darin die rasche Umsetzung des Gerichtsentscheids.

Als Vertreter der Zürcher Geschäfte stehe die Cityvereinigung in der Pflicht, sich bei ihren Mitgliedern für die Durchsetzung des Urteils einzusetzen, schreibt die Unia in einer Mitteilung.

Seco -Vorgaben werden eingehalten

Auch wenn es mit der Umsetzung bis jetzt hapert: Das Urteil könnte Auswirkungen auf die gesamte Branche haben. Im Detailhandel müssen viele Angestellte ohne Tageslicht auskommen, vor allem in grossen Läden und in Einkaufszentren.

Die meisten Akteure halten sich in diesem Zusammenhang an die Empfehlungen des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco). Diese sind allerdings deutlich arbeitgeberfreundlicher gestaltet als das Urteil aus dem Kanton Zürich.

Das Seco hält zusätzliche Pausen bei Arbeit ohne Tageslicht zwar ebenfalls für nötig. Allerdings müssten diese nicht bezahlt werden.