Dübendorf

Betreibungsamt erwartet bei Zwangsversteigerung eine Rekordsumme: 64 Millionen

Die beiden Grundstücke, um die es geht, waren Teil intensiver politischer Auseinandersetzungen. (Archivbild)

Die beiden Grundstücke, um die es geht, waren Teil intensiver politischer Auseinandersetzungen. (Archivbild)

Der Leiter des Dübendorfer Betreibungsamts spricht von zwei Grundstücken mit insgesamt 35000 Quadratmetern. 2014 wurde deren Wert auf total 60,16 Millionen Franken geschätzt, aktuell sind es dank dem inzwischen geltenden Gestaltungsplan mehr als 64 Millionen Franken.

«Es kommt in der Schweiz nicht oft vor, dass es bei einer betreibungsrechtlichen Grundstücksversteigerung um eine dermassen hohe Summe geht», sagt Markus Zöbeli. Der Leiter des Dübendorfer Betreibungsamts spricht von zwei Grundstücken mit insgesamt 35000 Quadratmetern. 2014 wurde deren Wert auf total 60,16 Millionen Franken geschätzt, aktuell sind es dank dem inzwischen geltenden Gestaltungsplan mehr als 64 Millionen Franken. Die Versteigerung ist auf den 29. Januar 2020 angesetzt.

Die beiden Grundstücke, um die es geht, waren Teil intensiver politischer Auseinandersetzungen. Auf dem einen wollte der Unternehmer Angelo Labate mit seiner Firma K-Werkstatt eine Überbauung mit einem 114 Meter hohen Wohn- und Gewerbehaus und mehreren Nebengebäuden mit gesamthaft 47'000 Quadratmetern Nutzfläche realisieren – lange bevor es mit dem Hochhausboom in Dübendorf West losging. Auf dem kleineren der beiden Grundstücke hätte ein Park angelegt werden sollen. Von Investitionskosten von 550 Millionen war damals die Rede.

Ein Nein und ein Prozess

Doch den Gegnern war der Turm zu hoch und der Wohnanteil von 40 Prozent zu tief. Sie ergriffen das Referendum und brachten den Gestaltungsplan 2011 an die Urne. Kurz vor der Abstimmung wurde bekannt, dass gegen die Firma K-Werkstatt hohe Betreibungen liefen; Finanzvorstand Martin Bäumle (GLP) hatte den entsprechenden Auszug aus dem Betreibungsregister an einen Lokaljournalisten weitergegeben.

Am Ende stimmten die Dübendorfer gegen das Vorhaben, und Bäumle wurde vom Dübendorfer SVP-Gemeinderat Orlando Wyss wegen Amtsgeheimnisverletzung angezeigt. Der Streit endete vor dem Bundesgericht mit einem Freispruch.

In der Zwischenzeit hatte die Firma K-Werkstatt ihre Pläne angepasst, die Höhe des Wohn- und Gewerbeturms auf 85 Meter reduziert und den minimalen Wohnanteil auf 50 Prozent angehoben. Der neue Gestaltungsplan wurde im Februar 2015 vom Dübendorfer Gemeinderat gutgeheissen. Er trat Anfang 2016 in Kraft.

Doch ein Baugesuch wurde nie eingereicht. 2017 zitierte der «Tages-Anzeiger» aus Gerichtsakten, wonach die Inhaberfirma K-Werkstatt Baumanagement AG wegen der zwei betreffenden Grundstücke betrieben werde. Gläubiger waren die Bank, von der sie sich das Geld für den Landkauf geliehen hatte, und eine weitere Firma, die der K-Werkstatt ein Darlehen gewährt hatte.

Mit Gestaltungsplan ist das Land mehr wert

Ein Zwangsverwertungsverfahren wurde eingeleitet, doch gemäss «Tages-Anzeiger» zögerte die Firma K-Werkstatt das Verfahren immer wieder mit juristischen Interventionen hinaus. Laut Gerichtsakten wollte die Firma die öffentliche Versteigerung verhindern, bis der Gestaltungsplan rechtskräftig ist. Der Grund: So ist das Land mehr wert.

Die Forderungen auf den beiden Grundstücke sollen sich auf rund 20 Millionen Franken belaufen. Nach der Versteigerung dürfte also noch ein grösserer Betrag übrig bleiben – selbst wenn man die gesetzlich angeordneten Verzugszinsen einrechnet.

«Es würde mich nicht überraschen, wenn die Steigerungssumme am Ende noch höher wäre als der Schätzwert von 64,2 Millionen Franken», so Betreibungsamtsleiter Zöbeli. Dies wegen des anhaltenden Baubooms. Und weil Liegenschaften in Zeiten von Negativzinsen bei Investoren als Anlageobjekte beliebt seien.

Die Versteigerung in einem Restaurantsaal ist öffentlich, es gibt Sitzplätze für 90 Personen. Wer mitbieten will, muss eine Anzahlung von einer Million Franken leisten oder ein sogenanntes Zahlungsversprechen in derselben Höhe geben.
Zöbeli wird selber als Steigerungsleiter walten. Wegen der hohen Summe schaue er der Versteigerung mit grosser Spannung entgegen, sagt er. «Wenn ich daran denke, verspüre ich schon jetzt ein leichtes Kribbeln.»

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