«Wir haben das Areal am Montagmorgen einigermassen aufgeräumt angetroffen», sagt Peter Wiederkehr, Einsatzleiter der Abteilung Entsorgung und Recycling der Stadt Zürich. Mit neun Leuten war er von 7.15 bis 12.30 Uhr auf dem Zürcher Binz-Areal im Einsatz, um die Überreste der illegalen Party vom Wochenende zu beseitigen. Die Besetzer hatten im Vorfeld auf einem Flugblatt versprochen, das Gelände aufgeräumt zu hinterlassen. Die Räumungsequipe fand einen Abfallberg von sieben Tonnen vor, allerdings relativ ordentlich und getrennt nach Materialien.

Sortiert, aber nicht abtransportiert: Binz-Besetzer hinterlassen bis zu vier Tonnen Abfall.

Sortiert, aber nicht abtransportiert: Binz-Besetzer hinterlassen bis zu vier Tonnen Abfall.

Stadt transportierte Abfall ab

Der Abtransport blieb aber an der Stadt hängen – zwei Container Glas sowie viel Stahl und Holz. Letzteres stammt von einer vor Ort zusammengezimmerten «Plastik». Die Kosten für die Aufräumarbeiten und den Abtransport beziffert Wiederkehr vorsichtig auf 5000 bis 10 000 Franken. Laut Polizeisprecherin Judith Hödl prüft die Stadt, ob die Kosten den Veranstaltern überwälzt werden können. Von rund 100 Besetzern nahm die Stadtpolizei die Personalien auf. Wie immer in solchen Fällen stellt sich dabei das Problem, die Kosten oder Teile davon einzelnen Personen zuzuordnen.

Fein raus bezüglich Kosten ist diesmal der Kanton, Besitzer des Areals. Als er am Samstagabend die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und weiterer allfälliger Delikte gegen unbekannt einreichte, verlangte er von der Stadtpolizei auch, die Personalien der Besetzer aufzunehmen – um Rückgriff auf die Abfallverursacher nehmen zu können. Das ist nun nicht nötig, weil die Stadt die Sache selbst an die Hand genommen hat. Bei der letzten Binz-Party blieben Aufräumkosten von rund 150 000 Franken am Kanton hängen.

Mit dem Fest wollten die Besetzer daran erinnern, dass auf der Binz einst «alternative Lebensformen und Kultur ohne Gewinnmaximierung» praktiziert werden konnten. Siggi Bucher/keystone

Mit dem Fest wollten die Besetzer daran erinnern, dass auf der Binz einst «alternative Lebensformen und Kultur ohne Gewinnmaximierung» praktiziert werden konnten. Siggi Bucher/keystone

Es war übrigens Baudirektor Markus Kägi (SVP) persönlich, der am Samstag anordnete, die Strafanzeige einzureichen, wie Sprecher Dominik Bonderer auf Anfrage sagt. «Wir verlangten die sofortige Räumung des Areals und die Aufnahme der Personalien der Besetzer.» Wie kommt es bei der Baudirektion an, dass die Polizei die Party trotz massiver Ruhestörung mit dem Argument duldete, eine Eskalation und damit grösseren Schaden zu verhindern? «Wir nehmen dies zur Kenntnis», sagt Bonderer, betont aber: «Unsere Forderung war, das Areal sofort zu räumen, daran gibt es nichts zu rütteln.» Auch im Nachhinein würde man dasselbe erneut verlangen, denn: «Wir als Eigentümer halten die Besetzung nach wie vor für komplett inakzeptabel.»

Zusammen mit der Stadt denke der Kanton nun über Massnahmen nach, um solche Aktionen in Zukunft zu verhindern. «Alle Beteiligten sind sich einig, dass so etwas nicht mehr vorkommen darf.» Das Binz-Areal, auf dem die Stiftung Abendrot eine Wohnsiedlung bauen will, war umzäunt, zum Teil mit Stacheldraht. «Es war massive Gewalt nötig, um überhaupt aufs Areal zu gelangen», hält Bonderer fest. Der Zaun werde wieder hergestellt. Die Stadtpolizei prüft nun, ob das Areal bewacht werden soll.

Können Besetzer machen, was sie wollen? Ladenbesitzer ist hässig.

Können Besetzer machen, was sie wollen? Ladenbesitzer ist hässig.

«Neues Leben einhauchen»

An der Party nahmen rund 500 Personen teil. «Wir hauchen der seit dem Abriss vor zwei Jahren ungenutzten Binz-Brache für drei Tage neues Leben ein», schrieben die Veranstalter am Freitag in einer Mitteilung. Mit dem Fest wolle man daran erinnern, dass auf der Binz einst «alternative Lebensformen und Kultur ohne Gewinnmaximierung» praktiziert werden konnten.

Im Verlaufe des Wochenendes gingen Dutzende von Lärmklagen bei der Polizei ein. Die Musik wummerte bis in die frühen Morgenstunden, ohne dass die Polizei einschritt. Als Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) das Areal besuchte, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen, wurde er ebenso wie Journalisten attackiert. Auch dagegen laufen Strafanzeigen.