Der Mann hatte im Winter 2014 in der Wohnung seiner Eltern erst den Vater mit 17 Messerstichen, dann die Mutter mit 40 Messerstichen getötet. Vor Obergericht beantwortete er die Fragen hoch konzentriert. Die Tat hatte er in der Untersuchung gestanden.

Das Bezirksgericht Meilen hatte den Mann im Sommer 2016 zu 20 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wegen mehrfachen Mordes. Zugunsten einer stationären Therapie seiner Schizophrenie wurde die Freiheitsstrafe aufgeschoben. Der Beschuldigte hatte das Urteil weitergezogen.

Wohlstandsverwahrlost

In den Plädoyers zeichneten Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Montag zwar stark unterschiedliche Bilder des Täters und des Tathergangs. Dass der Beschuldigte an einer Wohlstandsverwahrlosung gelitten habe, darin waren sich aber beide Parteien einig.

Während die Verteidigung sagte, der Beschuldigte habe sich nach Anerkennung und Zuneigung gesehnt und anstelle dessen Geld erhalten, argumentierte die Staatsanwaltschaft, er habe schon immer viel Geld von seinen Eltern gefordert und nach deren Tod ein Millionenvermögen in Aussicht gehabt.

Der Verteidiger argumentierte in seinem 87 Seiten umfassenden Plädoyer, der Beschuldigte sei in einem konfliktbelasteten Elternhaus erniedrigt und geschlagen worden, habe 2011 eine Schizophrenie entwickelt und unter Einfluss dieser psychischen Krankheit am Ende seine Eltern getötet.

Sein Mandant habe die Tat nicht geplant gehabt und keine finanziellen Interessen verfolgt. Nach einem gemeinsamen Essen mit den Eltern habe der Vater den Sohn unvermittelt von hinten gewürgt.

Tat in Todesangst

Der Sohn habe sich an eine Auseinandersetzung mit einem Türsteher erinnert, Todesangst gehabt und sich mit dem erstbesten Gegenstand zur Wehr gesetzt: Ein Messer mit einer Klinge von 17 Zentimetern Länge, das vor ihm lag. "Ohne die Aktion des Vaters wäre nichts passiert", sagte der Verteidiger. Sein Mandant habe wahllos zugestochen und könne sich an keine Details der Tat erinnern.

Ein Türsteher eines Zürcher Nachtclubs hatte den Beschuldigten drei Wochen vor der Tat in den Schwitzkasten genommen. Der Mann habe das Bewusstsein verloren und eine Verletzung am Nacken davongetragen.

Diese Verletzung habe ihm starke Schmerzen bereitet und er habe deshalb Medikamente einnehmen müssen. Am Tag der Tat habe es Streit gegeben, weil der Sohn nach Schmerzmedikamenten verlangte, die ihm die Eltern jedoch versagten.

Drogenentzug geplant

Die Staatsanwältin beschrieb den Beschuldigten als faul, egozentrisch, ohne Ziel, aber mit einem Drogenproblem. Sie warf ihm vor, die Familienverhältnisse zu dramatisieren und manipulativ auszusagen. Die Eltern hätten sich um den Sohn gekümmert und versucht, ihm eine gute Schulbildung zu ermöglichen.

Der Beschuldigte habe wiederholt die Schule gewechselt und in verschiedenen Internaten gelebt. Später hätten sie ihn beim Studium unterstützt. Etwa indem sie ihm das später abgebrochene Architekturstudium in Mailand samt eigener Wohnung finanzierten.

An den Konflikten in der Familie sei sein Verhalten mitschuldig. Die Eltern hätten Angst vor ihrem Sohn gehabt. Trotzdem hätten sie versucht, ihren Sohn vom Drogenkonsum wegzubringen. Kurz vor der Tat sei die Mutter mit ihm in Italien gewesen, um einen Entzugsaufenthalt zu organisieren.

Die Staatsanwältin widersprach auch der Schilderung der tödlichen Tat. Der forensischen Untersuchung nach zu schliessen, habe der Beschuldigte gezielt "auf lebensempfindliche Regionen" eingestochen. Das Messer steckte im Körper des Vaters fest, bevor er die Mutter angriff.

Der Beschuldigte habe sich also zu einer weiteren Tat entschliessen und ein neues Messer nehmen müssen. Das spricht für die Staatsanwältin gegen eine Tat im Wahn.

Ausserdem verwies sie darauf, dass der Beschuldigte ein Einzelkind sei, das nach dem Tod der Eltern Anspruch auf ein Vermögen von rund 5 Millionen Franken und eine Eigentumswohnung in Zürich im Wert von 1,2 Millionen gehabt hätte. Sie forderte, am Urteil der Vorinstanz festzuhalten, was das Obergericht Zürich nun auch getan hat.