Kanton Zürich
Berufs - Weltmeisterschaft: Diese Lehrlinge wollen die Welt erobern

In diesen Tagen kämpfen Lehrlinge aus der ganzen Welt um einen Podestplatz an der Berufs-WM in Brasilien – fünf der Teilnehmer stammen aus dem Kanton Zürich.

Lina Giusto
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Nun gilt es ernst. Heute starten die 43. WorldSkills Competitions 2015 in São Paulo, Brasilien. Während vier Tagen messen sich die besten jungen Berufsleute aus der ganzen Welt – 1230 Lehrlinge aus 63 Ländern –- in 50 Wettkampfberufen. Mittendrin sind auch fünf Lehrlinge aus dem Kanton Zürich.

«Ich werde während vier Tagen fast zwölf Werkstücke anfertigen: Von der Tischdekoration bis zum Brautschmuck ist alles dabei.» Marina Spring Floristin, Zürich
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«An der WM muss ich einen Bausatz zusammensetzen, ein defektes Gerät reparieren und unter anderem eine Leiterplatte zeichnen.» Mario Noseda Elektroniker, Winterthur
«Ich werde tapezieren, eine Türe streichen, ein Wandbild entwerfen und ausmalen sowie ein weiteres Design konstruieren.» Janin Aellig, Dekorationsmalerin, Madetswil
«Ich zeichne einen Prototypen und baue diesen anschliessend nach. Dafür nutze ich diverse Maschinen und Kunststoffe.» Elias Siegrist Formenbauer, Seuzach
«Ich werden an den vier Tagen an mehreren Websites arbeiten, wobei bei jeder eine andere Aufgabe erfüllt werden muss.» Cyril Wanner, Webdesigner, Hochfelden

«Ich werde während vier Tagen fast zwölf Werkstücke anfertigen: Von der Tischdekoration bis zum Brautschmuck ist alles dabei.» Marina Spring Floristin, Zürich

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Insgesamt besteht die Schweizer Delegation aus 40 Teilnehmern aus 38 Berufen. Bereits letzte Woche sind sie nach Brasilien gereist und haben seit Montag ihre Prüfungsarbeitsplätze eingerichtet. Marina Spring, Floristin aus Zürich, berichtet direkt aus Brasilien: «Wir Floristen haben zwei Tage zum Einrichten. Am Montag haben wir bereits ein paar Pflanzen bekommen, und gestern kamen die Schnittblumen. Ich hoffe, es kommen noch mehr Dekoartikel.» Die Details der Prüfungsaufgaben kennen sie noch nicht, deshalb sei noch alles offen. Auch der Elektroniker Mario Noseda aus Winterthur kennt ausser den Prüfungsblöcken keine weiteren Details: «Dass ich meine Aufgaben nicht im Voraus kenne, das nimmt mir die Nervosität. Ich kann jeden Tag frei an meinen Wettkampf herangehen.»

Dennoch, ganz ohne strapazierte Nerven verbringen die Lehrlinge die letzten Stunden vor der Eröffnung der Weltmeisterschaft aber nicht. Noseda sagt: «Das Warten ist das Schlimmste. Ich bin jetzt eigentlich gut vorbereitet und will endlich mal zeigen, was ich kann.» Gute Vorbereitung ist alles – so hat die Dekorationsmalerin Janin Aellig aus Madetswil ihr Arbeitsmaterial gewissenhaft ausgesucht: «Pinsel und Rollen müssen eingearbeitet sein, sonst verlieren sie Haare beim Arbeiten. Das ist sehr störend.»

Mit viel Fleiss und Schweiss

Jeder Lehrling aus der Schweiz wird von einem persönlichen Betreuer begleitet. Bereits in der Vorbereitungsphase standen diese mit Ratschlägen den Teilnehmern zur Seite oder haben mit ihnen auf den Wettkampf hin trainiert. Zudem übten die Auszubildenden auch in ihrer Freizeit. Cyril Wanner aus Hochfelden tritt in der Sparte Webdesign an und erklärt, wie er sich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet hat: «Ich habe vor allem mit den Projekten der letzten WorldSkills trainiert. Vor zweieinhalb Monaten konnten wir mit dem Tischprojekt dieser WM beginnen. Seit Sonntag kennen wir das endgültige Projekt der viertägigen WM. Das ist wieder komplett anders, es hat ziemlich viel Neues dabei.» Die Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Zeit zu schaffen, werde schwierig. Davor hat der junge Webdesigner auch ziemlich Respekt.

Trotzdem sind die fünf Jugendlichen aus dem Kanton Zürich gut vorbereitet. Alle seien sie in der Vorbereitung vom Lehrbetrieb unterstützt worden. Einzelne durften gar während der Arbeitszeit gezielt für die Prüfungsaufgaben in Brasilien trainieren. Der oder die eine oder andere dürfte dann auch mit einer Medaille nach Hause kehren. Elias Siegrist ist Formenbauer aus Seuzach und schätzt seine Erfolgschancen folgendermassen ein: «Ich erhoffe mir sicher einen Erfolg. Die Infrastruktur hier ist aber nicht so, wie man es sich als Europäer wünscht. Weil alle mit dem gleichen Material arbeiten, ist es schwierig, zu beurteilen, ob es mit einer guten Platzierung klappt.»

Trotz Nervosität und Anspannung sei die Stimmung unter allen Lehrlingen in Brasilien gut. «Wir haben uns alle auf Anhieb gut verstanden. Ich dachte, es herrsche ein grösserer Konkurrenzkampf», sagt Marina Spring. Auch Noseda ist von der Stimmung in São Paulo positiv beeindruckt: «Wir hatten bis jetzt eine coole Zeit. So können wir uns auch gegenseitig von der Nervosität ablenken», sagt er.

Eine grosse Ehre

Für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben sich alle Lehrlinge an den Schweizer Berufsmeisterschaften 2014 in Bern. Zum ersten Mal wird der Wettkampf dieses Jahr in einem lateinamerikanischen Land ausgetragen. Am kommenden Sonntag steht fest, wer eine Medaille mit nach Hause nehmen darf. Neben den Wettkämpfen gibt es Ausstellungen, Wettbewerbe, Konferenzen und Workshops – alles rund um das Thema Berufsbildung. Damit ist die Berufsweltmeisterschaft in Brasilien der grösste Berufsbildungsanlass überhaupt.

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