Zürich

Bezahlbare Kinderbetreuung — wie viel ist das dem Kanton wert?

Soll sich die Fremdbetreuung von Kindern künftig steuertechnisch mehr lohnen? Ja, findet eine breite Allianz. (Symbolbild)

Soll sich die Fremdbetreuung von Kindern künftig steuertechnisch mehr lohnen? Ja, findet eine breite Allianz. (Symbolbild)

Eine breite Allianz dürfte im Kantonsrat höheren Steuerabzügen für Kinderbetreuung zum Durchbruch verhelfen.

Eltern, die ihre Kinder in einer Kita betreuen lassen, um einer Arbeit oder Ausbildung nachzugehen, können dafür einen Abzug vom steuerbaren Einkommen geltend machen. Dieser beträgt maximal 10'100 Franken pro Kind. Bei rund 120 Franken Vollkosten für einen Betreuungstag reicht das für ungefähr zwei Tage die Woche.

Ein Ende September im Kantonsrat eingereichter Vorstoss fordert, den Abzug auf 20'000 Franken zu erhöhen. «Die familienexterne Kinderbetreuung muss endlich bezahlbar werden, sodass beide Elternteile einer Arbeit nachgehen können», sagt Kantonsrätin Sylvie Matter (SP, Zürich), Mitunterzeichnerin des Vorstosses. Für viele Eltern ist die Situation heute so, dass ein Zweiteinkommen zu grossen Teilen für Betreuungskosten und Steuern aufgewendet werden muss. Mehr zu arbeiten lohnt sich somit kaum.

Der Regierungsrat spricht sich in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf die Motion gegen diese Massnahme aus. Er will erst einmal abwarten, was auf Bundesebene diesbezüglich geschieht. Das Parlament in Bern hat einer Erhöhung des Abzugs zugestimmt, die SP hat jedoch das Referendum ergriffen, womit es voraussichtlich zu einer Volksabstimmung kommen wird. «Die Situation bei den Bundessteuern ist eine ganz andere. Dort würden vor allem Reiche profitieren. Beim kantonalen Abzug geht es um den Mittelstand», sagt Matter.

FDP fühlt sich geehrt, dass ihre Idee kopiert wird

Der Vorstoss ist einer von dreien, den die Kantonsratsmitglieder von SP, AL, Grüne, EVP und GLP im Kantonsrat eingereicht haben. Die Parteien verfügen im Rat über eine Mehrheit. Aber auch die FDP wird wohl mitziehen, obwohl der Vorstoss in der Fraktion formell noch nicht besprochen wurde, sagt Fraktionschefin Beatrix Frey-Eigenmann auf Anfrage. «Ein fast identischer Vorstoss von uns wurde noch im April, in alter Zusammensetzung des Kantonsrats, knapp abgelehnt», sagt sie. Dies auch mit Stimmen von AL und EVP, die nun Mitunterzeichner des Vorstosses seien. «Aber es ehrt uns natürlich, kopiert zu werden», sagt Frey-Eigenmann.

Skeptischer ist sie, was den zweiten Vorstoss aus dem Paket betrifft, zu dem der Regierungsrat kürzlich ebenfalls ablehnend Stellung bezogen hat – denjenigen zur Einführung von kantonalen Betreuungsgutscheinen.

Sollen auch Gutscheine verteilt werden oder nicht?

Die Betreuungsgutscheine sollen die externe Kinderbetreuung vergünstigen. Die Höhe der Gutscheine wäre abhängig vom Einkommen der Eltern. «Betreuungsgutscheine finden wir grundsätzlich gut, der Vorstoss steht aber etwas quer in der Landschaft, weil er massiv in die vor einigen Jahren vereinbarte Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden eingreifen würde», sagt Frey-Eigenmann.

«Auf dem Land kann man es sich teils kaum leisten»

«Es gibt einfach zu viele Gemeinden, die keine Kitaplätze mitfinanzieren. Die Folge ist, dass man es sich auf dem Land teils kaum leisten kann, Kinder fremdbetreuen zu lassen», sagt Matter. Die Betreuungsgutscheine müssten aber so eingeführt werden, dass die Stadt Zürich ihr Subventionsmodell, das auf einem anderen Ansatz beruht, weiterführen könnte.

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