Gleich unterhalb des Aussichtsturms beim Uto Kulm ereignete sich jüngst Wunderliches. Menschen, teils in Decken eingewickelt, ranken sich auf einem Drehstuhl sitzend und staunen nach oben, unten und dann blicken sie über die Schulter. Ihre Augen und Ohren halten sie von Brillen und Kopfhörern bedeckt. Erstaunlich, da man doch der Aussicht wegen erst die Üetliberg-Spitze aufsucht. Während eines Monats wurde hier ein Virtual-Reality- Kino veranstaltet. Vergangene Woche war Schluss und die Organisatoren zeigen sich zufrieden.

Genau 2'695 Personen haben das Open-Air-Kino innert dieses Monats besucht, wie Corina Oschwald von der Veranstalterin «VR Kino – We Are Cinema» auf Anfrage sagt. Pro Abend waren durchschnittlich 75 der 100 Plätze besetzt. Eine derart gute Auslastung dürfte den Mitgliedern des Naturschutzvereins Pro Üetliberg ein Dorn im Auge sein. Denn im Vorfeld zur Veranstaltung äusserten sie harsche Kritik. So seien die zu erwartenden Gäste zu belastend für das Naturschutzgebiet und die Nutzung des Geländes als Kino nicht konform mit dem Gestaltungsplan Uto Kulm. Dies monierten sie in einer Beschwerde von Ende Mai an den Stalliker Gemeinderat, der mit der Erteilung der Bewilligung betraut war.

Die Stalliker Baukommission entschied jedoch Ende Juni, lediglich wenige Wochen vor Start des VR-Kinos, dass die Veranstaltung nicht bewilligungspflichtig ist und somit durchgeführt werden kann. Doch kündigte Pro-Üetliberg-Präsidentin Margrith Gysel an, beim Kinobetrieb genau hinzuschauen, um künftige Veranstaltungen allenfalls zu verhindern.

Fragliche Notwendigkeit

«Wir stellen fest, dass die Bestimmungen des Gestaltungsplans verletzt worden sind», schreibt der Verein in einem aktuellen Brief an die Stalliker Baukommission, der dieser Zeitung vorliegt. Zum einen seien die Drehstühle und ein Bedienpult ausserhalb des Restaurantbereichs gestanden, wo eine Nutzung nicht erlaubt ist. Andererseits sei auf der Südseite des Turms eine grössere Anzahl von Stehtischen aufgestellt gewesen. Dort, wo im Gestaltungsplan eigentlich eine öffentlich zugängliche Fläche vorgesehen war.

Es sei zudem zweifelhaft, ob laut Gestaltungsplan solch ein Event zulässig sei, da das Aussenrestaurant in diesem Bereich der ausschliesslichen Nutzung des Gastgewerbebetriebs vorbehalten sei. «Der Verein Pro Üetliberg erachtet es als stossend, dass kurz nach Inkrafttreten des Gestaltungsplans darin enthaltene Festlegungen unterlaufen wurden», schreiben die Naturschützer weiter. So müsse man sich bewusst sein, dass jeder derartige Anlass, egal welcher Ausrichtung, nebst spezifischen Immissionen per se schon eine Umweltbelastung darstelle, wie Vereinspräsidentin Gysel sagt.

Er bringe grossen Zusatzverkehr durch Material- oder Spezialtransporte. «Zudem besteht überhaupt keine Notwendigkeit, Events, die ebenso gut in der Stadt stattfinden könnten, auf den ‹Üezig› durchzuführen – in einem Schutzgebiet von nationaler Bedeutung», so Gysel. Über das weitere Vorgehen im Hinblick auf eine allfällige Neuauflage im kommenden Jahr schweigt sich Gysel aus.

Angebot von Züri-Fäscht

Man haben nichts vom Verein Pro Üetliberg gehört, heisst es bei den Veranstaltern. «Dies war aber absehbar, da wir ja nichts Umweltschädliches gemacht haben», so Oschwald. Nebst dem, dass das Kino gut besucht wurde, habe man auch positives Feedback erhalten. Ob man im kommenden Jahr erneut eine solcher Veranstaltung durchführen wolle, stehe noch in den Sternen. «Für uns als Start-up war es ein sehr grosser Event. Solche Open Airs finden wir sehr spannend», so Oschwald. Im kommenden Jahr finde das Züri-Fäscht statt, für welches bereits eine Anfrage für die Durchführung eines Anlasses auf dem Tisch liege.