Schüler und Schülerinnen, die nach der Primarschule direkt an ein Gymnasium möchten, müssen eine Aufnahmeprüfung in den Fächern Deutsch und Mathematik ablegen. Bei Schülern aus öffentlichen Schulen werden dabei die Noten des letzten Zeugnisses berücksichtigt.

Zusammen mit den Ergebnissen der Aufnahmeprüfung müssen sie einen Notendurchschnitt von 4,5 erreichen, um zum Langzeitgymnasium zugelassen zu werden. Das führt dazu, dass sie eine ungenügende Prüfungsnote mit einem Durchschnitt von mehr als 5 bei der Erfahrungsnote kompensieren können.

Bei Schülern aus Privatschulen hingegen werden Vornoten nicht berücksichtigt. An der Aufnahmeprüfung müssen sie zwingend einen Notendurchschnitt von 4,0 erreichen. Das Verwaltungsgericht hat diese Regelung in einem kürzlich veröffentlichten Urteil bestätigt.

Geklagt hatte die Mutter einer Privatschülerin, die im Frühling dieses Jahres die Aufnahmeprüfung abgelegt hat. Mit einem Notendurchschnitt von 3,81 hat sie diese nicht bestanden. Im letzten Zeugnis hatte das Mädchen in den massgeblichen Fächern einen Notendurchschnitt von 5,375. Nach den Regeln für die Schüler öffentlicher Schulen hätte sie die Aufnahmeprüfung also bestanden. Die Bildungsdirektion wies einen Rekurs der Mutter ab.

Gefordert wurde, die Vornoten des Mädchens zu berücksichtigen, weil die unterschiedlichen Regeln die Schülerinnen und Schüler von Privatschulen benachteiligen würden.

Die Mutter zog den Fall weiter an das Verwaltungsgericht. Dieses wies die Beschwerde ebenfalls ab. Die unterschiedlichen Regelungen für Schüler von Privatschulen und öffentlichen Schulen seien nicht diskriminierend.

Die Noten von Privatschulen könnten nicht einfach mit denjenigen von öffentlichen Schulen verglichen werden, weil Privatschulen grössere Freiheit bei der Gestaltung des Unterrichts und der Benotung hätten.

Entscheid nicht einstimmig

Eine Minderheit der für den Fall zuständigen Kammer des Verwaltungsgerichts sah dies jedoch anders. Zwar war auch die Kammerminderheit der Meinung, dass die Erfahrungsnoten aus Privatschulen und öffentlichen Schulen nicht gleichzusetzen seien.

Am besten und einfachsten wäre die Rechtsgleichheit zwischen Prüfungskandidierenden aus Privatschulen und jenen aus öffentlichen Schulen aber zu gewährleisten, wenn gar keine Erfahrungsnoten in das Prüfungsergebnis einbezogen würden, heisst es zur Begründung.

Die geltenden, unterschiedlichen Regelungen würden faktisch dazu führen, dass Privatschüler nur denjenigen Prüfungskandidierenden aus öffentlichen Schulen gleichgestellt würden, deren Erfahrungsnotendurchschnitt 5,0 betrage. 2015 aber habe der durchschnittliche Vornotenwert beispielsweise 5,29 betragen.

Es liege damit eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung der Kandidatinnen und Kandidaten aus Privatschulen vor. Diesen müsse der Zugang zum staatlichen Gymnasium in gleicher Weise offenstehen wie den Kindern aus öffentlichen Schulen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.